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Herzblatt-Geschichten : Wütende Engel

Durch Betrug ergattert und mit peinlichen Komplimenten erhalten: Gottschalks Frau Thea Bild: dpa

Promis reden gerne über andere. So auch Thomas Gottschalk, der seine Frau jüngst eine Granate nannte, Doris Schröder-Kopf, die über alte Männer lästert, und Roger Whittaker, dem man besser gar nicht zuhört.

          Das Kaminfeuer flackert, der Glühwein köchelt, und in unserem gemütlichen Büro-Ohrensessel widmen wir uns der seelenwärmenden Herzblatt-Lektüre: Da kann sie draußen noch so wüten, die „Russenpeitsche“. Das muss man ihr schon lassen, der Bild-Zeitung: Dem Wintereinbruch, der uns nun, Anfang Dezember, so gnadenlos wie unerwartet heimsucht, hat sie einen wahrhaft prägnanten Spitznamen verpasst, der Nachkriegsgrusel, Väterchen-Frost-Romantik und trendiges „Shades of Grey“-Ambiente vereint.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war in dieser Woche die zweite Meisterleistung der Kollegen, die schon einer neuen Bild.de-Serie über vier junge Frauen einen Titel gaben, welchen wir erst fälschlich als „Die Stilikonen“ lasen. Bis wir merkten, dass es sich bei den Protagonistinnen um Micaela Schäfer oder Gina-Lisa Lohfink handelt, und uns das eingesparte t auffiel: „Die Silikonen“, sehr treffend! Versagt hingegen hat Das neue Blatt. Da hat man schon ein „Exklusiv-Interview“ mit Helene Fischer, in dem die Sängerin über ihren „Traumschiff“-Dreh den Satz sagt: „Ich habe mich sofort in das ZDF-Team verliebt“ - und was wird draus gemacht? Keine Titel-Schlagzeile à la „Helene Fischer - Neue Liebe mit ganz vielen Männern - Was wird aus Flori?“, gar nichts!

          Wie man’s macht, zeigt dagegen Frau aktuell mit ihrer Story: „Helene Fischer - Es ist vorbei! Das erschütternde Geständnis“. Beim „Es“, das vorbei ist, handelt es sich um Helenes Tournee, denn die hat sie soeben beendet. Frau Fischer begegnet uns auch im Goldenen Blatt, das sie mit den Worten zitiert, zu den Festen ihrer großen Familie kämen „immer so 500 bis 600 Leute“. Und die, so das Blatt, seien ihr „alle noch sehr nah, kommen regelmäßig zu ihren Konzerten in der ganzen Republik“. Das wäre dann auch die Erklärung dafür, dass seit Jahren bei volkstümlichen Schlagerkonzerten die Hallen stets so voll sind: Die sind da alle miteinander verwandt.

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          Einen Gast von außerhalb durfte Helenes Herzbub Florian Silbereisen gestern Abend zum „Adventsfest der 100.000 Lichter“ begrüßen. 26 Jahre nachdem Stéphanie von Monaco ihr unvergessliches „Irresistible“ piepste, durfte man wieder eine trällernde Prinzessin bewundern: Norwegens Märtha Louise wollte mit Silbereisen das Lied „Deiling er Jorden“ vortragen. Sie dürfte sich durchaus wohl gefühlt haben bei Silbereisen, ist sie doch in ihrer Heimat als Betreiberin einer Engelsschule den Umgang mit seltsamen Erscheinungen gewohnt.

          An Engel glauben ja erstaunlich viele Menschen, auch der alte Schnulzensänger Roger Whittaker, der dem Neuen Blatt anvertraut: „Meine Schutzengel können sogar sehr wütend werden. Wenn sie einen Menschen lieben, bestrafen sie die, die ihm Böses wollen.“ Das ist selbst dem Neuen Blatt zu unsinnig, weshalb es nachhakt: „Ihre Engel nehmen Rache?“ - „Ja, das tun sie“, so Whittaker. „Natalie hält mich deshalb für verrückt. Aber ich glaube ganz fest daran.“ Wir hingegen, Whittaker, glauben fest an die weibliche Intuition, jedenfalls an die Ihrer Natalie. Es sei denn, Ihre Engel kämen nicht von oben, sondern eher aus der anderen Richtung und hießen Hells Angels.

          Sich selbst zu helfen weiß unser Kolumnistenkollege Thomas Gottschalk, der seine Gattin Thea bei Markus Lanz nicht nur eine „wahnsinnige Granate“ nannte, sondern verriet, wie er sie einst gesichert hat: „Und da hatte die so ein nebulöses kleines Büchlein, und da stand dann Robert Dingens und so - und dann hab ich der jede Telefonnummer versaut, aus der Eins hab ich ’ne Vier gemacht, aus der Drei ’ne Acht.“ Raffinierter Schachzug, nur hoffen wir für Gottschalk, dass Thea nun nicht sofort bei Robert Dingens anruft, wo er jetzt dessen richtige Nummer verraten hat.

          So seine Tricks hat auch Regisseur Otto W. Retzer („Klinik unter Palmen“, „Das Traumhotel“), der in Bunte erzählt, dass seine Frau noch jedes Weihnachtsgeschenk von ihm umgetauscht habe: „Deswegen gebe ich mir dieses Mal gar keine Mühe und kaufe absichtlich was total Peinliches.“ Da böte sich sein gesammeltes Fernsehwerk an. Oder etwas in der Art, womit sich Popstar Kesha laut Bunte selbst beschenkt: „Die Sängerin hat sich aus den gesammelten alten Beißerchen ihrer Fans einen BH basteln lassen.“ Ob das nicht irrsinnig drückt und klappert? Und ob da neben Milchzähnen auch ein paar Dritte dabei sind?

          Wenig Achtung vor reiferen Menschen zeigt Doris Schröder-Köpf, die in Bunte sagt: „Einen Thilo Sarrazin kann man in seinem Denken über Migranten nicht mehr verändern. Es wäre schlimm, dieses wichtige Feld nur alten Männern zu überlassen.“ Merkwürdig nur, dass sie damit auf einem ganz anderen wichtigen Feld überhaupt kein Problem hat, Gatte Gerd ist ja noch ein knappes Jährchen älter als Sarrazin.

          So, jetzt sind wir am Ende und könnten eigentlich heimgehen, doch wir bleiben lieber noch ein wenig im Büro. Nicht wegen der Russenpeitsche, aber da draußen lungern ein paar zwielichtig wirkende Typen herum - und wir fürchten, es könnten Roger Whittakers Schutzengel sein.

          Quelle: F.A.S.

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