Makellos werden sie wieder aussehen, die Hollywoodstars, die sich am Sonntag zur Oscar-Verleihung auf dem roten Teppich präsentieren. Keine Flecken auf der seidig schimmernden Haut, keine Schweißperlen und keine hässlichen Runzeln, die im gleißenden Scheinwerferlicht zutage treten.
Dank eines Schönheitsprogramms, das schon vor Wochen begonnen hat. Und Dank der Hautärzte, Fitnesstrainer, Masseure, Friseure, Visagisten und Stylisten, die die Hollywoodstars für den großen Auftritt präparieren.
Mit geschwollenem, verquollenem Gesicht
Für Ava Shamban, eine Hautärztin in Santa Monica, die Hollywood-Prominenz zu ihrer Kundschaft zählt, begann der Countdown schon vor fünf Wochen. Denn Laserbehandlungen zur Beseitigung bräunlicher Altersflecken und Besenreisern und Injektionen, die Lippen voller und Lider straffer machen, sollte man besser nicht in allerletzter Minute vornehmen lassen.
Nicht auszudenken, wenn ein Hollywoodstar allergisch reagierte und dann mit geschwollenem, verquollenem Gesicht auf dem roten Teppich erscheinen müsste. Auch sieht es nicht gerade attraktiv aus, wenn an den Mundrändern noch die blauen Flecken vom Aufspritzen der Lippen zu sehen sind.
Derartige Glättungs- und Aufpolsterungsprozeduren vor der Oscar-Verleihung sind nach Angaben von Shamban eine Selbstverständlichkeit. Dafür meldeten sich nicht nur die Stars selbst an, sondern auch Mitglieder ihrer Entourage und Familienangehörige. Die Kunst des Dermatologen besteht vor allem darin, dass die Oscar-Kundschaft am Ende noch natürlich aussieht oder zumindest nicht viel unnatürlicher, als das Publikum die Stars aus den Medien kennt.
Spritzen, wo man es nicht vermutet
„Prominente können es sich nicht leisten, so auszusehen, als hätten sie sich drastischen Maßnahmen unterzogen“, sagte die Hautärztin Jessica Wu aus Los Angeles in einem Interview mit der „New York Times“. Und die behandelten Hautärzte können sich natürlich auch keine Patzer leisten. Deshalb gibt Gary Lask, ein kalifornischer Professor für Dermatologie, Kurse wie „Kosmetische Dermatologie: Die Hollywood-Perspektive“.
Gespritzt wird auch da, wo man es nicht unbedingt vermutet. So injizieren die Hollywood-Hautärzte das Nervengift Botox nicht nur in die Stirn, um die steile Falte zwischen den Augenbrauen zu glätten, sondern auch in den Kiefer und in den Nacken, damit das Gesicht prägnanter und der Hals länger aussieht. Diese Behandlung empfehle sich besonders, wenn für den Oscar-Auftritt ein schulterfreies Abendkleid mit tiefem Ausschnitt gewählt werde.
Botoxspritzen in die Achseln
Auch in leichter Garderobe wäre allerdings im gleißenden Scheinwerferlicht mit Schweißbildung zu rechnen. Dagegen helfen Botoxspritzen in die Achseln und in die Handflächen, die Transpiration auf dem roten Teppich mindern. Die Kosten für derartige Behandlungen können sich schnell auf Tausende Dollar summieren. Und anders als die Juweliere und Modeschöpfer, die den Stars Diamanten und Roben borgen, schreiben die Dermatologen tatsächlich Rechnungen.
Auch der Fitnesstrainer will bezahlt werden. Michael George, der unter anderem die Oscargewinnerin Reese Witherspoon in Form bringt, bekommt rund drei Wochen vor der Filmpreisverleihung rund 30 Prozent mehr Anrufe von Prominenten, die Speckfalten wegtrainieren wollen. George konzentriert sich dann auf die Körperzonen, die bei der Oscarverleihung besonders gut zu sehen sind.
Makel-Los
Dirk Sternberg (crescendo)
- 23.02.2007, 11:06 Uhr