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Digitale Kinderalben : Sollte man Bilder seiner Kinder ins Netz stellen?

Rechtlich gesehen können Eltern minderjähriger Kinder frei entscheiden, ob sie Bilder ins Netz stellen – Experten raten aber zur Zurückhaltung. Bild: Privat

Vielen Jugendlichen ist es peinlich, wenn die Mutter vor Freunden das Fotoalbum herausholt. Wird es den Kindern, deren Aufwachsen im Internet dokumentiert wird, später auch mal so gehen?

          Zwei Tage nach ihrer Geburt taucht Mia zum ersten Mal mit einem Foto bei Facebook auf. „Endlich ist sie da“, hat die stolze Mutter darunter geschrieben, 100 Leuten „gefällt“ das. Es folgen Fotos mit Papa und Tante, mit Mini-Schultüte am ersten Kindergartentag und in Windel mit Sonnenhut am Strand. „Zuckersüß“ und „Mein Lieblingsbaby“ lauten die Kommentare darunter. So geht es immer weiter, knapp drei Jahre später heißt es dann: „Olivia ist da“. Auch Olivias Leben wird vom ersten Tag an bei Facebook dokumentiert. Was früher ins Familienalbum geklebt wurde, landet heute auf der digitalen Pinnwand.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin in den Ressorts Gesellschaft und Politik bei FAZ.NET.

          Vielen Jugendlichen ist es peinlich, wenn die Mutter vor Freunden oder Verwandten das Fotoalbum mit den Kinder- und Jugendbildern herausholt. Wird es den Kindern, deren Aufwachsen nun im Internet dokumentiert wird, später auch mal so gehen? Nur in einer ganz anderen Größenordnung?

          Der Beitrag eines Rechtsanwalts, der oft mit Cybermobbing zu tun hat und Eltern davor warnt, Bilder leichtbekleideter oder gar nackter Kinder ins Netz zu stellen, weil das Internet nichts vergesse, wurde zehntausendfach geteilt. Die Seite „Keine Kinderfotos im Social Web“ gefällt bei Facebook mehr als 6000 Menschen - allerdings ist das eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zu den Menschen, die in dem sozialen Netzwerk Aufnahmen ihrer Kinder posten.

          Experte rät Eltern zur Zurückhaltung

          Nina Massek geht einen Mittelweg: Sie postet Bilder ihrer Kinder von weitem, von der Seite, leicht von oben oder hinten, so dass sie auf der Straße nicht zweifelsfrei erkannt würden, und mal auch nur eine Nahaufnahme von Kinderhänden, die mit einem Spielzeug oder im Schnee spielen. Mit Texten über ihr Leben als Mutter verdient die Bloggerin ihr Geld. Wie viel sie von sich selbst und ihren Kindern preisgeben will, fragt sie sich bei ihrer Arbeit ständig.

          Rechtlich gesehen können Eltern minderjähriger Kinder frei entscheiden, ob sie Bilder ins Netz stellen. Die Kinder gelten als noch nicht einsichts- und geschäftsfähig, und das betrifft auch das Recht am eigenen Bild. Sobald das Kind die Risiken, die damit verbunden sind, selbst einschätzen kann, darf es aber mitentscheiden. Das ist in etwa im Alter von 12 bis 14 Jahren der Fall. Dann können Kinder theoretisch auch von ihren Eltern verlangen, Bilder aus dem Netz zu nehmen.

          So einen Fall habe es bisher aber nicht gegeben, sagt der Medienanwalt Tobias Röttger aus Mainz. Eher komme es zu Rechtsstreitigkeiten, wenn bei getrennt lebenden Eltern etwa der Vater Bilder hochlade, die Mutter aber das alleinige Sorgerecht habe. Röttger selbst rät Eltern generell zu Zurückhaltung, denn man wisse nicht, was mit diesen Bildern passiere und wie die Kinder später dazu stehen: „Das nährt den Boden für spätere Mobbingattacken.“

          „Man macht sich viele Gedanken“, sagt Bloggerin Massek, „was kann passieren, wie kann man sich schützen?“ Mit ihrem Mann und auch mit dem neun Jahre alten Sohn spricht sie über ihr Blog „Frau Mutter“, sie zeigt dem Sohn die Bilder, die sie von ihm verwenden will. Ein Familienblog ganz ohne Familienfotos: Das will sie nicht. Es ist ein ständiger Abwägungsprozess. „Bei vielen Bildern denke ich: Ach wie süß, mein Kind ist ja so schön“, erzählt sie. „Da muss ich mich dann selbst zurückpfeifen.“ Bei Facebook hingegen postet sie durchaus auch mal Bilder, auf denen ihre Kinder aus der Nähe und frontal zu sehen sind. Dort ist sie aber nur mit echten Freunden und Bekannten befreundet.

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