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Sprache The zeitgeist is right now

12.05.2006 ·  Wer eine Weltsprache spricht, braucht keine Fremdsprachen. Den Amerikanern genügt es, sich ein paar Leckerbissen fremder Sprachen zu schnappen. Heraus kommen „Leitmotif“ und „Überkitsch“.

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Wer als Deutscher zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten reist, wundert sich oft, daß er Wörtern wie „Strudel“, „Schadenfreude“ oder „Gesundheit!“ begegnet. Viele Amerikaner finden deutsche Lehnwörter „wunderbar“, vor allem „Bildungsbürger“ (ebenfalls ein Import aus Old Germany). Der eine oder andere versucht sich gar an Zungenbrechern wie „Lumpenproletariat“ oder „Sturm-und-Drang-Zeit“. „Viele benutzen diese Wörter, um sich ein kosmopolitisches Flair zu geben“, sagt die Germanistin und Amerikanistin Ulrike Wagner aus New York.

Man muß nur darauf achten, dann sieht man überall deutsche Wörter. Gleich neben dem Zeitungsstand gibt es „Pretzel“ (Brezel) im „Deli“ an der Ecke, abgeleitet von dem deutschen Wort Delikatessen. Im Fernsehen hört man einen Politiker sagen: „There are no verbotens with me!“ Womit er klar macht: Bei ihm gibt es keine Tabu-Fragen. Das Präfix „über“ hat es den Amerikanern zurzeit besonders angetan. Schüler mit zu schweren Tornistern zum Beispiel sind „Überpackers“, und mit „Überkitsch“ könnte man die lebensgroßen Krippen bezeichnen, die sich viele Amerikaner zur Weihnachtszeit in den Vorgarten stellen.

He isn´t a mensch

Manchmal wirkt das deutsche Wortgeklingel geradezu übertrieben. Die „New York Times“ überschrieb eine Buchrezension neulich mit: „Marathon Mensch - An angst-ridden man encounters his doppelgänger.“ Auf der Meinungsseite stellt ein Kommentator derweil die These auf: „Donald Rumsfeld isn't a mensch.“ In der ganzen Regierung Bush klaffe ein riesiges „Mensch Gap“. Was er damit meint, erklärt er so: „Wörtlich übersetzt ist ein „Mensch“ eine Person. Aber impliziert ist, daß ein Mensch eine Person mit Rückgrat ist, die für ihre Handlungen die Verantwortung übernimmt.“ Manchen deutschen Wörtern haben die Amerikaner einen ganz neuen Sinn gegeben oder mit anderen Vokabeln zusammengesetzt. Schon mal von einem „Jägerdude“ gehört? Das ist jemand, der wilde Partys feiert und dabei so trinkfest ist, daß er sich einen Jägermeister nach dem anderen genehmigt.

Nicht nur Zeitgeist schmückt die englische Sprache

Viele dieser Wörter sollen erst in den letzten Jahren richtig populär geworden sein. Im Vergleich zu den Briten haben Amerikaner keine so ausgeprägte Schwäche für Wörter, die geeignet sind, den deutschen Botschafter in Rage zu bringen („Achtung!“, „Panzer“). Viele verweisen im Gegenteil auf die stolze Tradition der Dichter und Denker: „Weltanschauung“, „Bildungsroman“ und „Leitmotif“ mit „f“ werden in der „New York Times“ ständig verwendet. „Where's the Fingerspitzengefuhl?“ titelt das Weltblatt - und an anderer Stelle heißt es: „The zeitgeist is right now.“ „Vieles läßt sich eben einfach nicht übersetzen“, erläutert Wagner, die den Einfluß der deutschen Geistesgeschichte auf die amerikanische Nationalliteratur untersucht.

Deutsch als Landessprache

Eine Legende ist allerdings, daß die Vereinigten Staaten kurz nach ihrem Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien um ein Haar Deutsch als Landessprache eingeführt hätten. Die Geschichte geht darauf zurück, daß 1794 einige deutsche Einwanderer eine Petition an das Repräsentantenhaus richteten, nach der Gesetzestexte künftig auch auf Deutsch veröffentlicht werden sollten. Sie begründeten dies damit, daß viele Einwanderer noch kein Englisch sprächen. Dieser Antrag wurde mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt. Die entscheidende Gegenstimme soll der Speaker des Hauses, der Deutschamerikaner Frederick Augustus Conrad Mühlenberg, abgegeben haben. Sein Argument: „Je eher die Deutschen Amerikaner werden, desto besser.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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