21.08.2008 · Bislang hat Spanair nur kleinere Zwischenfälle ohne Verletzte oder Tote verzeichnet. Das hat sich mit der Katastrophe von Madrid geändert. Dies trifft die Fluggesellschaft doppelt hart - sie befindet sich momentan in einer schwierigen Phase.
Von Michael PsottaDie Katastrophe von Madrid trifft die zweitgrößte spanische Fluggesellschaft Spanair in einer schwierigen Phase. Der Eigentümer, die skandinavische Fluglinie SAS, hat erst vor gut einem Monat angekündigt, 1100 der 3800 Stellen abzubauen und ein Fünftel des Streckennetzes zu streichen. Damit reagiert SAS auf das sich verschlechternde Umfeld für die spanische Fluglinie, die allein im ersten Quartal 2008 einen Nettoverlust von 41 Millionen Euro ausweisen musste.
Spanair kämpft – wie viele Konkurrenten – mit den hohen Treibstoffpreisen. Zudem entsteht mit dem Zusammenschluss der spanischen Billigflieger Clickair und Vueling ein fast so großer neuer Billigflieger, der zudem unter der Regie von Iberia stehen wird – als spanischer Marktführer der härteste Spanair-Konkurrent. Zudem drängt Billigflieger Air Berlin auf den spanischen Markt. Frühere Versuche der selbst mit Schwierigkeiten kämpfenden SAS, Spanair an Lufthansa oder Iberia zu verkaufen, sind gescheitert. Zu Lufthansa hätte Spanair durchaus gepasst, weil beide Unternehmen Partner in der Star Alliance sind.
Flottenalter hat keinen direkten Einfluss auf Flugsicherheit
Doch die größte deutsche Fluggesellschaft hatte mehr Interesse an Iberia, die selbst zum Verkauf stand. Daraus wurde indes nichts, weil sich Iberia für eine Fusion mit British Airways entschied. Zuvor hatte Iberia zwar ein Angebot für Spanair unterbreitet, es aber zurückgezogen, nachdem man sich mit SAS nicht auf einen Preis hatte einigen können.
Letztlich entschloss sich SAS, die Sanierung von Spanair in eigene Hände zu nehmen und im ersten Schritt unrentable Strecken aufzugeben, darunter Madrid–München sowie Barcelona–Zürich. Einen Hinweis auf die Finanzlage bietet die Flotte. Spanair fliegt nun mit noch 64 Flugzeugen, darunter junge Fluggeräte vom Typ Airbus 320/321 sowie Boeing 717. Das Schwergewicht sind aber immer noch mehr als 30 Flugzeuge vom Typ McDonnell Douglas, MD-82/87, mit einem Durchschnittsalter von mehr als 18 Jahren. Auf die Flugsicherheit hat das Flottenalter jedoch keinen direkten Einfluss; die Wartung wird aber mit dem Alter aufwendiger. Daran hat Spanair indes nicht gespart. Seit der Gründung vor 24 Jahren verzeichnete Spanair bis zum Mittwoch nur kleinere Zwischenfälle ohne Verletzte oder Tote.
Michael Psotta Jahrgang 1957, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.
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