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Herzblatt-Geschichten : Legenden und betrogene Frauen

Legende braucht Luft: Reinhold Beckmann Bild: dpa

Hintergangene Frauen, unerkannte Moderatoren und eine Alpen-Rocker-Freundin mit „Sinti“-Wurzeln: die Herzblätter schenken uns in dieser Woche reichlich Superlative, Anführungszeichen und auch ein klein wenig Selbstvertrauen.

          Wie nah im Leben Freud und Leid beieinanderliegen können, das hat gerade Reinhold Beckmann erfahren. Nach zwanzig Jahren ist seine Ehe zerbrochen, was sehr traurig ist, und natürlich ist Beckmann - auch nicht erfreulich - deshalb auf dem Cover von Bunte gelandet. Ein wenig wettgemacht aber wird das dadurch, dass Bunte neben sein Foto schreibt: „TV-Legende Reinhold Beckmann“. Haben wir da etwas verpasst? Allerdings hat Beckmann, wie wir erfahren, gerade zum zehnten Mal die Charity-Gala „Nacht der Legenden“ moderiert, und vielleicht verhält es sich so: Wenn man sich nur lang genug mit Legenden umgibt, wird man irgendwann selbst zu einer.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit Superlativen ist die Klatschpresse ohnehin verschwenderisch. Schauspielerin Sandra Bullock ist endlich wieder neu verliebt, was angesichts ihrer traurigen Vorgeschichte umso schöner ist: „Ihr Exmann, Motorradhändler und Moderator Jesse James, 46, hatte sie mit dem lasziven Tattoo-Model Michelle ,Bombshell‘ McGee, 29, hintergangen“, erinnert uns Bunte und behauptet, aus diesem Grund habe Bullock lange „als ,betrogenste Frau‘ der Glamour-Welt“ gegolten. Was aber ist dann, fragen wir, mit der Ex-Frau von Tiger Woods, der in fünf Jahren Ehe 120 Geliebte gehabt haben soll? Kann eine einzige Granate das aufwiegen? Frau Ex-Woods kommt uns da doch noch wesentlich betrogener vor.

          Sorry, Sandra Bullock: die Ex von Tiger Woods kommt uns noch wesentlich betrogener vor.
          Sorry, Sandra Bullock: die Ex von Tiger Woods kommt uns noch wesentlich betrogener vor. : Bild: AFP

          Auf die betrogenste Frau folgt „Deutschlands bekanntester Moderator“, über den Die Aktuelle schreibt. Wir haben da gleich an Jauch gedacht oder an Gottschalk und natürlich an die TV-Legende Reinhold Beckmann, Die Aktuelle aber meint - Jörg Pilawa. Jener Pilawa hat, wie das Blatt mit mehreren Fotos dokumentiert, vor kurzem einen Baumarkt besucht und wurde, wohl seines roten Poloshirts wegen, mit einem Mitarbeiter verwechselt: „Kein Zweifel, die ältere Frau weiß nicht, welcher TV-Star da im Baumarkt vor ihr steht.“ So viel zum Thema „bekanntester Moderator“.

          Die Aktuelle wiederum hat Pilawa selbstverständlich gleich erkannt, aber was hat sie eigentlich im Baumarkt gesucht? Ein Biegeeisen für ihre verdrehten Geschichten? Ein paar Flachzangen als Redaktionsvertretungen? Es bleibt offen. „Zufall: Die Aktuelle hat’s live beobachtet“, lesen wir stattdessen über die Pilawa-Episode und sehen ein weiteres Foto: „Jörg Pilawa beim Fahrradkauf. Ob diese Frau ihn wohl auch für einen Verkäufer hält - wie zuvor die Dame im Baumarkt?“ Absolut rein zufällig hat Die Aktuelle Pilawa also nicht nur im Baumarkt, sondern auch noch im Fahrradladen getroffen. Paparazzo, ick hör dir trapsen.

