13.06.2009 · Ulla Schmidt sieht trotz der Heraufstufung der Schweinegrippe zur Pandemie keinen Grund zur Panik. Auch sie mache sich Sorgen, „aber zu übereilten oder panischen Reaktionen besteht kein Anlass“, sagte die Gesundheitsministerin der Sonntagszeitung.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat angesichts der sich ausbreitenden Schweinegrippe vor übereilten Reaktionen gewarnt. „Mit der Warnstufe sechs der Weltgesundheitsorganisation wächst die Sorge vieler Menschen vor dieser neuen Grippe. Sorgen mache ich mir auch. Aber zu übereilten oder panischen Reaktionen besteht kein Anlass“, sagte Frau Schmidt der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die Ministerin wies darauf hin, dass die Krankheitsverläufe bisher milde seien und die antiviralen Mittel wirkten. „Die Behörden in den Kommunen und den Ländern sowie im Bund arbeiten gut zusammen“, sagte Frau Schmidt.
Sie zeigte sich zuversichtlich, dass bald ein Impfstoff gegen die Krankheit verfügbar sei. Im Juli werde die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen, welcher Impfstoff hergestellt werden soll. „Ab Herbst könnte dann, falls erforderlich, mit Impfungen begonnen werden. Eine zweimalige Impfung gibt in aller Regel einen ausreichenden Schutz. Wir haben gut vorgesorgt“, sagte Frau Schmidt.
Warnung vor gefälschten Medikamenten
Der bayrische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) wies darauf hin, dass die WHO auch festlege, für wen die Impfung empfohlen wird. Daran würden sich Bund und Länder einheitlich orientieren und das weitere Vorgehen abstimmen. „Wir in Bayern haben Medikamente noch einmal aufgestockt. Damit ist sichergestellt, dass jeder, der krank wird, auch gut behandelt werden kann“, sagte Söder der Sonntagszeitung. Für Deutschland ändere sich mit der erhöhten Warnstufe nichts. Die Grünen-Politikerin Birgitt Bender warnte unterdessen, es dürfe nicht passieren, dass der Impfschutz der Bevölkerung an Streitigkeiten zwischen Bund und Ländern scheitere. Denn die Kosten für den Impfstoff werden zunächst die Länder übernehmen müssen. Sie werden bald entscheiden, ob und wie viel sie davon bestellen.
Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) warnte davor, sich über das Internet mit Grippemedikamenten zu versorgen. Die seien oft gefälscht. „Die Medikamente müssen auf jeden Fall streng nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden – wer auf eigene Faust Selbstmedikation betreibt, schadet sich und riskiert, dass genau diese Medizin im Notfall wegen Resistenzbildungen nicht mehr wirkt“, sagte Laumann der Sonntagszeitung. Die Ausbreitung der Krankheit in Deutschland entspreche trotz der neuen Fälle nicht der einer Pandemie. Nordrhein-Westfalen sei gut vorbereitet. „Mit der 2005 beschlossenen Bevorratung der antiviralen Arzneimittel für 30 Prozent der nordrhein-westfälischen Bevölkerung werden wir im Falle einer ersten Grippe-Pandemie jedem erkrankten Bürger die benötigten Medikamente zur Verfügung stellen“, sagte Laumann.