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Herzblatt-Geschichten : Bocksprünge, Seitensprünge

Kate ist wieder schwanger, aber den Herzblättern genügt das nicht Bild: AFP

Das Pfund, mit dem Klatschblätter am meisten wuchern können, ist wohl adliger Nachwuchs. Glaubt man den einschlägigen Berichten, regnet es bald Zwillinge. Wir aber glauben da noch eher, dass Lothar Matthäus bald Silberhochzeit feiert.

          Herrje, diese Klatschblätter sind wirklich unersättlich! Dass Catherine, Herzogin von Cambridge, wieder schwanger ist, genügt ihnen nicht. Nachdem schon Fürstin Charlène angeblich zwei Babys bekommt, heißt es jetzt in der Freizeitrevue: „Herzogin Kate – Angst um ihre Zwillinge“. Außerdem im Club: Schwedens Victoria („Zwillinge! Es werden zwei Jungs“, Neue Welt) und Hollands Máxima („Zwillinge! Das Familien-Glück ist perfekt“, Das goldene Blatt). Wenn das so weitergeht, müssen sich die royalen Damen in ein paar Jahren auf solche Schlagzeilen einstellen: „Drillinge! Máximas Familien-Glück noch perfekter“ oder „Fünflinge für Victoria! Es werden drei Mädchen und zwei Jungs“.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bestätigt ist bislang einzig Kates Schwangerschaft, von Junge oder Mädchen ist noch nicht die Rede. Dem Boulevard ist das natürlich herzlich egal. Mancher klopft sich gar auf die eigene Schulter: „Gut informiert: Das goldene Blatt berichtete bereits vor vier Wochen vom Baby.“ Und zwar mit der Schlagzeile: „Hurra! Eine kleine Diana“. Starke Leistung, goldenes Blatt! Was übrigens Prinz Harry und „seine“ Cressida angeht, warst du sogar noch besser oder jedenfalls früher informiert als alle anderen, das junge Paar eingeschlossen: „Hurra! Ein Junge“ hieß deine Titelzeile am 29.April 2013 sowie am 4. Januar 2014. Wie geht’s eigentlich den beiden Knaben? Haben seither gar nichts von ihnen gehört.

          Harry und Cressida haben angeblich schon zwei Kinder. Würde uns mal interessieren, wie es denen so geht

          Das Gleiche gilt für die FDP. Immerhin wissen wir nun, was deren Chef Christian Lindner macht: Er „läuft seine Runden für den Bunte-Fotografen in der Leichtathletikhalle im Arena-Sportpark in Düsseldorf“. Und zwar in Anzug und mit Straßenschuhen; wenn das auf der Tartanbahn nicht verboten ist! Das Foto musste wohl sein, weil Bunte wie auch Lindner für das Schicksal der FDP lauter Lauf-Metaphern bemühen („Durststrecke“, „Marathonlauf“) und weil Lindner selbst gern joggt. Viel lieber, lesen wir, rudert er freilich, doch der Mann ist klug genug, ein entsprechendes Motiv zu vermeiden – und die passenden Metaphern dazu, von „ins Rudern kommen“ bis „absaufen“.

          Ein anderer Läufer hat es aufs Titelblatt vom Echo der Frau geschafft. „Half der Wunderheiler?“, fragt das Heft anlässlich der Heimkehr Michael Schumachers. Denn „ein Mediziner aus Nordrhein-Westfalen (49, Name d. Red. bekannt) behauptet, den Ex-Rennfahrer mittels energetischer Fernheilung gestärkt zu haben. Der Arzt soll seit Monaten täglich rund 50 Kilometer laufen, um zu Schumis Genesung beizutragen: ,Ich setze beim Laufen Energie frei – und diese schicke ich Schumacher.“ Ja, wenn das so ist, dann müssten wir nur alle unsere Laufschuhe schnüren, und er könnte bald wieder Ferrari fahren. „Auch wenn so manch einer den Kopf schütteln mag: Es ist eine Geschichte, die Mut macht“, schreibt das Echo der Frau.

          Nicht nur dessen Redaktion indes ist der Name des Mediziners bekannt, sondern auch dem Kölner Express. Der nämlich hat wie viele andere zuvor über ihn geschrieben und festgestellt: „Es ist eine Geschichte, über die so mancher den Kopf schütteln mag. Es ist aber auch eine Geschichte, die Mut macht.“ Für uns hingegen ist es vor allem ein großer Schmarrn, und darüber, dass so viele darüber schreiben und sogar einzelne Sätze voneinander abschreiben, können wir nur den Kopf schütteln.

          Doch wir verstehen ja einiges nicht. Zum Beispiel, was uns die Schauspielerin Claudia Michelsen in Bunte sagen möchte mit ihrem Satz: „Seitensprünge, Bocksprünge, Eisprünge – das gehört doch alles irgendwie zusammen.“ Und was ist mit dem Sprung in der Schüssel? Schon eher nachvollziehen können wir, was Nina Ruge, ebenfalls in Bunte, an ihren Hunden schätzt. „Die Lektion ,radikal in der Gegenwart leben‘ bringen sie mir auf hervorragende Weise bei. Spielen? Ja! Kuscheln? Sofort! Sich in Gedanken an gestern verlieren? Niemals!“ Stimmt, auch uns sind kaum Hunde bekannt, die sich in Gedanken an gestern verlieren.

          Soll das mal einer verstehen: Im Fernsehen mag sich Lavinia Wilson nicht nackt zeigen, aber im Kino geht das schon

          Nicht ganz zu Ende gedacht wiederum scheint uns die Einstellung der „Schoßgebete“-Schauspielerin Lavinia Wilson gegenüber Nacktszenen. „Ich habe keine Berührungsängste, aber eine Regel: Ich versuche, Nacktszenen im Fernsehen zu vermeiden“, teilt sie Bunte mit. „An der Kinokasse muss man immerhin dafür bezahlen.“ Schon richtig, aber was ist, wenn der Kinofilm ins Fernsehen kommt? Andererseits darf Frau Wilson dank der Tatsache, dass sie sich vor allem in „vielen künstlerischen Filmen ständig ausziehen“ musste, darauf hoffen, dass keiner zuguckt – Kunstfilme laufen ja meist spätnachts.

          Gratulieren dürfen wir Lothar Matthäus, 53. Er plant laut Bild „seine fünfte Hochzeit mit Lebensgefährtin Anastasia (26)“. Lothars Ehen Nummer eins bis vier hielten, in dieser Reihenfolge, elf, fünf, vier und zwei Jahre, aber darin wollen wir mal kein böses Omen für die fünfte sehen. Wenn alles gutgeht, kann Matthäus bald schon Silberhochzeit feiern. Es fehlt ja nicht viel, dann ist er fünfundzwanzig Jahre verheiratet. Nur eben leider nicht mit derselben Frau.

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