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Staatliche Bibliothek in Passau Neugierige Hausmeisterin findet Silberschatz

 ·  Eher zufällig hat Hausmeisterin Tanja Höls das Kästchen geöffnet, das verborgen in einem Magazin der Staatlichen Bibliothek Passau lag. Heraus kam ein Schatz aus Münzen und Medaillen.

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© dapd Vergrößern Tanja Höls mit dem Silberschatz

Durch Zufall hat Tanja Höls, Hausmeisterin, einen mehr als 200 Jahre lang versteckten Silberschatz entdeckt. Die 172 Münzen und Medaillen lagen in einem Magazinraum der Staatlichen Bibliothek in Passau und haben schätzungsweise einen Wert im sechsstelligen Bereich.

Frau Höls, sind Sie immer so ordentlich?

Ja, bin ich, absolut.

Alles immer aufgeräumt zu Hause?

Ja. Unordnung kann ich nicht leiden. Bei mir muss immer alles ordentlich sein, alles an seinem Platz. Das ist in mir drin. Damit ich’s auch wiederfinde. Wenn es zum Beispiel um die privaten Unterlagen geht, dass ich die immer gleich griffbereit habe. Chaos mag ich nicht.

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© dapd Vergrößern Eines der Fundstücke: Gedenkmedaille anläßlich der Gründung des Jesuitenkollges in Passau 1612, deren Inschift auf der Rückseite verändert wurde

So sind Sie also Leiterin der Hausdienste in der Staatlichen Bibliothek Passau geworden?

Vielleicht nicht gerade deshalb. Mein Chef, der Herr Dr. Wennerhold, der hat damals an mich geglaubt, und ich glaube, er ist zufrieden mit mir.

Markus Wennerhold aus dem Hintergrund: Bin ich!

Sie sind jetzt seit April 2010 in der Bibliothek. Was haben Sie vorher gemacht?

Ursprünglich bin ich West-Berlinerin, seit 20 Jahren bin ich aber in Passau. Gelernt habe ich Floristin.

Und wie kam es jetzt, dass Sie in der Bibliothek einen Schatz gefunden haben, der nach den Worten Ihres Chefs 172 sehr gut erhaltene Münzen und Medaillen von der Römerzeit bis in die Jahre Napoleons umfasst und wohl einen sechsstelligen Betrag wert ist?

Das war vergangene Woche Freitag, eigentlich mein letzter Arbeitstag, weil ich diese Woche frei nehmen wollte, bevor die Schneesaison beginnt.

Die Schneesaison?

Ja, das Schneeräumen gehört auch in meinen Bereich.

Und da dachten Sie sich: So kurz vor dem Wochenende räume ich nochmal so richtig auf?

Es war eher Zufall. Ich war an diesem Kästchen, das da unter und zwischen anderen Dingen im Magazin lag, schon öfter vorbeigegangen. Und da dachte ich mir: Schau ich doch mal rein.

War die Schatulle nicht verschlossen?

Der Schlüssel steckte, ich musste nichts aufbrechen. Als ich es aufmachte, habe ich mich schon gewundert. Der erste Gedanke: Die sind vielleicht wertvoll. Bin sofort zum Chef gelaufen und habe ihm davon erzählt. Er hat schnell gesehen, um was für einen Schatz es sich handelt

Wo stand denn die Schatulle, dass sie nie jemand entdeckt hat?

In einem der Magazinräume im vierten Stock, neben vielen anderen Bücherkisten und Antiquitäten, die dort liegen . . .

. . . ruhen, könnte man auch sagen.

Ja.

Allgemeine Benutzer hatten also ohnehin keinen Zugang.

Genau.

Und niemand hatte das Kästchen vorher beachtet? Womöglich lag es dort seit 1803, als es aus Schutz vor der Säkularisation versteckt worden war . . .

Mein Chef hat herausgefunden, dass sein Vorgänger von der Existenz des Kästchens wusste. Aber es war jahrzehntelang vergessen. Nächstes Jahr, zum 400-Jahres-Jubiläum der Bibliothek, sollen die Münzen ausgestellt werden.

Das Kästchen schien da sehr unauffällig zu stehen.

Man hat nur die Vorderfront gesehen. Nicht dass ich überall rumkrusche. Aber weil ich eine Leidenschaft für Kästchen und Döschen habe, war die Neugierde irgendwann größer: Da schau ich mal rein.

Die Männer waren früher die Jäger, die Frauen die Sammler, und da brauchte man eben Behältnisse.

Genau. Früher habe ich solche Kästchen auch gesammelt.

Das Magazin ist auch in Ihrem Tätigkeitsfeld?

Bin ich auch mit dabei. Ich bin hier Universalistin. In erster Linie bin ich Hausmeisterin, kümmere mich also um Elektrik, Heizung und so weiter. Ich bin aber auch an der Ausleihe tätig, bei der Annahme und Ausgabe der Bücher.

Wie groß ist denn das Magazin? Wer weiß, welche Schätze da sonst noch so verborgen liegen!

Die Magazine sind schon groß. Aber das war jetzt das einzige Eck, in dem mehr unter- und über- und nebeneinander steht. Viel mehr gibt’s da wohl nicht. Da wird nichts mehr zutage kommen.

Und nachdem die „Passauer Neue Presse“ am Mittwoch berichtet hat, sind Sie wieder im Büro?

Genau. Zwei Interviews habe ich schon gegeben. Und da kommen noch welche. Aber ich bin gerne im Dienst der Staatlichen Bibliothek.

Und wie sieht’s mit dem Schneedienst aus?

Gestern hat es schon geschneit, aber es ist Gott sei Dank nicht liegengeblieben.

Was machen Sie denn bei Schnee?

Das ist viel Arbeit. Ich muss schauen, dass am Morgen bis sieben Uhr die Gehwege und unser Parkplatz frei von Schnee sind, damit die Kollegen alle hinten ordentlich parken können.

Und das machen Sie selbst?

Selbstverständlich, das ist ja meine Aufgabe.

Mit der Schaufel?

Und mit der Schneemaschine.

Eine vielfältige Arbeit. Da müssen eben den Überblick über alles bewahren.

Ja, und vielleicht habe ich deswegen auch den Schatz entdeckt.

Die Fragen stellte Alfons Kaiser.

Quelle: F.A.Z.
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