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Schwedisches Königshaus „Eine sehr süße, kleine Prinzessin wurde geboren“

Der Reichsmarschall verkündet die frohe Botschaft per Facebook, mit Salutschüssen feiert Schweden seine neue Thronfolgerin. Prinzessin Victoria hat ein Mädchen geboren. Der Name der Kleinen ist noch streng geheim - erst muss der Staatsrat tagen.

© dapd Vergrößern So groß. Mindestens! Der stolze Vater, Prinz Daniel, überbringt die Nachricht im Krankenhaus.

Etwas überdreht und doch elegant im Anzug mit Krawatte und Einstecktuch trat Prinz Daniel am frühen Donnerstag vor die Presse, um mitzuteilen, dass den Schweden ein Thronfolger geboren wurde: „Heute Morgen um 4.26 Uhr wurde eine 51 Zentimeter große und 3280 Gramm schwere“ – Kunstpause – „sehr süße Prinzessin geboren.“ Jauchzen im Publikum. Mit den Händen zeigte Daniel dann noch die Größe seiner Tochter an und auch, wie Kronprinzessin Victoria ihre schlafende kleine Prinzessin an die Brust gedrückt habe, bevor er ihr Krankenhauszimmer verließ. Mutter und Kind gehe es sehr gut, und er sei noch ganz durcheinander, sagte Prinz Daniel. Er selbst habe die Nabelschnur durchtrennt.

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Die kleine Prinzessin ist das erste Kind von Kronprinzessin Victoria und Daniel, dem Traumpaar des schwedischen Königshauses. 2001 lernten sie sich im Stockholmer Fitnessclub „Master Training“ kennen, er war ihr Trainer. Ein Jahr später wurde ihre Beziehung bekannt, doch lange noch nicht offiziell. Es galt, Vorbehalte gegen die Verbindung der Kronprinzessin mit einem Bürgerlichen abzubauen, und auch König Carl XVI. Gustaf soll nicht sofort von Freude erfüllt gewesen sein. Doch während Victorias Geschwister bei der Partnerwahl nicht besonders erfolgreich waren, hielt die Beziehung zwischen Victoria und Daniel, und im Juni 2010 folgte die Traumhochzeit in Stockholm. Aus dem Fitnesstrainer wurde ein Prinz, und seit dem Jawort im Dom wartete ganz Schweden auf das erste Kind: Jedes Kleid, das Victoria trug, wurde darauf geprüft, ob sich mit dem Schnitt und unter dem Stoff ein Babybauch verstecken ließe. Jedes Sektglas ohne Sekt war ein Indiz.

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© dpa, Reuters Vergrößern Schweden: Kronprinzessin Victoria bringt Mädchen zur Welt

Doch es dauerte mehr als ein Jahr, bis im August 2011 die Mitteilung kam, Victoria erwarte ein Kind. Darauf ließen die vielen Anfragen der Untertanen die Homepage des Königshauses kollabieren. Und schon bald konnte kein Kleid, kein Schnitt und kein Stoff mehr den wachsenden Bauch der Kronprinzessin verbergen.

Die kleine Prinzessin kam nun sogar früher zur Welt als erwartet. Von Ende Februar oder Anfang März als Geburtstermin war die Rede gewesen. Als Victoria und Daniel aber kurz nach Mitternacht im Stockholmer Karolinska-Krankenhaus eintrafen, gab es keine Zweifel mehr, dass es nun so weit war. Eilmeldungen wurden verschickt. Erst wenige Tage zuvor noch hatte Victoria ihren letzten offiziellen Termin wahrgenommen, mit der scheidenden finnischen Präsidentin Tarja Halonen war ein Essen angesetzt. Nun gebar sie in demselben Krankenhaus ihr Kind, in dem sie als Victoria Ingrid Alice Désirée zur Welt gekommen war. 1977 war das, und als dann das neue Thronfolgegesetz 1980 in Kraft trat, wurde aus Prinzessin Victoria die Kronprinzessin und Nummer eins der Thronfolge. Ihre Tochter nimmt nun den zweiten Platz ein.

Die Geburt der kleinen Prinzessin hat eine wahre Protokolllawine ins Rollen gebracht. Es ist die erste königliche Geburt in Schweden seit Königin Silvia 1982 Prinzessin Madeleine, die kleine Schwester Victorias, zur Welt brachte.

Sweden Princess Victoria © dapd Vergrößern Kronprinzessin Victoria und Gemahl Daniel vor der Geburt ihres ersten Kindes

Nach dem privaten Auftritt des Vaters gab der Reichsmarschall das Ereignis formell bekannt – zuerst der Führung des Landes und dann mit einem Kommuniqué auch den Untertanen. Freilich ließ er die Nachricht nicht mehr wie einst von berittenen Boten verbreiten, sondern auf der Homepage des Königshauses und bei Facebook: Der Reichsmarschall sei froh, mitteilen zu können, „dass Ihre königliche Hoheit Kronprinzessin Victoria am Donnerstag, dem 23. Februar 2012 um 4.26 Uhr mit einer Tochter niedergekommen ist.“ Es folgten Salutschüsse in Stockholm und vier weiteren Städten. An diesem Freitag nun dürften der Ministerpräsident, der Parlamentspräsident, der Reichsmarschall und die Hofmeisterin mit Unterschrift und Siegel die Niederkunft der Thronfolgerin bezeugen.

Der König beruft dann den Staatsrat ein, nicht nur um der Regierung mitzuteilen, welche Titel die kleine Prinzessin tragen wird, sondern auch, um das letzte große Geheimnis zu lüften: ihren Namen. Zu den Favoriten zählte ein Fachmann in der Zeitung „Aftonbladet“ unlängst die Namen Christina und Désirée. Schließlich folgt ein Dankgottesdienst in der Schlosskirche, wie er nur für große Ereignisse im Leben der Königsfamilie vorgesehen ist. Der bislang letzte wurde zum sechzigsten Geburtstag des Königs gefeiert.

Sweden Royal Birth © dapd Vergrößern Schweden begrüßt die neue Nummer zwei der Thronfolge mit Salutschüssen.

Gut sechs Jahre ist das schon her und König Carl XVI. Gustaf dürfte besonders dankbar sein für das neue Familienereignis, nicht nur, weil er Großvater geworden ist, sondern weil die kleine Prinzessin den Schmutz und die Gerüchte der vergangenen Monate überstrahlen dürfte. Dem König waren Verbindungen ins Rotlichtmilieu nachgesagt worden, ausschweifende Partys und leichte Mädchen. Der Beliebtheit des Königshauses tat das Abbruch, und die Königin sagte unlängst in einer Dokumentation des Fernsehsenders SVT, 2011 sei „ein sehr hartes Jahr“ gewesen.

2012 könnte nun aber ein schönes Jahr für das Königshaus werden. Nachdem Mutter und Kind das Krankenhaus verlassen hatten, wurden sie ins Schloss Haga im Stockholmer Norden gebracht, dem Sitz der jungen Thronfolgerfamilie. In diesem Schloss wurde 1946 schon der König geboren, und Victoria und Daniel sagten der Zeitung „Aftonbladet“ kurz vor der Geburt, dort ließen sich sicher sehr gut Kinder aufziehen. Immerhin könnte die kleine Prinzessin einmal in einem 7,8 Hektar großen Garten toben. Und in einer Ecke des Gartens soll es noch immer die alte Spielhütte des Königs geben.

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Quelle: dpa/dapd

 
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