          Na, hätten Sie den im Baumarkt erkannt?
          Na, hätten Sie den im Baumarkt erkannt? : Bild: dpa

          Auf ziemlich großem Fuß unterwegs ist der Koch Attila Hildmann, den In als „Vegan-Titanen“ bezeichnet, was schon mal viel besser klingt als, beispielsweise, Laktose-Legende, denn Hildmann ist vor kurzem zu einer Fernsehsendung mit seinem Porsche vorgefahren. Nicht jeder fand das passend, aber Hildmann erklärt In: „Es ist doch toll, dass auch die Porschefahrer sich vegan ernähren und im Biomarkt einkaufen - und zumindest einen Teil zum Umweltschutz beitragen!“ Das machen wir ja auch: Wir verzichten auf den Porsche.

          Mercedesfahrer Nico Rosberg ist, wir gratulieren, soeben Vater geworden. Name des Töchterchens: Alaïa. Im Baskischen, so Rosberg, bedeute das: die Fröhliche. Im Deutschen hingegen, fürchten wir, bedeutet es: die, deren Namen alle falsch schreiben. Aber vielleicht wollte der Rennfahrer sichergehen, dass seine Tochter, anders als er selbst in der Formel 1, auch immer genug Punkte hat.

          Trägt privat gern Alaïa: Nico Rosberg.
          Trägt privat gern Alaïa: Nico Rosberg. : Bild: dpa

          Um ein anderes Kind sorgt sich Die Aktuelle: „Boris Becker – Drama um seinen kleinen Sohn!“, titelt das Heft mit einem Foto, auf dem Becker den kleinen Amadeus in den Armen trägt. Anders als die Kombination von Text und Foto suggeriert, ist der Kleine nicht etwa verletzt, sondern einfach eingeschlafen - dabei erleben wir als Eltern eher Dramen, wenn die Kinder nicht schlafen. Die Aktuelle freilich sieht ein Drama darin, dass Amadeus mit seinen fünf Jahren noch getragen werde und Kuscheltiere bekomme. Uns stört das gar nicht. Im Gegenteil: Kindern, denen man zu früh die Kuscheltiere wegnimmt, werden eines Tages womöglich Aktuelle-Reporter.

          Tut sein Möglichstes, damit das Kind kein „Aktuelle“-„Reporter“ wird: Boris Becker.
          Tut sein Möglichstes, damit das Kind kein „Aktuelle“-„Reporter“ wird: Boris Becker. : Bild: Reuters

          Oder hätten wir schreiben müssen: „Reporter“? Eine Sache, die wir bei der Yellow Press wirklich nie kapieren, ist ihr Umgang mit Anführungszeichen. In die sind sie nämlich vernarrt: Da spielt ein Fußballer nie bei Bayern München, sondern bei „Bayern München“. Diese Woche nun lesen wir im Echo der Frau folgenden Satz über die Sängerin Jessica Sperlich: „Auch Alpen-Rocker Andreas Gabalier ist der schönen Schwäbin mit ,Sinti‘-Wurzeln ,verfallen‘.“ Soll heißen: „Sinti“ ist dem Blatt weniger als fester Ausdruck geläufig als der „Alpen-Rocker“? Wobei wir bei Gabalier ja am ehesten geschrieben hätten: Alpen-„Rocker“.

          Sich so einen Titel anzuheften, dazu gehört natürlich auch Selbstvertrauen, und daran gebricht es uns leider. Gut, dass Echo der Frau uns Tipps gibt, wie wir es verbessern können. Zum Beispiel, Tipp 2, zum Spiegelbild sagen: „Ich mag dich!“ Oder, Tipp 5, auf Kritik so zu reagieren: „Sagen Sie danke, anstatt sich zu ärgern!“ Tipp 6 wiederum lautet: „Trauen Sie sich und fragen Sie Ihren Partner, die Kollegin, die Tochter: ,Was magst du an mir?‘ oder ,Worum beneidest du mich?‘ Ihren Mitmenschen fallen Dinge an Ihnen auf, die Sie selbst übersehen.“ Beide Fragen haben wir sofort mehreren Mitmenschen gestellt, nur ist bislang keinem was eingefallen. Wenn wir es richtig kapiert haben, sollten wir ihnen dafür jetzt danke sagen.

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