01.09.2008 · Im Mordfall Michelle fehlt der Polizei noch immer die entscheidende Spur. Geprüft wird auch die Aussage einer Frau, die den Täter vor der Schule gesehen haben will. Einen Zusammenhang zwischen der Tat und dem Selbstmord eines überprüften Sexualstraftäters sehen die Ermittler bisher nicht.
Im Mordfall Michelle hat sich eine Zeugin gemeldet, die womöglich wichtige Hinweise liefern kann. Sie werde nun umgehend vernommen, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung glaubt die Frau, sie könnte dem Mörder in Leipzig begegnet sein. Ein in dem Fall Michelle überprüfter vorbestrafter Sexualstraftäter nahm sich am Wochenende das Leben. Die Polizei geht bislang aber nicht davon aus, dass er der Täter ist.
Die Frau will dem Zeitungsbericht zufolge am Tag des Verschwindens von Michelle vor deren Schule einen Verdächtigen gesehen haben. „Er stand am Tor des Sportplatzes und sprach kleine Mädchen an“, wurde sie zitiert. Der selbe Mann sei ihr bereits zuvor aufgefallen, als er sich auf einem Spielplatz ihrer dreijährigen Tochter genähert und ihr einen Schokoriegel angeboten habe.
Mehr als 1000 Hinweise
Nach Angaben der Zeugin sieht der Verdächtige aus wie der Mann auf einem alten Phantombild der Polizei. Mit dem Bild hatte die Polizei vor Monaten vergeblich einen mutmaßlichen Kinderschänder gesucht, der im April in Leipzig eine Elfjährige missbrauchen wollte. Ein Polizeisprecher sagte, wie alle anderen Hinweise werde auch die aktuelle Aussage sorgfältig geprüft. Ein Zusammenhang zwischen beiden Fällen sei bislang aber nicht erkennbar.
Die Polizei rief Zeugen zugleich eindringlich auf, sich mit Hinweisen direkt an die Ermittler zu wenden. Es sei nicht hilfreich, wenn sie sich während laufender Ermittlungen an die Medien wendeten. „Das macht unsere Ermittlungen nicht gerade einfacher“, sagte der Sprecher. Insgesamt sind in dem Fall mittlerweile mehr als 1000 Hinweise bei der Polizei eingegangen. Allen werde nachgegangen, versicherte der Sprecher.
Tod nach Routinebefragung
Noch unklar war auch am Montag, ob die in einer ehemaligen Gärtnerei sichergestellten Gegenstände etwas mit dem Mord an Michelle zu tun haben. Die Polizei hatte dort Ende vergangener Woche ein Kinderfahrrad, einen Fahrradanhänger und einen Stuhl gefunden. Derzeit werde noch untersucht, ob sich Spuren von Michelle an den Gegenständen befinden, hieß es.
Noch nicht abgeschlossen sind die Untersuchungen im Fall eines 40-jährigen vorbestraften Sexualstraftäters, der sich nach bisherigen Erkenntnissen am Wochenende in Leipzig das Leben genommen hat. Die Polizei geht bislang aber nicht davon aus, dass er für den Mord an Michelle verantwortlich sein könnte. Ein Polizeisprecher sagte, ein solcher Zusammenhang sei derzeit nicht erkennbar. Der alkoholkranke Mann war laut Polizei wie insgesamt rund 250 vorbestrafte Sexualstraftäter in den letzten Tagen aufgesucht und routinemäßig befragt worden. Dabei ging es um die Überprüfung von Alibis.
Fieberhafte Suche
Michelle war am 18. August auf dem Weg vom Schul-Hort nach Hause verschwunden. Drei Tage später wurde ihre Leiche in einem Teich entdeckt. Seither suchen 177 Beamte der Sonderkommission fieberhaft nach dem Mörder des Mädchens. Rechtsextreme versuchten am Montag erneut, die schreckliche Tat für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Am Nachmittag planten sie eine Kundgebung mit rund 200 Teilnehmern. Für eine Gegendemo von Linken wurden ebenfalls 200 Teilnehmer angemeldet.