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Herzblatt-Geschichten : Bringe Er die Topfpflanze

Da konnte auch Profitänzer Marius Lepure nicht mehr helfen: Cathy Fischer bei „Let’s Dance“ Bild: dpa

Lena Gercke, Cathy Fischer, Sylvie Meis – sie alle erfinden sich mal wieder neu. Leider mit mäßigem Erfolg. Zur Not können sie sich ja mit einer Erkenntnis Christina Aguileras trösten: Mädchen weinen schöner.

          Haben Sie sich heute schon neu erfunden? Sollten Sie dringlichst tun, das ist ein heißer Trend bei den Prominenten. Das entnehmen wir der Zeitschrift People, die sich gerade selbst neu erfunden hat, nämlich auf Deutsch, und uns unter anderem „die neue Lena“ vorstellt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lena Gercke, 2006 zu Deutschlands nächstem Topmodell gekürt, hat nicht nur einen „neuen Look“, sondern auch neue Prioritäten: „Ich werde nur noch Sachen machen, die ich superwichtig finde, und Sachen, die mich auch weiterbringen.“ Ganz so schwer scheint so eine Neuerfindung gar nicht zu sein. Wobei die Erfolgschancen größer sind, wenn man wie Gercke erst 27 ist. Auch wir hätten uns gern neu erfunden, als etwas jünger und mit mehr Haaren, aber es hat nicht geklappt.

          Wenn Lena sich noch mal neu erfinden möchte, kann sie sich an den Knuddeldesigner Guido Maria Kretschmer wenden: „Lena und ich stehen uns sehr nah, wir sind uns sehr ähnlich!“, erklärt er Intouch. „Mit ihr würde ich alles machen – auch Nacktfotos!“ Liebe Frau Gercke, bitte überlegen Sie sich das gut: Den Kretschmer müssen wir nun echt nicht nackt sehen.

          Hier wird Lena Gercke gerade neu gemacht – für die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin.

          Leider nicht geklappt hat die Neuerfindung der Cathy Fischer, Fußballerfreundin und glücklose WM-Kolumnistin bei der Bild-Zeitung, die bei „Let’s Dance“ antrat und – wie sie der Welt sagte – zeigen wollte, dass sie „nicht nur oberflächlich“ sei. Trotz des sympathisch selbstkritischen „nicht nur“ darf Cathy uns keine tieferen Einblicke gewähren: Sie wurde soeben als Erste aus der Show gewählt. Blöd ist das auch für Bild, wo man ihr wieder eine Kolumne anvertraut hat, die „Inside Let’s Dance“ heißt und „Backstage-Klatsch“ verbreiten soll. Ob man die jetzt umbenennen sollte in „Outside Let’s Dance“? Immerhin hat Cathy nun viel Zeit, backstage nach Klatsch zu fahnden, während die anderen vorn auf der Bühne tanzen. Kopf hoch, Frau Fischer, und wagen Sie Ihre nächste Neuerfindung doch vielleicht mal ohne die Bild-Zeitung.

          Den Namen der Moderatorin von „Let’s Dance“ nennt Schauspieler Sky du Mont auf die Frage der Aktuellen, welcher Prominente ihn am meisten nerve: „Sylvie Meis. Es ist einfach lächerlich, wenn im TV so getan wird, als ob sie bei der Oscar-Verleihung eingeladen ist und über den roten Teppich der Veranstaltung geht! Dabei ist es ein ganz anderer red carpet. Und dann die Überschrift zu lesen: Sylvie Meis goes Hollywood. Lächerlich!“ Ganz schön fies. Dabei strahlt uns das Meisje gerade vom In-Cover entgegen, Titel: „Die neue Sylvie“, und auch im Heft von einem zweiseitig gedruckten Foto. Dort steht sie auf einem roten Teppich Dutzenden Fotografen gegenüber. Leider ist gut zu erkennen, dass – außer dem Schöpfer des abgedruckten Bildes – kein einziger Reporter sie knipst und nur wenige überhaupt in ihre Richtung schauen.

          Sylvie Meis moderiert die Tanzshow, wäre aber lieber auf den roten Teppichen der Welt zu Hause.

          Gut drauf ist Sylvie trotzdem, unter anderem, wie In spekuliert, weil ihr Gatte wohl bald den Verein wechselt und mitsamt seiner neuen Freundin weit wegzieht: „Der Stein, der ihr vom Herzen fehlt (sic), wird ein Felsen sein“, glaubt In. Vom Herzen fehlende Felsen aber seien die „allerbeste Voraussetzung, um weiter an ihrem größten Projekt zu feilen: der Neuerfindung der Sylvie Meis“. Trara!

          Auch People will uns „einladen zu den Momenten“, in denen Prominente „ihr Leben verändern“. Der Oscar-Gewinner Eddie Redmayne tut genau das nicht, wie Paparazzi-Fotos zeigen: „Lebensmittel einkaufen, Kleidung zur Reinigung bringen, Topfpflanze kaufen. Sympathisch, dass er dafür selbst mit Ehefrau Hannah (30) auf die Straße geht – und kein Personal für die Erledigungen beauftragt.“ Während der normale Hollywood-Star ja seinem Butler befiehlt: „Bringe Er mir eine Topfpflanze. Hurtig!“

          Sensation: Oscar-Gewinner Eddie Redmayne geht selbst einkaufen!

          Aufs Cover von People geschafft hat es die Christina-Aguilera-Story aus dem amerikanischen Original. Darin schwärmt die Sängerin von ihrer Tochter Summer Rain, sieben Monate jung: „Ich habe gemerkt, dass der Grad der Empfindsamkeit bei einem Mädchen ganz anders ist. Es ist schwer zu beschreiben, aber ihr Weinen hat mehr von einem Zittern, und es ist ein bisschen emotionaler.“ Süß! Männliche Babys hingegen plärren ja meist komplett gefühllos vor sich hin.

          Aguileras Kollege Hansi Hinterseer startet seine neue Tournee im Februar 2016, weshalb eine Anzeige in Bild empfiehlt: „Das kommende Jahr können sich die Fans von Hansi Hinterseer bereits heute im Kalender rot markieren.“ Als Hinterseer-Fan haben wir gleich angefangen, uns das Jahr zu markieren, sind aber nur bis September gekommen, da war die rote Farbe alle.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Auch nach dem zwölften Vorsingen bei „Deutschland sucht den Superstar“ nicht den Durchbruch geschafft hat der Kandidat Menderes, dem Dieter Bohlen in Bild dennoch Lob spendet: „Wenn man zwölf Jahre Dieter Bohlen übersteht, ist man so hart wie Kruppstahl.“ Ob der Oberjuror weiß, dass er mit der Formulierung jemanden zitiert, der ebenfalls zwölf Jahre an der Macht war? Uns hat ja schon der alte Bohlen nicht so gut gefallen. Seine Neuerfindung aber finden wir noch viel schlechter.

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