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Herzblatt-Geschichten : Ich glaub, mich tritt ne Kuh

Ein Leben wie in einer Seifenoper: Josef und Narumol aus „Bauer sucht Frau“ mit Tochter Jorafina Bild: Picture-Alliance

Das Leben von „Bauer sucht Frau“-Paar Josef und Narumol könnte so friedlich sein – wären da nicht die tragischen Enthüllungsgeschichten des „Neuen Blattes“. Ein anderes Klatschblatt nimmt sich die Tipps eines Königs zu Herzen.

          Seit genau fünfundzwanzig Jahren läuft jetzt die RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, fast von Anfang an ist die Figur des Anwalts Jo Gerner dabei, und was sich in dieser fiktiven Biographie angesammelt hat, lässt ein durchschnittliches wahres Leben so abwechslungsreich erscheinen wie eine nie enden wollende „Warten auf Godot“-Aufführung: Viermal wurde Gerner finanziell ruiniert, er hat drei Mordanschläge überlebt, fünf Frauen täuschten ihm Schwangerschaften vor, mehrfach wurde er erpresst und entführt, erpresste und entführte aber auch seinerseits. Gerners Kinderzahl ist im Lauf der Serie auf vier angestiegen, was er auch der Tatsache zu verdanken hat, dass der Versuch einer Frau, ihn mit dem Skalpell zu entmannen, misslungen ist.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein ähnlich dramatisches Dasein ist, gottlob, keinem echten Menschen beschieden. Mit Ausnahme vielleicht von Josef und Narumol.

          Josef und Narumol werden uns in der einschlägigen Presse seit Jahren präsentiert als „das Kultpaar“ der Kuppel-Show „Bauer sucht Frau“, unter anderem, weil die Thailänderin Narumol mal gesagt hat, sie sei „fick und fertig“. Sie haben geheiratet und eine Tochter bekommen, und das Dasein der kleinen Familie auf dem Bauernhof könnte wunderbar friedlich und ruhig sein. Wären da nicht die wiederkehrenden Titelgeschichten des „Neuen Blatts“.

          Zum Beispiel jene aus dem Juli 2012, als Narumol die traurige Geschichte offenbarte, ihre kleine Tochter wäre „eigentlich ein Zwillingskind“ gewesen. Das war schlimm genug, allerdings schrieb Narumol später in einem Buch, sie habe damals nicht nur ein Baby verloren, sondern Zwillinge. Diese Version galt, bis im Februar 2017 schließlich „Das neue Blatt“ titelte: „Das traurige Geheimnis um ihre Vierlinge“. Anders als von ihr selbst einst beschrieben, sei Narumol nämlich gar nicht mit drei Kindern, sondern mit vieren schwanger gewesen: „Erst jetzt kann sie darüber sprechen.“ Bei allem Mitgefühl fragt man sich da, ob irgendwann auch noch Geschichten über Fünf-, Sechs- oder Siebenlinge folgen.

          Ein „Horror-Unfall“ ohne jeden kleinsten Kratzer

          Doch das war längst nicht alles: Im Januar 2016 machte „Das neue Blatt“ auf mit einem „Schlaganfall-Drama“, wobei es kurz darauf hieß, Narumol habe doch keinen Schlaganfall erlitten, es sei nur ein „Vorbote“ gewesen. Im Dezember 2016 hieß es: „Narumol in Lebensgefahr“, denn die Bauersfrau, so die etwas weniger dramatische Auflösung, habe eine Zeitlang ihre Tabletten gegen Bluthochdruck nicht genommen. Ein Jahr zuvor titelte Das neue Blatt über das Paar: „Schrecklicher Unfall!“ Beim Melken, lasen wir, sei Narumol von einer Kuh „am Unterarm und am Schienbein“ erwischt worden.

