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Sport-Legende : Jim Thorpe soll fort aus Jim Thorpe

  • -Aktualisiert am

Ruhmreich: Jim Thorpe 1912 bei einem Leichtathletik-Wettkampf Bild: ullstein bild

Einer der überragenden Sportler der olympischen Geschichte war schon zu Lebzeiten so etwas wie ein tragischer Held. Er kommt auch nach seinem Tod nicht zur Ruhe.

          Man muss die kleine Ausfallstraße nach Norden nehmen, um herauszufinden, weshalb die kleine Stadt am Oberlauf des Lehigh River den Namen eines berühmten Sportlers trägt. Denn da, direkt an der Route 903, befinden sich ein kleiner Park mit zwei Bronzestatuen und ein großer Sarkophag aus poliertem rosa Granit, in dem seit mehr als 50 Jahren die Gebeine liegen, die man hier zu etwas wie modernen Reliquien umfunktioniert hat.

          Es handelt es sich um die sterblichen Überreste von Jim Thorpe, dem Leichtathletik-Olympiasieger, der 1912 in Stockholm den Fünfkampf und den Zehnkampf gewann und der später auch als Football-Spieler eine Legende war. Sein Name war einst so bekannt, dass sich in den fünfziger Jahren eine kleine Stadt im Bundesstaat Pennsylvania nach ihm benannt hat. Und so fand Jim Thorpe, der Sportler, in Jim Thorpe, dem Ort, seine letzte Ruhe.

          Bestattung in Oklahoma gefordert

          Mit der Ruhe allerdings ist es so eine Sache. Denn seit vier Jahren sind amerikanische Gerichte mit einer Klage beschäftigt, die einer von Thorpes Söhnen eingereicht hat und die der Stadt den Schrein streitig macht. Bill Thorpe will, dass sein Vater umgebettet und in Oklahoma bestattet wird: im Stammesgebiet seiner indianischen Vorfahren, wo die „Sac and Fox Nation“ nach der Vertreibung von den Oberen Seen ein Reservat zugewiesen bekam. Und wo die Indianer heute wie so viele andere Stämme auch ein Casino betreiben und damit das Geld verdienen, um solche teuren Rechtshändel zu finanzieren.

          Es ist die vermutlich letzte Auseinandersetzung um einen Mann, der Zeit seines Lebens immer wieder in die Rolle des tragischen Helden gedrängt wurde. Etwa als ihm kurz nach der Konfettiparade ihm zu Ehren in New York die beiden Goldmedaillen aberkannt wurden. Das Internationale Olympische Komitee hatte herausgefunden, dass das sportliche Multitalent in den Jahren davor für kurze Zeit Baseball gespielt hatte. Und zwar für Geld, was gegen die strengen Amateurregeln jener Zeit verstieß. Die Entscheidung wurde erst 1983 aus juristischen Gründen revidiert.

          Streitpunkt: Der Gedenkpark mit dem Sarkophag Thorpes

          Es war ein mühsames Leben mit zwei gescheiterten Ehen, mit Alkoholkrankheit und Depression, in dem er sich in den letzten Jahren mit kleinen Rollen als Indianer in Westernfilmen über Wasser hielt. Thorpe starb 1953 im Alter von 64 Jahren in Los Angeles an einem Herzinfarkt und sollte ursprünglich in Oklahoma beerdigt werden. Doch Patricia, die Witwe und dritte Ehefrau, suchte nach einer Möglichkeit, Thorpe im größeren Stil zu ehren. Sie erschien mit der Polizei mitten in der mehrtägigen indianischen Bestattungszeremonie und nahm den Leichnam mit. Und sie fand kurze Zeit später zufällig auch einen Ort, der das Andenken ihres Mannes ehren wollte: eine kleine Stadt namens Mauch Chunk, fast 2000 Kilometer weit weg in der dicht bewaldeten Berglandschaft am

          Stadt verlor Klage in erster Instanz

          Der Ort hatte einst vom Kohlebergbau gut gelebt, aber war irgendwann ziemlich heruntergekommen und wollte nun auf Tourismus setzen. Die Absprache lautete: Die Gemeinde mit ihren knapp 5.000 Einwohnern nennt sich in „Jim Thorpe“ um und errichtet rund um die sterblichen Überreste des Sportlers eine Gedenkstätte. Niemand bestreitet, dass es bei der Transaktion damals mit rechten Dingen zuging. Der Streit von heute geht auf ein Gesetz zurück, das 1990 erlassen wurde und die Gebeine von Indianern sowie Grabbeigaben unter besonderen Schutz stellt. Es verlangt, dass so etwas den unmittelbaren Verwandten und Stammesorganisationen übergeben werden muss, wenn sie es verlangen. Die Stadt Jim Thorpe verlor denn auch die Klage im April des vergangenen Jahres in erster Instanz und legte Einspruch ein. Nun wartet man in Jim Thorpe/Pennsylvania, Postleitzahl 18229, auf die Entscheidung der Berufungsinstanz.

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