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Sexualdelikt Haftbefehl nach Kindermord - Behörde wehrt sich

Nach dem Sexualmord an einem neun Jahre alten Münchner Jungen stehen die Behörden in der Kritik. Der geständige 27jährige Martin P. hatte schon vor zehn Jahren ein Kind umgebracht. Fiel der kleine Peter auch der Fahrlässigkeit des Jugendamtes zum Opfer?

© dpa , Paßfoto veröffentlicht von der Polizei Vergrößern Geständiger Sexualverbrecher: Martin P.

Nach dem Sexualmord an einem neun Jahre alten Münchner Jungen ist gegen den geständigen Täter am Samstag Haftbefehl wegen Mordes ergangen. Die Obduktion des Opfers hat nach Polizeiangaben ergeben, daß der Junge vermutlich mit einer Plastiktüte stranguliert worden ist bis er erstickte.

Die Rechtsmediziner gehen davon aus, daß der Tod des Kindes am Donnerstag zwischen 18 und 24 Uhr eingetreten ist. Der Sozialreferent der Stadt München, Friedrich Graffe, hat unterdessen Vorwürfe zurückgewiesen, das Jugendamt trage durch Untätigkeit eine Mitverantwortung an dem Verbrechen. „Es gab unserer Ansicht nach keinen Anlaß zum Eingreifen“, sagte Graffe am Samstag in München.

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Ein enger Freund der Familie

Der 28 Jahre alte Mörder, der bereits 1994 einen Elfährigen umgebracht hatte und dafür neun Jahre in Haft saß, war ein enger Freund der Familie. Nach Polizeiermittlungen waren bei der Familie auch andere vorbestrafte Sexualtäter ein und ausgegangen. Peters Vater und der spätere Täter hatten sich im Gefängnis kennen gelernt.

Peter neun Jahre © dpa/dpaweb Vergrößern Das Opfer: Peter, neun Jahre

Das Jugendamt hatte von dem Kontakt des vorbestraften Mannes zur Familie gewußt. Für den Tag nach dem Tod des kleinen Peter hatte ein Sozialarbeiter einen Gesprächstermin mit der Mutter vereinbart. Bereits am 28. Januar hatte die Bewährungshelferin des Täters den Allgemeinen Sozialdienst der Stadt München in einem Brief informiert, daß der Mann - entgegen gerichtlicher Auflagen - wieder Kontakt zu kleinen Kindern hatte.

Der Therapie entzogen

Die Auflage war nicht die einzige, gegen die Martin P. verstieß: Er schwänzte auch regelmäßig eine Therapie, die Auflage seiner Haftentlassung vor zehn Monaten gewesen war. Rechtlich bestand jedoch keine Möglichkeit, die Teilnahme an der Therapie zu erzwingen, sagten der Münchner Oberstaatsanwalt Peter Boie und die Polizei übereinstimmend.

Die Mutter des getöteten Kindes habe von der Vorgeschichte des Mannes gewußt, habe aber „keine Verhaltensänderung gezeigt“, sagte Graffe. Medienberichten zufolge soll die Mutter über eine beschränkte Auffassungsgabe verfügen. Danach habe der Sozialdienst ein „internes Fachverfahren“ eingeleitet und das Umfeld des Kindes untersucht, um dem Verdacht des sexuellen Mißbrauchs auf den Grund zu gehen.

Täter hatte das „Vertrauen der Eltern

Das Jugendamt hätte Lehrer und Betreuer der drei älteren Kinder befragt und nichts Auffälliges festgestellt. „Weil der spätere Täter offensichtlich das Vertrauen der Eltern genoß, sahen wir keinen Anlaß, die Kinder aus der Familie zu nehmen“, sagte Graffe. Das Jugendamt hat generell die Möglichkeit, ein Kind über die Jugendhilfe kurzfristig aus der Familie nehmen zu lassen oder Anzeige bei der Polizei zu erstatten - allerdings nur bei einem konkreten Verdacht.

„Der Mann hatte seine Strafe abgesessen, war ein freier Mann und ein Vertrauter der Eltern. Was soll ein Sozialpädagoge da tun? Daß dieser Fall so schrecklich endet, konnten wir nicht voraussehen“, sagte Graffe.

Der Wiederholungstäter fing den Drittklässler am Donnerstag auf dessen Heimweg von der Schule im Stadtteil Neuperlach ab, lockte ihn in sein Zimmer in einem Männerwohnheim und mißbrauchte ihn. Als der Junge drohte, alles seiner Mutter zu sagen, tötete ihn der 28jährige und warf die Leiche - in einem Plastiksack verpackt - in einen Müllcontainer hinter dem Haus. Die von den Eltern des Jungen am Donnerstag abend eingeschaltete Polizei stieß schnell auf den Mörder, der bei seiner Vernehmung das Verbrechen gestand.

Quelle: dpa

 
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Veröffentlicht: 19.02.2005, 18:30 Uhr

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