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Herzblatt-Geschichten : Du hast die Aura offen

Ihre Aura ist ein bisschen offen, und zwar im (nicht abgebildeten) linken Arm: Daniela Katzenberger Bild: Marcus Kaufhold

Sylvie van der Vaart spricht über ihr „Liebes-Comeback“ (oder auch nicht), Veronica Ferres über ihr ganz persönliches „Mekka des Films“. Und wohlhabende Männer bekunden ihr privates Interesse an Bettina Wulff.

          Allmählich kommen wir nicht mehr mit. Erst verkündet Gala ein „Liebes-Comeback“ der frisch getrennten van der Vaarts und zitiert Sylvie mit dem Satz, sie sei „so glücklich“, weil sich, so das Blatt, „dieses Fenster zu ihrer großen Liebe wieder zaghaft öffnet“. Dann teilen die Anwälte des Ehepaars mit, vom Liebes-Comeback könne „keine Rede sein“, während Gala bei ihrer Darstellung bleibt. Was kommt als Nächstes? Wird Gala mit Sylvie vor Gericht streiten, ob sie nun glücklich ist oder nicht? Wir jedenfalls sehen betroffen: Das Fenster zu und alle Fragen offen. Oder auch das Fenster zaghaft offen? Herrje!

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Entschlossen geschlossen ist das Liebes-Fenster der Wulffs. „Christian Wulff - Zurück zur Ex-Frau?“, raunt Das neue Blatt auf seinem Cover und pappt ein „Exklusiv!“ darauf, völlig zu Recht: Solch einen Blödsinn mag kein anderer schreiben. Abgesehen natürlich von der Aktuellen, deren Titelstory Alarm schlägt: „Was hat er sich nur angetan! Christian Wulff - Notarzt! Klinik!“ Für Aktuelle-Verhältnisse ist an der Geschichte sogar ziemlich viel dran, denn Wulff musste tatsächlich in die Klinik - vor einem Jahr, wegen einer Nierenkolik. Bettina wiederum, weiß Frau im Spiegel, sei „heißbegehrt als Trophy-Woman“. Als Kronzeugin meldet sich Politikratgebertante Gertrud Höhler zu Wort: „Ich war neulich auf einer seriösen Konferenz, wo gleich mehrere, sehr wohlhabende Männer ihr privates Interesse an ihr bekundeten.“

          Das Hollywood des muslimischen Glaubens

          Während wir grübeln, welche Konferenzen Höhler besucht und wie es erst auf unseriösen Konferenzen zugehen mag, stechen uns In und Intouch ins Auge. Gleiche Titelstory, gleiches Foto, fast gleiche Schlagzeile: „Dschungelcamp - Drama um Fiona! Wie krank ist sie wirklich?“ (In), „Magersucht! So krank ist Dschungelcamp-Star Fiona wirklich“ (Intouch). Eine Woche lang müssen sie nun im gleichen Kleid nebeneinander am Kiosk liegen. Fiona selbst hält sich übrigens nicht für dünn, sie bescheinigt sich „Fußballer-Oberschenkel“. Wobei es allenfalls die von Marco Reus sein können, als der noch in der C-Jugend kickte.

          Das Fenster zu und alle Fragen offen. Oder auch das Fenster zaghaft offen? Wie es wirklich um die van der Vaarts steht, wissen wir nicht Bilderstrecke
          Das Fenster zu und alle Fragen offen. Oder auch das Fenster zaghaft offen? Wie es wirklich um die van der Vaarts steht, wissen wir nicht :

          Dass sich jetzt alle erheitern am jungen Dschungelcamper Joey Heindle, den Bild „naturdoof“ nennt - im Vergleich offenbar mit Leuten, die sich ihre Doofheit erst antrainieren mussten, wie etwa Verona Pooth oder Redakteure der Bild-Zeitung -, das verstehen wir nicht. Wenn Joey konstatiert: „Ich habe keinen Bock, dass ich da morgen tot aufwache“, dann hat er doch recht, wer will das schon? Klüger klingt auch ein Leonardo DiCaprio nicht, wenn er in Bild mitteilt: „Ich werde um die Welt fliegen, um Gutes für unsere Umwelt zu tun.“ Wir nehmen mal an, im Elektro-Hubschrauber. Ein mutiges Statement wagt Veronica Ferres in Bunte: „Für mich ist Hollywood das Mekka des Films.“ Wir hätten da ja eher auf Groß-Erkenschwick getippt. Umgekehrt wird übrigens auch ein Schuh draus, ist Mekka doch das Hollywood des muslimischen Glaubens.

          Im Mekka der katholischen Kirche geschieht derweil Seltsames. Der Papst, berichtet Frau im Spiegel, hat seinen Privatsekretär zum Bischof gesegnet: „Eine Diözese leitet der 56-Jährige allerdings nicht. Sein Titular-Bistum Urbs Salvia in der heutigen Provinz Macerata ist in der Antike bereits untergegangen.“ Das riecht für uns nach Günstlingswirtschaft - ob wohl im Vatikan lauter Titular-Bischöfe rumlaufen, die gar nichts zu leiten haben, ein Bischof der DDR womöglich oder von Atlantis?

          Einen Esel streicheln

          Vom Namen her gäbe Ralf Marien-Engelbarts einen prima Titular-Bischof ab, der Mann hat aber einen echten Job: Er ist Aura-Fotograf. Als solcher präsentiert er in Bunte Daniela Katzenberger ihr „Seelenbild“. Sie ist fein raus, denn es ist orange, was für „Lebensfreude, Kreativität, Genuss, Neugier, Mut, Sensibilität“ steht. Allerdings, so der Fotograf, sei ihre „Aura ein bisschen zu offen“, und zwar im linken Arm. Durch leichtes Aura-Abtasten, was ohne Berührung abläuft, wird aber alles repariert. Über fünf Seiten geht das so, bei deren Lektüre sich unsere Aura dunkelrot färbte. Bedeutet: „Konflikte, Unruhe, Stress, Ärger, Ängste, unterdrückte Emotionen“.

          Warum Peer Steinbrücks Aura nicht heller leuchtet, erklärt Musikus Justus Frantz: „Wenn wir ihn vorher eine Zeitlang als einen Menschen erlebt hätten, der Esel streichelt und Kinder küsst, würden seine Ausfälle nicht so ins Gewicht fallen“, weiß der Politexperte - der freilich selbst schnell einen Esel streicheln sollte, damit wir ihm solchen Unsinn abnehmen.

          Dann noch dies: Fritz Wepper verklagt laut Bunte Atze Schröder, „weil der ihn in seinem Programm als ‚abstoßenden, gehbehinderten, impotenten alten Lustgreis‘ beleidigt habe“. Ihre Klage, lieber Herr Wepper, dürfte in einigen Punkten gute Chancen haben: Auf manche Damen wirken Sie ja alles andere als abstoßend, gut zu Fuß sind Sie auch noch - und als einer, der seiner Geliebten ein Kind schenkte, überaus potent. Und bei den Vorwürfen „alt“ und „Lustgreis“ wird das Gericht gewissebenfalls... äh, tja... nun ja. Wir wünschen dann mal viel Glück!

          Quelle: F.A.S.

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