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Elbphilharmonie : Freiheitsstatue des Bürgertums?

Baustelle der Elbphilharmonie – die Aufnahme stammt aus 2010. Bild: dpa

Horrende Kosten und eine endlose Bauzeit: Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie wurde von zahlreichen Irrtümern begleitet. Wir haben einige davon dokumentiert.

          August 2004: Der Steuerzahler wird nicht belastet.

          Gefragt, was Hamburg zur Finanzierung des Baus der Elbphilharmonie beitrage, antwortet Karin von Welck (parteilos), Kultursenatorin unter Bürgermeister Ole von Beust (CDU), in der „Welt“: „Das anteilige Grundstück für die Philharmonie-Nutzung. Der Grundstücksanteil für die Mantelbebauung wird durch die Querfinanzierung der Philharmonie-Baukosten ausgeglichen.“ (3. August 2004)

          Die Konzerthalle auf dem Kaispeicher A schlug der Investor und Architekt Alexander Gérard Ole von Beust 2003 vor. Ohne dass der öffentliche Haushalt belastet werden müsse, versprach Gérard, lasse sich so das Konzerthaus finanzieren. Nur das Grundstück müsse die Hansestadt herausgeben, ohne eine geldwerte Gegenleistung dafür zu verlangen. Gérard schätzte, dass sich die Kosten auf nicht mehr als 75,3 Millionen Euro belaufen. Unter dem Eindruck des Architektenentwurfs von Jacques Herzog und Pierre de Meuron überzeugte Gérards Konzept den Senat.

          Heute belaufen sich die Gesamtkosten für den Bau der Elbphilharmonie auf 865,65 Millionen Euro. Die Hansestadt übernimmt davon 789,05 Millionen. Ein Blick nach Dänemark hätte genügt, um erkennen zu können, dass Gérards Schätzungen zu optimistisch waren. Die Baukosten des viel kleineren Kopenhagener Konzerthauses wurden 1999 noch mit umgerechnet rund 81 Millionen Euro veranschlagt. Schließlich kostete der Bau etwa 229 Millionen Euro.

          Das Dach der Hamburger  Elbphilharmonie im Abendlicht.
          Das Dach der Hamburger Elbphilharmonie im Abendlicht. : Bild: dpa

          Januar 2005: In weniger als vier Jahren ist das Konzerthaus gebaut.

          „Der wichtige Punkt ist, dass wir die Spielsaison 2009 erreichen müssen“, sagt Hartmut Wegener (SPD), ehemals Geschäftsführer der für die Baukoordinierung verantwortlichen Projekt-Realisierungsgesellschaft (ReGe), in der „Welt“. (13. Januar 2005)

          Die schnelle Fertigstellung hatte für ReGe-Geschäftsführer Wegener hohe Priorität. Der Bau des 1973 eröffneten Sydney Opera House zog sich gut 14 Jahre hin; das Hamburger Wahrzeichen aber sollte nach nicht einmal vierjähriger Bauzeit eröffnet sein. „Silvester 2008 möchte ich auf der Piazza der Elbphilharmonie auf die Zukunft Hamburgs anstoßen“, sagte Senatorin von Welck im Januar 2006 der „Hamburger Morgenpost“. Allein zwischen dem Richtfest im Mai 2010 und der Eröffnungsfeier an diesem Mittwoch verstrichen fast sieben Jahre. Insgesamt zehn Jahre wurde an der Elbphilharmonie gebaut. Der Generalintendant war noch vor dem ursprünglichen Eröffnungstermin gefunden: Christoph Lieben-Seutter trat seine Stelle zum 1. August 2007 an.

          Hamburg : Besondere Perspektiven der Elbphilharmonie

          Dezember 2005: Hamburg hat finanziell mehr als genug vorgesorgt.

          „Die 75 Millionen Euro, die wir in den Haushalt eingestellt haben, brauchen wir schon gar nicht mehr in der Größenordnung“, sagt von Beust der „Welt“. (16. Dezember 2005)

          Zu dem Ergebnis, dass die Realisierung des Projekts mit 186,7 Millionen Euro doch wesentlich mehr als ursprünglich angenommen kosten würde und daher der Steuerzahler 77 Millionen Euro hinzugeben müsse, war eine Machbarkeitsstudie vom Mai 2005 gekommen. Auch diese Kostenschätzung erwies sich aber als nicht belastbar. Sie beruhe auf einer unvollständigen Vorentwurfsplanung, war im späteren Bericht des Untersuchungsausschusses der Bürgerschaft nachzulesen.

          Der Bürgermeister sah 2005 keinen Grund, die Studie zu hinterfragen. Ihm erscheine die Kostenschätzung „pessimistisch“, ließ von Beust im „Hamburger Abendblatt“ wissen und nannte als Grund die große Spendenbereitschaft der Bürger. Offenbar sah das Bauunternehmen Strabag das schon kurz darauf anders. Weil die Baukosten unkalkulierbar seien, rügte der österreichische Konzern das Vergabeverfahren und sah davon ab, ein Angebot zu unterbreiten.

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