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Secessionsmaler-Sammlung : Mit Liebermann und Slevogt an den Wannsee

  • -Aktualisiert am

Lange nicht gesehen: Der Slevogt (links) und der Liebermann Bild: Christian Thiel

Der Berliner Kunstliebhaber und Unternehmer Jörg Thiede zeigt in seinem Kunstsalon ein Liebermann-Gemälde von 1912, das seit langem als verschwunden gilt. Er hat ein Händchen dafür, unsichtbar gewordene Bilder in seiner Villa wieder sichtbar zu machen.

          Da werden die Nachbarn staunen. Von diesem Samstag an zeigt der Berliner Kunstliebhaber und Unternehmer Jörg Thiede in seinem Kunstsalon ein Liebermann-Gemälde von 1912, das seit langem als verschwunden gilt. Im „Gelben Salon“ hängt es schon, dem Balkonzimmer von Thiedes Villa. Von hier aus sieht man hinaus auf den Wannsee - oder aber hinüber zum Nachbarn. Das ist die prominent besetzte Liebermann-Gesellschaft in der einstigen Sommerresidenz des Berliner „Großkünstlers“. Dass nun ausgerechnet Thiede, der hemdsärmelige Sammler von nebenan, solch einen Coup landet und einen „neuen“ Liebermann präsentiert, dürfte dort viele überrumpeln.

          Und nicht nur dort. Neben dem Liebermann-Bild, das den Kunsthändler Theodor Stoperan in lockerer, beschwingter Pose zeigt, hängt ebenfalls von diesem Wochenende an ein Ölbild von Max Slevogt, das wie der Liebermann bislang laut Werkverzeichnis als nicht mehr auffindbar galt. Auch das Bild Slevogts ist ein Porträt des Theodor Stoperan, aber von 1923 und außerdem viel ernster. Viel Aufmerksamkeit ist Thiede gewiss, denn dass Bilder prominenter Secessionsmaler so unvermittelt wieder erscheinen, ist wahrlich selten.

          Jörg Thiede vertraut man Schätze an

          Die privaten Besitzer aus Süddeutschland wollten diesen Paukenschlag aber offensichtlich nicht einem Museum gönnen, sondern lieber einem Mann wie Thiede, der sich gern bescheiden gibt. „Die hatten von meinem Salon erfahren, sind hergekommen und dann haben wir die Leihgabe per Handschlag besiegelt“, sagt Thiede. Einen Monat lang bleiben die Bilder jetzt am Wannsee, vielleicht kommen sie später auch wieder und dann sogar für länger. „Viele private Kunstbesitzer schätzen offensichtlich, dass ich hier alles als in rein privater Initiative betreibe“, sagt Thiede. Daher vertrauten sie ihm.

          Mit Kennerblick: Professor Jörg Thiede in der Villa Hamspohn
          Mit Kennerblick: Professor Jörg Thiede in der Villa Hamspohn : Bild: Christian Thiel

          Im wahrsten Sinne vertraut man ihm sogar Schätze an. Ein Liebermann in der Plastiktüte etwa machte den Anfang. Das war vor zwei Jahren, als Thiede gerade seinen „Kunstsalon Berliner Secession“ eröffnete. Unterm Arm schaffte ein Dahlemer Besitzer den „Wannseegarten“ von 1916 heran und stand damit in der Tür. Max Liebermann hatte das Bild genau an dieser Stelle gemalt, und nun überließ es der Überraschungsgast als Leihgabe gleich für eine ganze Sommersaison. Auf einen Schlag war Thiedes Kunstsalon, in dem er eigentlich nur seine eigene Sammlung von Berliner Landschaftsmalern aus der Zeit um 1900 ausstellen wollte, zur Kunstpension geworden. Seither kann er sich kaum retten vor Originalen, die ihm aus privaten Schlafzimmern und Wohnstuben zugetragen werden.

          „Das ist eine Bauchgeschichte“

          Viele wollen ihre Bilder im familiären Kunstsalon hängen sehen, und nur dort, im Haus des 70 Jahre alten Selfmademan, der aus dem Vermögen seiner Computerfirma die „Dr. Jörg-Thiede-Stiftung“ gemacht hatte. „Das ist eine Bauchgeschichte“, sagt er. Oft begrüßen Jörg Thiede oder seine Frau Traute die Besucher schon am Eingang, weil sie selbst an der Kasse sitzen. Im Sommer stehen viele Fenster offen, ohne museale Strenge werden die Bilder gehängt. Wohin, bestimmen nur die Eheleute Thiede. Wer will, hört von ihnen etwas über die Bilder, zurzeit vor allem im oberen Stockwerk, wo die beiden neuen Errungenschaften hängen. Proper und im feinsten Licht sind dort die beiden „verschollenen“ Bilder an zartgelben Wänden zu sehen. Draußen funkelt die Seeoberfläche, ein wenig kräuselt sie sich im Wind. Der Hausherr strahlt vor Stolz. Seine Rolle spielt er allerdigs herunter: „Ich bin hier nur der Gärtner.“ So leidenschaftlich er Landschaftsbilder ausstellt, so passioniert arbeitet er auch in den Beeten oder auf der Wildwiese auf dem großen Grundstück seiner Villa.

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