16.07.2010 · Diesen Sommer ist tierisch was los: Ein Aligator verirrt sich im Großstadtdschungel, eine Elefantendame flaniert auf einer Einkaufsmeile und eine Krake lehrt uns mit ihren WM-Prognosen das Fürchten.
Von Nina BelzEs ist ein bisschen wie jeden Sommer und ein bisschen wie bei Nessie. Einer hat’s gesehen, doch wenn man sich auf die Suche macht, bleiben die Monster und Ungeheuer unauffindbar. Diesmal geht es um Krokodile. Schon im April wollte ein begabter Nachwuchsjournalist im Kemnader See ein Krokodil gesehen haben. Der einzige Beweis bleibt ein unscharfes Handyfoto, auf dem eine leichte Bewegung an der Wasseroberfläche erkennbar ist. Sogleich wurde es zum Beweismittel gemacht, obwohl der Sommer, die große Saison der halbvirtuellen Tiere, noch gar nicht begonnen hatte. Seine Begleiterin berichtet von „einem gelben Bauch“. Man befragte Experten, wie lange das Tier überleben könne. Kai nannte man den vermeintlichen Seebewohner verniedlichend. Aber Kai blieb verschollen. Doch kommt ein Krokodil selten allein: Nur zwei Monate später wollen fünf Jugendliche wieder Reptilien in der Ruhr gesichtet haben, dieses Mal sogar zwei. Aber es bleibt wie bei Nessie: Jemand hat sie gesehen, einmal und nie wieder.
Ali hingegen, der war nicht zu übersehen. Mitten auf dem Gehsteig im Frankfurter Ostend lag er am vergangenen Wochenende, drei Meter lang, regungslos. Der Duft von Frischwasser aus dem nahen Main war es wohl, der in die feinsinnige Krokodilnase stieg und den Drang weckte, das Gelände der Reptilienshow klammheimlich zu verlassen. Unter Zeltwänden und einem Bauzaun quetsche er sich durch, immer der Nase nach. Der Weg zum kühlen Nass war aber weiter als gedacht. So gönnte sich der 65 Jahre alte Alligator nach 50 Metern ein Päuschen. Das 170 Kilogramm schwere Tier legte sich auf den Gehsteig, wo ihn ein Autofahrer entdeckte. Von den von der Polizei alarmierten Tierpflegern ließ er sich ohne Widerstand ins Gehege zurücktragen. Ganz ungeschoren kam der Ausbrecher nicht davon: Das friedlichste Krokodil der Ausstellung, wie ein Sprecher Ali nannte, muss von nun an auf seine Sonderbehandlung verzichten. Er darf nicht mehr frei auf dem Gelände schlafen. Nun schließen sich abends wieder die Türen des mobilen Stalles hinter ihm. Ali, der sonst auf der Friedberger Krokodilfarm lebt, hat dort einen prominenten Mitbewohner: Kaiman Sammy, den man vor 16 Jahren aus einem Baggersee bei Dormagen fischte. Das „Ungeheuer vom Loch Neuß“, wie man Sammy damals nannte, lebt jetzt ebenfalls ganz friedlich Friedberg.
Dackeldame genießt den Komfort des Geigenkastens
Auf das Eigentum anderer hatten sie es abgesehen, das Gangsterpaar Bonnie und Clyde. Raubend und mordend zogen sie mit ihrer Bande in den dreißiger Jahren durch den Südwesten Amerikas. Die Namen des berühmten Ganovenduos tragen auch die zwei aufmerksamen Dackeldamen, die Stargeigerin Ann-Sophie Mutter auf fast allen Reisen begleiten – und ihr Hab und Gut gegen Diebe verteidigen. Es war Clyde, die zuschnappte, als sich der Intendant der Rheingau-Musik-Festivals Frauchens Geigenkasten näherte, wo Ann-Sophie Mutter ihre Stradivari-Geige aufbewahrt. Der Mann mit der herzensguten Absicht – er wollte das Tier nur streicheln – blieb unverletzt. Clyde hatte es sich in dem Geigenkasten bequem gemacht. Das wertvolle Instrument befand sich in gutem Gewahrsam: In der Hand der Geigerin in einer Probe.
