07.10.2007 · Zwei Wochen vor den Parlamentswahlen ist es bei einer Demonstration gegen eine Veranstaltung der rechtskonservativen SVP zu schweren Ausschreitungen in der Schweizer Hauptstadt Bern gekommen. Mehrere hundert Autonome und Mitglieder des „schwarzen Blocks“ richteten massive Schäden in der Innenstadt an.
Straßenschlachten im Schweizer Wahlkampf: Bei gewalttätigen Protesten gegen die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) sind am Samstag in der Hauptstadt Bern 18 Menschen verletzt worden. 42 Personen wurden festgenommen, wie die Polizei am Sonntag bestätigte. An der SVP-Veranstaltung für die Parlamentswahl am 21. Oktober hatten sich mehrere tausend Anhänger beteiligt.
Einige hundert gewaltbereite Demonstranten schafften es, die SVP- Anhänger von der Wahlveranstaltung direkt vor dem Regierungsgebäude zu vertreiben. Rund 50 Vermummte stürmten den Bundesplatz und schlugen die dort aufgebauten SVP-Stände und Imbissbuden kurz und klein. Auch Autos wurden angezündet. In den engen Gassen der Berner Altstadt lieferten sich Polizei und Demonstranten Straßenschlachten. Die Polizei habe sich mit einem „Mehrfrontenkrieg in bester Guerillamanier“ konfrontiert gesehen, sagte ein Mitglied des Berner Stadtrates.
3000 demonstrierten friedlich
Vor den gewaltsamen Ausschreitungen hatten zunächst rund 3000 Menschen friedlich gegen die SVP demonstriert. Aufgerufen dazu hatte unter anderem eine Anti-SVP-Koalition „Schwarzes Schaf“. Sie spielt auf ein Wahlplakat der SVP an, das zeigt, wie drei weiße Schafe ein schwarzes aus der Schweiz herausdrängen. Dieses Plakat war von einem Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen als fremdenfeindlich und diskriminierend gerügt worden.
Die Ereignisse in der Hauptstadt Bern mit brennenden Autos und Ständen, Barrikaden und Tränengas sind der Höhepunkt eines vor allem durch die SVP auch mit ausländerfeindlichen Parolen aufgeputschten und für die Schweiz völlig unüblichen Wahlkampfs. Der SVP- Spitzenkandidat und Justizminister Christoph Blocher zeigte sich empört. Er bezeichnete die Kundgebung der SVP als eine Demonstration für Frieden und freie Meinungsäußerung. Die Vorkommnisse zeigten, wo die Gewalttätigen seien, die das freie Wort nicht ertrügen.
Buntes Völkchen oder primitives Pack?
Die Schweizer Außenministerin, die Sozialdemokratin und amtierende Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey (62), sprach in einem Interview mit dem „SonntagsBlick“ von schwierigen Zeiten, die die Schweiz durchlebe, „weil die Entwicklung des modernen Lebens viele isoliert und verunsichert“. Dadurch entstünden Spannungen, und die politischen Konfrontationen würden schärfer. Sie selbst hatte im Wahlkampf die SVP als die am wenigsten schweizerische Partei bezeichnet.
Nach Einschätzung der Boulevardzeitung „SonntagsBlick“ stand am Samstag „eine Schweiz der anderen gegenüber“. Auf der einen Seite das SVP-Volk mit Viehglocken, Schweizerfahnen und Blaskapelle, auf der anderen Seite Clowns und Jongleure, das bunte Völkchen. Aber dann schreibt auch die eigentlich liberale Zeitung über die Vermummten vom „primitiven Pack“. Die „NZZ am Sonntag“ schrieb von „Ausschreitungen auf der Insel der Glückseligen“. Was ganz allgemein befremde, sei „das Auseinanderklaffen zwischen dem Wahlkampfgetöse dieses Herbstes und der realen Problemlage“.
Linker Mob
Thomas Schmitt (redfish)
- 07.10.2007, 15:26 Uhr
So
Christian Barzel (Falke27)
- 07.10.2007, 17:44 Uhr
Feinde der Demokratie
Marius Sarkanas (dainiss)
- 07.10.2007, 17:57 Uhr
Straßenschlachten in Bern
Wolfgang Henke (aw-henke)
- 07.10.2007, 18:16 Uhr
Gewalt diskreditiert
Serkan Sapmaz (SerkanSapmaz)
- 07.10.2007, 18:20 Uhr