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Singles in New York Verführung in der Suppenküche

23.12.2008 ·  Tue Gutes und hilf Dir dabei selbst: Eine New Yorker Partnervermittlung setzt auf Verabredungen beim Ehrenamt. Gratis dazu gibt es in Amerika den Background-Check, den alle gemeinnützige Organisationen bei ihren freiwilligen Helfern machen.

Von Corinna Budras, New York
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Die Wirtschaft mag darniederliegen, doch das Geschäft von Sandra Schwartz-Pingrey läuft prächtig. Seit der Wahl von Barack Obama liefen ihr die Leute buchstäblich die Bude ein, schwärmt die zierliche schwarzhaarige Frau in ihrer ausladenden Altbauwohnung im New Yorker Künstlerbezirk Greenwich Village. Die Menschen wollten Gutes tun und die Welt verbessern - ganz so wie der ehemalige Sozialarbeiter Obama. Die Finanzkrise tue ein Übriges: "In schwierigen Zeiten wollen die Menschen einen Partner."

Wer beides vereinen will, landet in New York wahrscheinlich irgendwann in der Datenbank von Schwartz-Pingrey. Die diplomierte Kupplerin hat eine Leidenschaft für wohltätige Zwecke. Bei ihr sitzt man während der Partnersuche nicht gequält beim Abendessen und hört sich von einem wildfremden Single Geschichten über verflossene Liebschaften an. Sie verkuppelt ihre Klienten inmitten von Obdachlosen in der Suppenküche. "Cause and Effect Dating" (Ursache und Wirkung) heißt ihre Partnervermittlung. "Helping the World . . . To Fall in Love" ist das zweideutige Ziel, das sie auf ihrer Internetseite setzt. 600 Dollar kostet ihr Dienst im Jahr, zehn Dates sind dabei garantiert - wenn man nicht schon vorher den Partner fürs Leben findet.

Gutes Tun und Ausschau halten

In der Hauptstadt der Singles nimmt die verzweifelte Partnersuche immer kreativere Formen an - erst recht zur Weihnachtszeit. Dabei verlassen sich die Kunden nicht mehr nur auf das Internet, das schon so manche böse Überraschungen bereithält. In New York ist alles möglich: Zwangloses Kennenlernen beim Fechten, beim Spaziergang in der Betonwüste oder bei körperlicher Ertüchtigung im Central Park. Gemeinsames Schwitzen im körperbetonten Outfit soll dabei einen besonders gelungenen Start in eine glückliche Beziehung garantieren.

Dagegen hätten Wohlfühl-Verabredungen in der Suppenküche gleich mehrere Vorteile, schwärmt Schwartz-Pingrey, die ihren Mann selbst einmal bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung kennengelernt hat. Denn von vornherein sei klar: Der Auserwählte mag noch so abstoßende Vorlieben haben, immerhin steht für ihn das Engagement für die Gemeinschaft ganz oben auf der Prioritätenliste. Außerdem gibt die Arbeit für den guten Zweck den beiden Turteltauben etwas zu tun - das kann bei zähem Smalltalk Wunder wirken. Und sie kann Augen öffnen, noch bevor man vor Liebe erblindet: Wer beim Austeilen der Suppe vor Stress rumschnauzt, ist vielleicht doch nicht der Partner fürs Leben.

Gratis Background-Check

Gratis dazu gibt es in Amerika den Background-Check, den alle gemeinnützige Organisationen bei ihren freiwilligen Helfern machen. Eigentlich soll damit ausgeschlossen werden, dass sich Menschen mit pädophiler Vergangenheit an kleine Kinder heranmachen. Aber als interessantes Nebenprodukt kommt dabei schon mal heraus, wenn ein Kunde seine Ehe verschweigt. Und schließlich zählt die Bilanz am Ende des Treffens: Selbst wenn die Verabredung danebengehe, habe man seine Zeit immer noch sinnvoll verbracht, schwärmt Sandra Schwartz-Pingrey.

Auch immer mehr Menschen, die nicht auf Partnersuche sind, rennen den wohltätigen Organisationen inzwischen die Türen ein. Landauf, landab wird deshalb schon vom "Obama-Effekt" gesprochen. Schon während seines monatelangen Wahlkampfes hat der künftige Präsident der Vereinigten Staaten die Massen mobilisiert. Sein E-Mail-Verteiler mit freiwilligen Helfern umfasst knapp zehn Millionen Adressen.

Schwer vermittelbar mit 40 plus

Für romantische Stunden zu zweit taugt allerdings nicht jede gemeinnützige Arbeit. Blutspenden etwa stehen nicht auf dem Programm. "Das wäre so ziemlich das absurdeste Date, das man sich vorstellen kann", sagt die ehemalige Masseurin, die von ihren Kunden auf der Massagebank über Jahre hinweg die Schwierigkeiten der Partnersuche erzählt bekam. Auch Bettpfannen oder Sterbebegleitung sind eher kontraproduktiv. "Wir suchen immer etwas Leichtes, Unbeschwertes." Außerdem muss sich der zeitliche Aufwand in Grenzen halten: Ein bis drei Stunden darf der Dienst an der Gemeinschaft höchstens dauern. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen, deshalb können die Paarungswilligen auch mal beim Briefmarkenkleben aufeinandertreffen, wenn eine gemeinnützige Organisation ihre Informationsschreiben verschicken will. "Da stellen Sie noch eine Flasche Wein und eine Pizza dazu - und schon ist es ein Date."

Künstler gehören genauso zu ihrem Klientel wie Aktienhändler, Dirigenten, Sportler oder Schauspieler. Auch die Altersspanne ist groß: Von Mitte zwanzig bis in die Fünfziger reichen ihre Kunden. Am schwersten vermittelbar seien - man ahnt es - Frauen in den Vierzigern, seufzt Sandra Schwartz-Pingrey, und fügt hastig hinzu, dass sie ja auch in diese Sparte gehöre. Allerdings lernte sie ihren zehn Jahre jüngeren Mann mit Anfang dreißig kennen - und ist inzwischen verheiratet und hat eine kleine Tochter.

Die Ansprüche sind nicht immer erfüllbar

Das größte Problem seien ohnehin die überzogenen Vorstellungen, erzählt die leidenschaftliche Kupplerin mit ausholenden Gesten und gerät beim Gedanken an viele selbstgeschaffene Schwierigkeiten in Rage: "Es ist unglaublich, mit welchen Listen die Leute hier ankommen", schimpft sie. "Lange Haare, aber nicht zu lang, schlank, aber nicht zu dünn, und am besten ein braunes und ein grünes Auge." Das Geheimnis der wahren Liebe sei dagegen ganz einfach: "Die Menschen wollen doch nur jemanden, der sie glücklich macht. Das ist auch schon das Ende vom Lied", sagt Sandra Schwartz-Pingrey.

Doch so simpel das Rezept sein mag, es findet sich nicht für jeden Topf ein Deckel, wie selbst eine diplomierte Kupplerin zugeben muss. Schon seit einiger Zeit schlummert ein nahezu hoffnungsloser Fall in ihrer Datenbank: Ein konservativer, afroamerikanischer Lehrer - "sehr nett" -, der ausgerechnet im liberalen New York eine weiße, ebenfalls konservative Frau sucht. "Ich weiß einfach nicht, was ich mit ihm machen soll."

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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