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Herzblatt-Geschichten : Schon wieder die Scheidung

Endgültig! Endgültig? Bild: Goldenes Blatt

Royales Unglück: Charles und Camilla stehen endgültig vor der Scheidung. Endgültig? Da war doch was. Weniger endgültig waren dagegen die Liebschaften von Udo Jürgens. Dabei wollte er doch nur die Früchte am Wegesrand ernten.

          Da sind sie wieder: „Charles & Camilla – Jetzt ist es endgültig! Scheidung“, verkündet Das goldene Blatt auf seinem Cover nebst einem Foto des strahlenden Paares, auf dem beider Zähne mit Camillas Ohrringen um die Wette funkeln.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer sich nun fragt, was es da zu lachen gibt, der kennt das Goldene Blatt nicht, welches Charles und Camilla alle paar Wochen auf dem Titelblatt trennt, um sie in der Woche drauf wieder zusammenbringen, meist durch einen perfiden Trick Camillas. „Jetzt ist es endgültig“ hieß es zum Beispiel schon einmal Ende 2013. Uns beschert das ein Déjà-vu- oder sogar ein Déjà-déjà-déjà-déjà-déjà-vu-Erlebnis, und zumindest das royale Paar scheint sich über den Running Gag prächtig zu amüsieren. Ob die Leser den Spaß auch verstehen?

          (Kein) Exklusives Schumi-Foto

          Manchmal aber kann einem das Lachen vergehen. Zum Beispiel bei der Geschichte, mit der die Freizeitrevue ihre Leser ködert: „Michael Schumacher – Exklusiv! Das Skandal-Foto! Es kostet Millionen – Freizeitrevue deckt auf“. Im Innenteil raunt die Redaktion über eine Person „aus dem direkten Umfeld“ Schumachers, die „aktuelle Fotos von Schumi für ein Honorar in Millionenhöhe“ anbiete: „Aus Respekt vor Schumacher verzichten wir jedoch auf weitere Schilderungen – und darauf, die Fotos zu veröffentlichen“.

          Nicht nehmen lässt es sich das Blatt aber, daraus eine eklige Titelzeile zu schustern und darin zu insinuieren, man werde der neugierigen Leserschaft ein Foto präsentieren. Der abschließende Satz wiederum, das „schockierende Millionen-Angebot“ sollte Schumachers Managerin, die ihn konsequent vor der Öffentlichkeit schützt, „zum Nachdenken anregen“, liest sich wie eine Drohung. Widerlich.

          Locker mithalten kann da die Neue Post, die aus dem zwei Monate zurückliegenden Tod einer Fernsehmoderatorin, welche mit Franz Beckenbauer bekannt war, folgende Schlagzeile strickt: „Sein traurigster Geburtstag – Franz Beckenbauer – Krebs-Schock! Schon wieder muss er Abschied nehmen“.

          Nicht nur von der Justiz wird der Kaiser geschockt

          Zum Glück wieder besser geht es Karel Gott, der zwischenzeitlich schwer erkrankt war und nun der Bild-Zeitung mitteilt: „Vielleicht wollte die Frau mit der Sense mich holen.“ Äh – die Frau? Wir kannten eigentlich nur den Sensenmann. Aber womöglich hat Karel Gott bei dessen dunklem Umhang ja an eine Burka gedacht, unter der zumeist eine Frau steckt.

          Als erfolgreicher Sänger fühlt sich Gott, der ohne Frage männlich ist, vermutlich auch ähnlich zu Damen hingezogen wie einst Udo Jürgens, der laut einem soeben erschienenen Buch gesagt haben soll: „Ich wollte diese Früchte ernten, die da an meinem Weg standen.“ Allerdings, zitiert Bild ihn weiter, habe er „in all diese Momente immer ein Stückchen echte Liebe mit hineingebracht“.

          Liebe für die Früchtchen: Udo Jürgens

          Dass manche dies nicht sahen und ihn kritisierten, habe Jürgens nicht gestört; er sei im Gegenteil froh gewesen, „auch mal in einem negativen Licht zu erscheinen, wenn es zum Beispiel heißt, der Kerl lebt gerne und treibt sich nachts in Kneipen herum. Der sitzt nicht so brav zu Hause wie Peter Alexander mit der Angel in der Hand.“ Was die Frage aufwirft: Warum hielt Peter Alexander zu Hause eine Angel in der Hand? Hatte er einen Teich im Wohnzimmer? Vielleicht könnte ein neues Peter-Alexander-Buch da für Klarheit sorgen.

          Stabile Brüste

          Aufklärung betreibt auch ein anderes Heft: „Explosions-Gefahr? Intouch klärt die wichtigsten Fragen zu Sophia Wollersheims Silikon-Brüsten.“ Eine der Antworten lautet: „Keine Sorge. Heutzutage sind Implantatkissen so sicher, dass selbst ein tonnenschwerer Lkw darüberrollen könnte, ohne sie zu beschädigen.“ Was die restlichen Teile ihres Körpers angeht, nehmen wir an, müsste Wollersheim sich in so einem Fall aber doch Sorgen machen. Oder besteht sie komplett aus Silikon?

          Bunte wiederum fragt, was heute zu gutem Benehmen gehöre, und der Schauspieler Mark Keller antwortet: „Minuspunkte bekommen für mich Menschen aus unserem Kulturkreis, die nicht mit Messer und Gabel essen können.“ Während es bei Menschen aus anderen Kulturkreisen okay ist, denn die hantieren in ihren Urwäldern ja höchstens mit Stöckchen, nicht wahr, Herr Keller? Traurig übrigens, dass von Ihnen dann auch Kleinkinder Minuspunkte bekommen.

          Gute Nachrichten verkündet Woche der Frau, nachdem ein nun entdeckter Brief des Bayernkönigs Ludwig darauf hindeutet, er sei auch in seinen letzten Tagen bei klarem Verstand gewesen: „Wie schön! Er war nicht verrückt.“ Hinzufügen freilich müsste man: „Wie traurig! Er ist trotzdem tot.“

          Der Sand ist 47

          In die Vergangenheit blickt auch Schauspieler Erol Sander, der sich in Bunte an seine erste Freundin erinnert: „Sie hat mich vor der Tür mit einem anderen Kerl betrogen und ich hab’s gesehen.“ Doch kann man in so einem Fall ernsthaft vom Betrügen sprechen? Offener geht’s doch gar nicht!

          Gewohnt offen zeigt sich auch Verona Pooth beim Familienurlaub in Saint-Tropez. Dort, schreibt Echo der Frau, „kamen ihre süßen Wasserratten, ihre Söhne San Diego (12) und Rocco (5), beim Baden voll auf ihre Kosten. Veronas Gatte Franjo entspannte sich währenddessen im Sand (47).“ Und so können wir zum Schluss doch noch eine journalistische Meisterleistung bestaunen: Echo der Frau hat sogar das Alter des Sandes recherchiert.

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