17.07.2006 · Ein Spiel um Postkutschen-Routen im 17. Jahrhundert hat den begehrten Kritiker-Preis Spiel des Jahres erhalten: „Thurn und Taxis“ von den Spiele-Erfindern Karen und Andreas Seyfarth. Zum Kinderspiel des Jahres wurde „Der schwarze Pirat“ ernannt.
Das historisch angelegte Strategiespiel „Thurn und Taxis“ hat den begehrten Kritikerpreis Spiel des Jahres 2006 gewonnen. Das aufwendig gestaltete Brettspiel um Postkutschen-Routen im 17. Jahrhundert setzte sich gegen mehr als 100 neue Spiele auf dem deutschen Markt durch, teilte die Jury am Montag in Berlin mit.
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis habe den Familiennamen gern für den Titel des Spiels hergegeben, sagte Bernd Brunnhofer, Chef des Spieleverlags „Hans im Glück“. „Sie freut es, daß Thurn und Taxis für das angestammte Geschäft steht und nicht für irgendwelche Eskapaden“, ergänzte er.
Mit Blasebalg über die Weltmeere
Der Kritikerpreis Spiel des Jahres gehört zu den begehrtesten Titeln auf dem deutschen Spielmarkt. Der Favorit der Jury kann mit hohen Auflagen und einem guten Verkauf rechnen, insbesondere im begehrten Weihnachtsgeschäft. „Wir hatten in diesem Jahr einen ausgesprochen guten Spielejahrgang“, sagte der Jury-Vorsitzende Stefan Ducksch. „Die Vorschläge waren sehr fantasievoll und hübsch umgesetzt.“ Ziel des Vereins „Spiel des Jahres“ ist es, Kinder und Erwachsene wieder zum gemeinsamen Spielen zu verführen - jenseits der Playstation.
Zum Kinderspiel des Jahres wählte die Jury aus mehr als 200 Neuerscheinungen das Bettspiel „Der schwarze Pirat“. Bei diesem Taktikspiel müssen Spieler Schätze auf exotischen Inseln heben. Ein wenig Geschicklichkeit gehört auch dazu, denn die Piratenschiffe segeln mit Hilfe eines kleinen Blasebalgs über die Meere. Für Jury-Mitglieder, die jede Woche mindestens zwei Mal Neuerscheinungen ausprobieren, zählen vor allem die Originalität der Spielidee, übersichtliche Regeln, Layout und Design.
Mehr als nur ausgeklügelte Taktik
„Thurn und Taxis“ hat sich ein Paar aus der Nähe von München ausgedacht, das sozusagen mit Spielen verheiratet ist. 1979 lernten sich die Verlagslektorin und der Spieleautor bei der Tüftelei zu „Hase und Igel“ kennen, dem ersten Spiel des Jahres. Heute sind Karen und Andreas Seyfahrt als spielendes Ehepaar gut bekannt. Das Bauspiel „Manhattan“ aus dem Jahr 1994 ist zum Beispiel auch eine ihrer Ideen. Den großen Erfolg erklärt sich das Paar auch durch die männlichen und weiblichen Strategien, die beim Erdenken der Spiele zum Zuge kommen. „Ich achte darauf, daß es nicht zu verkopft wird“, sagt Karen Seyfahrt. Und ein bißchen Pädagogik könne auch nicht schaden - neben aller Taktik. Spieleautoren brauchen auch viel Zeit. Am Gewinnerspiel puzzelten Karen und Andreas Seyfahrt ein Jahr lang.
Bei „Thurn und Taxis“ brauchen die Spieler die gleichen Fähigkeiten wie das Fürstengeschlecht Thurn und Taxis, das von 1490 an Kurierdienste und das Postkutschenwesen in Europa mit aufbaute. Mut, Geld, Geschicklichkeit und die richtigen Verbindungen bringen nun auch zwei bis vier Strategen auf einer historisch gestalteten Landkarte des Gewinner-Spieles voran. Es gilt, zwischen den Städten die besten Postkutschen-Routen zu legen. Im echten Fürstenhaus kommt das Brettspiel auch zum Einsatz. „Wir spielen alle gern und viel. Das ist allemal besser als schweigend vor dem Fernseher zu sitzen“, sagte Gloria von Thurn und Taxis.