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Spielbanken : „Nüscht geht mehr“

Immer weniger Gäste ließen sich in der Spielbank von Halle an der Saale blicken Bild: ddp

Glück gehabt: Sachsen- Anhalt hat soeben seine Spielbanken verkauft. Einnahmen brachten sie keine mehr. Denn nicht nur in Sachsen-Anhalt haben das Internet und das Automatenspiel den traditionsreichen Kasinos schwer zugesetzt.

          2009 war viel vom Kasino-Kapitalismus die Rede - von den Kasinos selbst dagegen kaum. Dabei sind die goldenen Zeiten auch für Deutschlands Spielbanken längst vorbei, allerdings mit dem Unterschied, dass die größten Notfälle nicht verstaatlicht, sondern privatisiert werden. Am 22. Dezember etwa unterschrieb der Finanzminister von Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn (SPD), den Kaufvertrag für die landeseigene Spielbanken GmbH. Das Unternehmen mit drei Standorten in Magdeburg, Halle und Wernigerode gehört seit Jahresbeginn der Sybilgroup. Der israelische Finanzinvestor mit Sitz auf Zypern wirbt mit dem märchenhaften Slogan „Wir verwandeln Boden in Gold“.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Boden gibt es in Sachsen-Anhalt jede Menge, an Gold fehlt es dagegen überall. Viele Jahre lang sorgte wenigstens die landeseigene Spielbank für Einnahmen; knapp 68 Millionen Euro überwies sie seit ihrer Gründung 1993 in den chronisch knappen Staatshaushalt. Doch vor drei Jahren kehrte sich die Lage um. Das Land subventionierte nun auch noch seine Spielbanken mit rund anderthalb Millionen Euro jährlich. Ein Novum in Deutschland, ein Politikum in Sachsen-Anhalt. Die Magdeburger Koalition aus CDU und SPD wollte die Kasinos deshalb am Jahresende liquidieren, und nicht einmal die Opposition war dagegen.

          Er kennt das Geschäft von der Pike auf

          Dass sich das Roulette in Magdeburg und Halle nun doch weiterdreht, ist wohl auch Alexander Musiolik zu verdanken. Der 54 Jahre alte Saalchef im Kasino Magdeburg ist Vizevorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Spielbanken Sachsen-Anhalt. Er kennt das Geschäft von der Pike auf, hat Anfang der siebziger Jahre im Berliner Kempinski erst Hotelkaufmann gelernt und dann in Bad Harzburg als Croupier gearbeitet. „Damals musste man sich noch richtig in Schale schmeißen, um überhaupt reinzukommen“, sagt er.

          Musiolik trauert der alten Zeit nicht hinterher, auch wenn die Sitten mittlerweile verlottert sind. Krawattenzwang herrscht allenfalls noch in Baden-Baden. „Wir lassen die Leute heute schon in Jeans und Schirmmütze herein.“ Im Sommer habe man Mühe gehabt, Besucher wenigstens von langen Hosen zu überzeugen, doch auch diese Restriktion dürfte bald fallen in Zeiten, da potentielle Spieler auch von zu Hause aus im Unterhemd online zocken können.

          Nicht mal mehr vierzig Besucher pro Abend kamen

          1993 kam Musiolik nach Magdeburg. Im Osten gab es damals zehn Spielbanken. Auf einem Schiff auf der Elbe ging es damals los: Drei Roulette-, zwei Black-Jack-Tische und eine Bar auf der einen sowie fünfzig Automaten auf der anderen Seite. Rund hundert Gäste lockte das Angebot am Abend. Doppelt so viele hätten es in der Stadt mit 200.000 Einwohnern ruhig sein dürfen, doch ehemalige DDR-Bewohner betrachten Kasinos mit äußerster Skepsis. „Wir laufen hier bei vielen unter ,Spielhölle'“, sagt Musiolik. Für fünfzig Euro mal einen unterhaltsamen Abend im Kasino zu verbringen erscheine den meisten Menschen in dem von Arbeitslosigkeit und Abwanderung gebeutelten Land absurd.

          So blieb die Spielbank in Magdeburg klein, aber trotzdem anerkannt und profitabel. 1995 öffnete eine Dependance in Halle; beide zusammen brachten Ende der neunziger Jahre zwölfeinhalb Millionen Euro Umsatz, von dem das Land 70 Prozent kassierte. Nach der Jahrtausendwende aber ging es bergab: 2002 sank der Umsatz auf acht Millionen Euro. Die Spielbank GmbH rutschte in die Miesen, und statt zu kassieren, zahlte der Staat nun drauf. „Nüscht geht mehr“, hieß es bald darauf in Magdeburg, wo nun nicht mal mehr vierzig Besucher pro Abend kamen.

          „2009 werden wir deutlich unter 600 Millionen Euro liegen“

          „Die Lage in Sachsen-Anhalt ist zu 80 Prozent der Branchensituation geschuldet, der Rest ist hausgemacht“, sagt Matthias Hein. Der Achtundfünfzigjährige ist Chef der Spielbanken Schleswig-Holstein und war bis Jahresende Sprecher der Deutschen Spielbanken Interessen- und Arbeitsgemeinschaft (DeSIA). „Der Glücksspielmarkt hat sich dramatisch verändert, und eine Spielbank zu betreiben ist heutzutage nicht mehr attraktiv.“ Reihum senken die Länder wegen wegbrechender Einnahmen die Spielabgabe-Quoten; die Spanne reicht heute von noch 80 Prozent in Schleswig-Holstein bis zu 25 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Vom „Rest“ müssen die Spielbanken Kosten und Investitionen zahlen, was in der Vergangenheit selbst bei 90 Prozent Staatsabgabe noch einer Goldgrube glich.

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