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Montag, 13. Februar 2012
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Schmidt als Nachrichtensprecher Die Bekenntnisse des Hochstaplers

20.04.2007 ·  Der Besuch, den Harald Schmidt dem „heute journal“ abstattete: nicht spannender als die gewerkschaftlich organisierte Betriebsbesichtigung einer Chefetage. Seine Live-Moderation: eine unspektakuläre Kurzparodie. Die FAZ.NET-Fernsehkritik von Matthias Hannemann.

Von Matthias Hannemann
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Sie mühten sich so redlich ab, auf ihren Internet-Seiten auch noch den letzten kleinen Nebensatz des Gastes zu präsentieren, dass man gegen Ende des Abends den Lerchenberg für den Nachrichtendienst just jenes perfiden Überwachungsstaates halten konnte, vor dem Burkhard Hirsch gerade noch im ersten Beitrag des „heute journals“ gewarnt hatte.

Tatsächlich aber war der Besuch, den Harald Schmidt dem „heute journal“ abstattete, nicht spannender als die gewerkschaftlich organisierte Betriebsbesichtigung einer Chefetage, und der kurze Augenblick seiner Live-Moderation: nichts weiter als die bestellte biedere und unspektakuläre Kurzparodie.

Puppenhafte Moderatorenmimik

Natürlich kicherte sich die Redaktion ins Fäustchen, weil Harald Schmidt auf seine scherzhafte Moderatoren-Bewerbung hin nun ausgerechnet einen Beitrag zum Thema „Hochstapler“ ankündigen musste. Und natürlich, für den gelernten Kabarettisten war es nicht schwer, dabei eine puppenhafte Moderatorenmimik aufzusetzen, ja auch in der Gestik zu klebern und zu sieglochen und auf solch verschlungenen Pfaden zum Thema zu finden.

Claus Kleber hatte es eben noch vorexerziert: „Gefahrenabwehr ist teuflisch schwer, schon im Kleinen“, warnte Kleber, den Wirtschaftsaufschwung flugs mit dem Terror, Schäubles Politik mit Schäubles Attentatserfahrung und den Amoklauf mit Nachrichten zu RAF und Mindestlöhnen verknüpfend. Schmidt wiederum schaffte es immerhin von „Demut“, „Ehrlichkeit“ und „Bescheidenheit“ zur Andeutung einer Generationenlüge und von dort zu Waschmaschinen-Verträgen und einem Kinofilm-Start.

Harmlose PR-Aktion

Dies alles aber war nun wirklich kein Anlass, um der „Schnupper“- oder „Probemoderation“ des ARD-Entertainers Schmidt sogleich den Aufmacherplatz auf der ZDF-Internet-Seite einzuräumen („was alles passierte“) - und dabei derart heftig mit dem Weihrauch für „Dirty Harry“ wie das „heute journal“ zu schwenken, als sei das seit dem Eintreffen Schmidts am Nachmittag zuweilen aufgespürte freundliche, ja womöglich sogar echte Lob des Gastes für die Arbeit Klebers und des Zweiten so etwas wie der schlussendliche Segen für Qualität und, ach ja, wohl auch Humor.

Wir vermuten, ganz dem Wahlspruch des Zweiten folgend: beide, Schmidt und „heute journal“-Redaktion, drückten hier ein Auge zu. Denn wäre es ganz nach ihm gegangen, so sagte Schmidt am Mittwoch in seiner Show im Ersten, hätte er seine Moderationszeit im „heute journal“ gerne darauf verwendet, Deutschland aus gegebenem Anlass ein zynisch-böses Wort zum 20. April zu sprechen: „Adolf Hitler war kein Nazi“, spielte er da auf die Debatte um Oettingers Filbinger-Rede an, „Im Gegenteil, er hat den Nationalsozialismus von oben bekämpft.“

Auf derartig böse Schoten, die einmal sein Markenzeichen waren, hat Harald Schmidt bei seinem Kurzauftritt im „heute journal“ verzichtet. Bei einer so harmlosen PR-Aktion wie dieser war das vermutlich auch ganz gut so.

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