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Schweiz : Die letzte “Hexe“ Europas war keine

Mit dem Anna Göldi Museum wird an die letzte Hexe Europas erinnert Bild: AP

Vor 226 Jahren wurde die Magd Anna Göldi beschuldigt, ein Kind verhext zu haben. Sie wurde enthauptet. Jetzt hat ein Kantonsparlament sie voll rehabilitiert. Die Folge: Das Festspiel „Anna Göldi“ wird geplant und von der Regierung mit 120.000 Franken unterstützt.

          Der Kanton Glarus ist ein ehemaliges Zentrum der Textilindustrie in der Schweiz. Hier wurde vor 226 Jahren Anna Göldi als „letzte Hexe Europas“ enthauptet. Am Mittwoch hat das Kantonsparlament einstimmig und diskussionslos die ehemalige Magd rehabilitiert. In dem innerhalb von drei Minuten gefassten Beschluss, der auch von den Landeskirchen mitgetragen wird, wird Göldi voll rehabilitiert und das Verfahren vor dem Evangelischen Rat im Juni 1782 als „Justizmord“ bezeichnet.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          „Hexenzauber“ der Magd

          Wohlgemerkt nicht die katholische Inquisition, sondern die in Glarus vorherrschende reformierte Kirche war es, die im Februar 1782 in der damals schon bestehenden „Neuen Zürcher Zeitung“ den Steckbrief zur Suche nach der vergleichsweise gutsituierten Magd einer Arztfamilie veranlasste. Dahinter stand offenbar ein Familienkonflikt. Eines der fünf Kinder hat nach den Erkenntnissen der Forschung die Spannungen zwischen der Hausfrau und der gutaussehenden Angestellten so ausgenutzt, dass die Krankheit des achtjährigen Kindes auf den „Hexenzauber“ der Magd zurückgeführt wurde.

          Noch vor gut einem Jahr hatten Regierung und reformierter Kirchenrat in Glarus die formale Rehabilitierung verweigert. Jetzt jubelt die damals gegründete Anna-Göldi-Stiftung und spricht von einem Ansporn für die Wahrung der Menschenwürde. Die Entscheidung hat auch handfeste Folgen: Für das Jahr 2010 ist im Kanton das Festspiel „Anna Göldi“ geplant. Es wird von der Regierung nunmehr mit 120.000 Franken unterstützt.

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