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Herzblatt-Geschichten : Vorlaute Wahrsager

So harmonisch soll es bei Cameron Diaz und Benji Madden nicht mehr zugehen: Klatschblätter wollen von einer Scheidung nach nur 53 Tagen erfahren haben. Bild: dpa

In dieser Woche hat die Boulevard-Presse besonders viele neu erblühende und verwelkende Beziehungen aufgedeckt. Geholfen hat ihr ein Blick in die Glaskugel.

          Heute haben wir einmal eine rührende Nachricht für Sie. Haben auch Sie 1970 geweint, als in „Love Story“ Jenny in den Armen ihres geliebten Oliver starb? 45 Jahre danach ist „das schönste Liebespaar der Filmgeschichte“, wie In mitteilt, wieder vereint – und zwar echt: Die beiden Schauspieler Ali McGraw, 75, und Ryan O’Neal, 74, sollen sich verlobt haben. „Gefunkt hat es, als sich die Senioren vor einiger Zeit bei einem Interview wiedersahen“, weiß In. Wir finden das entzückend – und wollen nun auch Leonardo DiCaprio und Kate Winslet, die gewiss noch ein Paar wären, wenn er damals in „Titanic“ nicht ertrunken wäre, zurufen: Traut euch, ihr gehört einfach zusammen! Wartet nicht, bis ihr 75 seid!

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer auch zusammen ist, obwohl die Klatschpresse staunt, sind Pierce Brosnan und seine Frau, seit mehr als zwanzig Jahren schon, obwohl die Gattin laut Bunte eine „so gar nicht dem Hollywood-BMI entsprechende Journalistin“ ist. Damit nicht genug, schreibt Bunte – haha! – „Schwer verliebt“ über ihren Text über das „optisch so ungleiche Paar“. Wie gern würden wir Bunte mal mit dem Maßband besuchen und die Übereinstimmung ihrer Journalistinnen mit dem Hollywood-BMI checken.

          Optisch auch recht ungleich, aber weniger ausdauernd scheinen Cameron Diaz und Benji Madden zu sein. „Scheidung nach 53 Tagen“, behauptet Intouch auf der Titelseite. Tatsächlich sind sie noch nicht geschieden, lediglich in ihrem Freundeskreis soll „von Scheidung die Rede sein“. Während wir jedenfalls diese Zeilen schreiben, sind bereits 54 Tage vergangen, und mit jedem weiteren Tag wird das Intouch-Cover am Kiosk unwahrer.

          Junge oder Mädchen, Seemann oder Gärtner?

          Groß kümmern tut das die Hefte freilich nicht. So sind dann auch gewisse Widersprüche in der, nun ja, „Berichterstattung“ zu erklären. Nehmen wir die schwangere Herzogin Kate: „Hurra, es wird ein Mädchen!“ – diesen Satz, dem Goldenen Blatt zufolge, „jubelt ganz England“. Die Quelle ist diesmal eine ganz besonders seriöse: „Ein dem Palast nahestehender Wahrsager hat – etwas vorlaut – den werdenden Eltern das Geschlecht des Babys verraten.“ Nach dieser ärgerlichen Erfahrung sollte der Palast alle Wahrsager auffordern, sich in größerer Ferne hinzustellen.

          Herzogin Catherin und Prinz William: Ein Wahrsager will ein Mädchen vorhergesehen haben.

          Wenn es jedoch nach der Aktuellen geht, dann hat ganz England was Falsches gejubelt: „Prinzessin Kate – Ein Junge! Überraschungs-Nachricht aus der Klinik“. Bei einem Termin habe demnach die Herzogin persönlich „im Glücksrausch“ verraten: „Der Kleine fährt in meinem Bauch Motorrad!“ Worauf Die Aktuelle sinniert: „Der Kleine? Aha, es wird wohl doch wieder ein Junge...“ Wir aber sinnieren: Sollte Kate diese Worte tatsächlich ausgesprochen haben, was man der Aktuellen getrost nicht glauben darf – hätte sie es dann nicht auf Englisch getan? Und also sagen müssen: „the little one“, was der, aber auch die oder das Kleine bedeutet? Darüber sollte the actual one vielleicht noch einmal nachdenken.

          Wir bleiben noch kurz beim Englischen: „Sailor“ hat laut Bunte die Schauspielerin Liv Tyler ihren Sohn getauft, also Seemann. Allerdings heißt der Knabe offenbar nicht Sailor Tyler, was schlimm genug wäre, sondern trägt den Nachnamen seines Vaters – nämlich Gardner. Seemann Gärtner, herzlichen Glückwunsch. Aber immerhin haben es die Eltern auf diese Weise geschafft, die Elemente Erde und Wasser zu verbinden.

          Liv Tyler wusste nicht, welchen Beruf sie ihrem Sohn mit auf den Weg geben wollte: Schneider oder Seemann? Oder doch lieber Gärtner?

          Der einsame Pullover des Til Schweiger

          Gratulation auch an Schöne Woche für ihre Titelstory „Der Foto-Beweis – Angela Merkel – Die Wahrheit über den geheimnisvollen Mann an ihrer Seite“. Das Blatt hat es geschafft, herauszufinden, dass Merkel einen außenpolitischen Berater beschäftigt, und sogar Fotos der beiden aufgetrieben. Ein echter Scoop! Eher hinterher hinkt Frau aktuell mit ihrer Schlagzeile „Sie kann nicht mehr – Angela Merkel – Zusammenbruch – Die Ärzte schlagen Alarm“. Anlass nämlich ist derselbe Moment des Unwohlseins vom Dezember, der schon Das Neue zu seiner legendären Januar-Schlagzeile „Angela Merkel – Rücktritt!“ inspirierte.

          Fast noch irrer aber finden wir die Titelstory von Closer: „Carmen droht Sabia – ,Finger weg von meinem Mann!‘“. Carmen Geiss kennt man ja aus der Reality-Soap „Die Geissens“, Sabia Boulahrouz wiederum als Gegenspielerin aus dem auch recht seifigen Sylvie-Meis/Rafael-van-der-Vaart-Drama, und für einen kurzen Moment hatten wir das Gefühl, Closer habe hier zwei Telenovelas miteinander vermengt. Im Interview jedoch sagt Carmen dann: „Ich kenne Sabia nicht persönlich und habe auch nicht das Bedürfnis, das zu ändern.“ Aber gut, dass sie darüber gesprochen hat.

          Ein Blatt will herausgefunden haben, dass Til Schweiger nur einen Pullover besitzt.

          Kein Bedürfnis, etwas zu ändern, hat anscheinend auch Til Schweiger, der sich von Closer fragen lassen muss: „Til, hast du nur einen Pulli?“ Seit knapp zehn Jahren nämlich, demonstriert Closer anhand zahlreicher Beweisfotos, „sehen wir den Kinostar immer wieder in der gleichen Klamotte: einem blauen Strickpullover!“ Uns überrascht das, ehrlich gesagt, nicht, dass Schweiger immer die gleiche Klamotte trägt: Er dreht schließlich auch immer die gleiche.

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