          An seinem 50. Geburtstag gibt König Willem-Alexander seiner ältesten Tochter einen ganz persönlichen Rat: „Mach Fehler! Das habe ich auch getan.“
          An seinem 50. Geburtstag gibt König Willem-Alexander seiner ältesten Tochter einen ganz persönlichen Rat: „Mach Fehler! Das habe ich auch getan.“ : Bild: AFP

          Und die Pechsträhne reißt nicht ab: „Narumol (51) – Horror-Unfall! Sie hätte fast ihre kleine Familie verloren“, lautet die aktuelle Schlagzeile des Neuen Blatts. Über zwei Seiten berichtet Josef, wie er, als er im Auto mit seiner Tochter unterwegs war, beim Auffahren auf die Autobahn „von einem Lkw-Fahrer abgedrängt“ und „in die Seitenbegrenzungen gedrückt“ wurde: „Der Spiegel wurde abgerissen, die Seite komplett verbeult, und der Lack hatte Riesenkratzer.“ Auf einem Foto weist Josef auf die Stellen des Autos, die beschädigt wurden.

          Nur: Zu sehen ist nicht mal ein Minikratzer. Denn, so Josef: „Ich habe das Auto schon reparieren lassen.“ Hätte das Paar dem „Neuen Blatt“, zu dem es so einen engen Draht pflegt, nicht vorher Bescheid geben können? Zeugen für den Unfall gibt es übrigens keine, denn der Lkw-Fahrer sei einfach weitergefahren, „der hat die Katastrophe gar nicht gemerkt“. Wie angeblich auch die fünf Jahre alte Tochter. So wissen nur Josef, Narumol und die Leser des „Neuen Blattes“ von der Geschichte, die zum Glück wieder glimpflich ausgegangen ist. So wie hoffentlich auch die nächste Katastrophe, mit der in ungefähr einem halben Jahr zu rechnen ist.

          Feiern, in Freiheit aufgewachsen zu sein?

          „Neue Post“ präsentiert derweil „ein ganz persönliches Interview“, das der niederländische König anlässlich seines fünfzigsten Geburtstags gegeben hat. Darin offenbart Willem-Alexander, was er seiner ältesten Tochter rät: „Mach Fehler! Das habe ich auch getan. Viele Fehler. Ich habe viele Dinge getan, viele Partys gefeiert. Ich habe alles und noch mehr getan.“ Seinen Rat nimmt sich auch „Neue Post“ zu Herzen und macht den Fehler, ihren Lesern zu verschweigen, dass sie gar nicht selbst mit Willem-Alexander gesprochen hat, sondern dessen Interview mit dem niederländischen Fernsehen abgetippt hat.

          „Pop-Titan“ - eine angemessene Bezeichnung für Dieter Bohlen?
          „Pop-Titan“ - eine angemessene Bezeichnung für Dieter Bohlen? : Bild: dpa

          Ebenfalls demnächst fünfzig wird Diskus-Olympiasieger Lars Riedel, der sich dafür „eine Aktion für die Öffentlichkeit“ überlegt hat: „Ich würde gerne tagsüber feiern, dass ich in Freiheit aufwachsen durfte“, sagt er „Frau im Spiegel“. „In Zeiten von Trump und Erdogan möchte ich positive Energie verbreiten.“ Das ist sehr löblich, wenn auch, was das Aufwachsen in Freiheit betrifft, etwas irritierend: Die ersten 22 Jahre seines Lebens hat Lars Riedel in der DDR verbracht.

          Viel negative Energie verbreitet „Freizeit im Blick“ mit ihrer Schlagzeile: „Dieter Bohlen – Einmal Arsch, immer Arsch – Der Pop-Titan lernt einfach nicht dazu.“ Hintergrund ist eine Folge von „Deutschland sucht den Superstar“, in welcher der Chefjuror einer Kandidatin bescheinigte, „schöne dicke Beine“ zu haben. Doch rechtfertigt dies, „Freizeit im Blick“, dass du selbst völlig unangemessenes Vokabular verwendest? Als „Pop-Titan“ nämlich würden wir Dieter Bohlen niemals bezeichnen.

          Quelle: F.A.S.

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