http://www.faz.net/-gum-8h7gl

Zerstückelte Frauenleiche : Serienmörder könnte auch Tristan getötet haben

  • -Aktualisiert am

LKA-Beamte im September 2014 vor der Garage, in der damals Leichenteile entdeckt wurden. Bild: dpa

Im Herbst 2014 wird eine ermordete Prostituierte gefunden. Anderthalb Jahre später gibt es einen schlimmen Verdacht: Der Täter könnte vor vielen Jahren schon mehrmals gemordet haben.

          In Hessen hat offenbar über mehrere Jahre ein Serientäter auf grausame Weise unbemerkt gemordet. Das teilte das hessische Landeskriminalamt am Mittwoch mit. Schon kurz nach einem Leichenfund in Schwalbach am Taunus im September 2014 hatte die Behörde einen ersten Verdacht und richtete unter dem Namen AG Alaska eine Sonderkommission ein. Die Beamten untersuchten sämtliche Fälle seit den fünfziger Jahren, die Ähnlichkeit aufwiesen mit dem Leichenfund im Taunus.

          Bei dem Opfer vom September 2014 handelte es sich um eine drogenabhängige Prostituierte aus Frankfurt. Ihre Leiche war zerstückelt in einer Garage gefunden worden, die einem im Ort lebenden Rentner gehörte. Der Mann, Manfred S., starb im August 2014. Beim Ausräumen der Garage fanden seine Verwandten in zwei blauen Plastikfässern einen verwesten Kopf und weitere Leichenteile. Die Polizei nimmt an, dass der Rentner für den Tod der Frau verantwortlich war.

          Bei den Untersuchungen ähnlicher Fälle fanden die Beamten heraus, dass es mindestens vier Mordfälle im Rhein-Main-Gebiet mit einem fast bis ins Detail identischen Spurenbild gibt. Alle Opfer waren Frauen und gingen der Prostitution nach. Sie wurden vor ihrem Tod geschlagen und gewürgt, anschließend wurden ihnen mit einem scharfen Gegenstand Verletzungen am Bauch zugefügt. Wie nun bekannt wurde, hatte der Täter den Opfern auch Körperstücke entnommen. Zwei Fälle stammen aus dem Jahr 1971, einer aus 1991 und ein weiterer aus 1993.

          Der Mord an Tristan hatte 1998 für Entsetzen gesorgt

          Aufgrund der Vorgehensweise halten es die Ermittler für möglich, dass der Täter auch für den Mord an dem 1998 ermordeten 13 Jahre alten Tristan Brübach verantwortlich ist. Der Fall hatte damals in ganz Deutschland Aufsehen erregt und gilt bis heute als eines der grausamsten Verbrechen der jüngeren Kriminalgeschichte. Auch der Schüler aus Frankfurt war zunächst bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen und gewürgt worden. Anschließend schnitt ihm der Täter die Kehle durch und entnahm Stücke aus seinem Körper.

          Ermittler, die den Fall immer wieder auf neue Spuren hin untersuchten, waren sich schon damals einig, dass ein solches Vorgehen nach aller kriminalistischen Erfahrung dafür spreche, dass es sich um einen Serienmörder handelte. Sie hatten in ganz Europa nach ähnlichen Fällen gesucht, waren aber nicht fündig geworden. Nun sehen die Ermittler in den neuen Erkenntnissen „mehr als eine heiße Spur“, wie es in Polizeikreisen hieß. An diesem Donnerstag will das Landeskriminalamt in einer Pressekonferenz über die Ermittlungen berichten.

          Wesentlichen Anteil an den bisherigen Erkenntnissen hatten vor allem Beamte der operativen Fallanalyse, in den Vereinigten Staaten von Amerika auch als „Profiler“ bekannt. Aufgrund des Verletzungsbildes geht die Polizei davon aus, dass der Tod der jungen Frau, deren Leichenteile in der Garage gefunden wurden, auf äußerst brutale und grausame Weise herbeigeführt worden war.

          Manfred S., so viel weiß die Polizei inzwischen, führte jahrzehntelang ein Doppelleben. Er hatte Familie und galt als ausgesprochen nett und gesellig, „ein Mann, mit dem man abends ein Bier trinken geht“, so beschreiben ihn Menschen aus seinem näheren Umfeld. Er spielte im ortsansässigen Jazzclub, lebte aber ansonsten zurückgezogen. Die Ermittler schließen nicht aus, dass Manfred S. auch für weitere Morde verantwortlich ist; möglicherweise auch über Hessen hinaus.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          „Lasermann“ wegen Mordes angeklagt Video-Seite öffnen

          Frankfurt am Main : „Lasermann“ wegen Mordes angeklagt

          Der Angeklagte wurde bereits in Schweden zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Anfang der 90er Jahre hatte er dort auf insgesamt elf Menschen mit Migrationshintergrund geschossen und dabei einen getötet. Beobachter sehen Parallelen zu den Morden der rechtsextremen Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“.

          Revision im Prozess um Scharia-Polizei Video-Seite öffnen

          BGH prüft Freigesprochene : Revision im Prozess um Scharia-Polizei

          Im Jahr 2014 war eine Gruppe von Männern durch Wuppertal patrouilliert und wollten junge Muslime ansprechen und sie ermahnen, nach der Lehre des Korans zu leben. Nachdem vor einem Jahr das Landgericht Wuppertal die Männer freigesprochen hat, ist die Staatsanwaltschaft in Revision gegangen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Auf dem Roten Platz: Der russische Kampfpanzer T-14 „Armata“

          Aufrüstung der Streitkräfte : Besorgnis über Russland

          Der Kreml forciert die Aufrüstung, um den technologischen Rückstand auf die Nato wettzumachen. Experten warnen, dass Russland schon heute jeden Nachbarstaat außer China besiegen könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.