Es war an einem nassregnerischen Sonntagabend im Juni, als eine Elefantenkuh über die Zürcher Einkaufsmeile Bahnhofstaße spazierte. Sabu, Elefant des Schweizerischen Nationalzirkus „Knie“, hatte sich losgerissen, als sie zusammen mit ihren vier Artgenossen in einen Wagen verladen werden sollte. Das 26 Jahre alte Tier machte sich zu einem eineinhalbstündigen Spaziergang auf und gönnte sich noch ein Bad im Zürichsee. Sabu, der auch den Spitznamen „Rambo“ trägt, bemühte Polizei, Tierexperten und Zirkuspersonal. Schließlich gelang es, der Ausreißerin eine Kette ums Bein zu legen. Doch war dieser medienwirksame Ausflug Sabu nicht genug: Nur drei Tage später nahm das 4 Tonnen schwere Tier wieder reißaus – um in einem Bach in der Nähe des Zirkuslagers zu baden. Das brachte das Fass zum Überlaufen, zumal die Stadtpolizei Zürich den Zirkus anzeigte. Bei beiden Vorfällen wurde niemand verletzt, Sachschaden entstand auch nicht. Dennoch muss Sabu nun mit dem Winterquartier der Zirkuselefanten im Rapperswiler Kinderzoo Vorlieb nehmen. Schluss mit den schönen Defilees durch die Zirkusmanege.
Pinguine residieren auf einer Dachterrasse
Die neun neuen Bewohner des Ozeaneums in Stralsund haben alles, was man sich in diesen warmen Sommertagen wünschen kann. Ein Platz auf einer Dachterrasse mit Blick über die Altstadt und ein Becken mit 120 000 Litern Meerwasser zur Abkühlung. Am Montag sind die Humboldt-Pinguine auf dem Dach eingezogen, wo sie auch im Winter wohnen werden. Auch dann ist da oben für den Komfort der Tiere gesorgt: Eine Bodenheizung wird verhindern, dass die Oberfläche gefriert und die Tiere abrutschen könnten. Doch noch verbringen die vier Weibchen und fünf Männchen den Tag im kühlen Wasser und wedeln sich mit den Flügeln Luft zu. Wirklich ins Schwitzen kommen sie allerdings nicht: Die bedrohte Art der Humboldt-Pinguine leben an den Küsten von Chile und Peru, wo es auch warm werden kann. Die fünf Männchen und vier Weibchen haben noch keine Namen – es werden Paten gesucht.
Petty, Leon, Anton – wer? Paul, das treffsichere WM-Orakel, hat sie alle hinter sich gelassen: das Flusspferd, das Stachelschwein, das Krallenäffchen. Souverän aß der Krake jeweils das richtige Töpfchen Muschelfleisch und prophezeite alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft richtig. Auch den Titel für Spaniens sah er voraus, weshalb die Begeisterung im Weltmeister-Land für „el pulpo“ nicht abreißt. Eben ist er Ehrenbürger des spanischen Dorfes O Carballiño geworden, wo man „pulpo“ nicht nur zum Tintenfischfestival zum Fressen gern hat – in Scheiben geschnitten, mit viel Salz und Olivenöl. Erst wollte man die Krake kaufen – 25 000 Euro wurden schon gesammelt. Doch das „Sealife“ in Oberhausen lehnte ab. Auch die Einladung des Bürgermeisters von O Caralliño zur alljährlichen „Fiesta del Pulpo“, im galizischen Dorf wurde ausgeschlagen. Womöglich hätte für das achtbeinige Weichtier bei „Fiesta del Pulpo“ im August Lebensgefahr bestanden. Der Krake soll in Deutschland bleiben. In Oberhausen wird er nun wieder seiner Hauptbeschäftigung nachgehen: Besucher erfreuen und Kinder zum Lachen bringen. Wer Paul zu sehr vermisst und schon gar nicht mehr weiß, wie er sich entscheiden soll, dem hilft vielleicht das Paul-Orakel „Ask the octopus“ – als Anwendung auf dem i-Phone.
und in Slazburg diese Woche
Franz Fröhlich (kubitus)
- 16.07.2010, 11:53 Uhr
Sabu, der " Rambo--Elefant"
richard Gere (gaucho55)
- 16.07.2010, 12:29 Uhr
Gummibärchen auf der Königstrasse entdeckt
Kaus -Dieter Probst (kldipro)
- 16.07.2010, 13:33 Uhr