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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Schmallenberg-Virus Die Seuche im Stall

 ·  Im vergangenen Herbst fanden Forscher in Deutschland erstmals das neue Virus, inzwischen sind mehr als 800 Rinder-, Schaf- und Ziegenbetriebe befallen. Das Schmallenberg-Virus verursacht schwere Missbildungen bei neugeborenen Tieren.

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Mehr als 800 deutsche Rinder-, Schaf- und Ziegenbetriebe sind inzwischen vom Schmallenberg-Virus befallen, jenem neuen Erreger, den Wissenschaftler erstmals im Herbst in Blutproben von Kühen aus dem Sauerland fanden. Das Virus, das aller Wahrscheinlichkeit nach von Stechmücken übertragen wird und wohl aus Asien oder Afrika stammt, verursacht unmittelbar nur Fieber und Appetitlosigkeit bei betroffenen Tieren. Doch Monate später wird sein wahres Gefahrenpotential deutlich: Befand sich ein Tier, das sich angesteckt hat, im ersten Drittel der Trächtigkeit, dann kommen missgebildete, nicht lebensfähige Jungtiere zur Welt.

Zwar wurden seit Dezember hauptsächlich Lämmer registriert, die schwere Gehirnfehlbildungen aufwiesen. Doch auch kranke Kälber seien zu erwarten, schrieben Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts im Januar im Journal „Emerging Infectious Diseases“. Kühe haben eine Tragzeit von bis zu 280 Tagen, während Schafe nur 150 Tage lang trächtig sind - deshalb wird die Krankheit in Rinderbetrieben wohl einige Wochen später sichtbar. Als Infektionszeitpunkt sieht man die Herbstmonate an. Die Tierseuchenkassen entschädigen Landwirte bislang nicht, weil die Krankheit nicht anzeigepflichtig ist. „Inzwischen sind schon 66 Rinderbetriebe betroffen“, sagt Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems. „Die Zahl der Meldungen über Rinder war lange auf einem niedrigen Level und ist in den vergangenen Tagen angestiegen. Innerhalb einer Woche sind gleich 20 Betriebe hinzugekommen.“

Auch international erregt das deutsche Virus jetzt Aufmerksamkeit. In dieser Woche widmet das Wissenschaftsmagazin „Science“ der neuen Seuche einen Artikel - wohl auch, weil der Erreger auf viele Nachbarländer übergegriffen hat, zuletzt auf Italien und Luxemburg. In der Publikation wird spekuliert, ob das Virus möglicherweise mit Schnittblumen aus Afrika nach Deutschland kam: Um sie auf der Reise frisch zu halten, werden sie hell angestrahlt, was Insekten anziehen könnte. Auch andere Übertragungswege als den durch Blutsauger, etwa direkt von Tier zu Tier, schließen einzelne Wissenschaftler noch nicht aus.

Die Riemser Forscher haben den Erreger einer bestimmten Gruppe von Viren zuordnen können, den Orthobunya-Viren, und unter diesen der kaum erforschten Simbu-Serogruppe. Zu diesem kleinen Kreis von Erregern gehören auch einige wenige, die vom Tier auf den Menschen überspringen können, etwa das Oropouche-Virus, das im Amazonasgebiet vorkommt und fieberhafte Infekte auslöst. Das Schmallenberg-Virus, das nach der Kleinstadt im Sauerland benannt ist, gilt aufgrund seiner engen Verwandtschaft zu reinen Tier-Viren als vermutlich ungefährlich. Sicherheitshalber hat das Robert-Koch-Institut in Berlin in der vergangenen Woche 60 Schäfer aus Nordrhein-Westfalen um Blutproben gebeten, die auf Antikörper gegen das Virus untersucht werden sollen. Eine sorgfältige Befragung habe aber bislang keine Hinweise auf außergewöhnliche Gesundheitsprobleme bei den Schäfern ergeben, sagt Studienleiter Klaus Stark.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“

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