Nach der Havarie eines italienischen Gefahrgut-Frachters vor der Ostküste Südafrikas haben sich die Behörden am Freitag auf eine Ölpest vorbereitet. Aus der brennenden „Jolly Rubino“ trat in der Nähe des Naturschutzgebiets St. Lucia ein zehn Meter breiter Ölteppich aus, wie eine Rettungsfirma erklärte. An Bord des Schiffs befanden sich nach Angaben des Hafenmeisters Mike Brophy leicht entzündliches Aceton, Methanol und Phenol, außerdem 1.100 Tonnen Diesel und 225 Tonnen Benzin sowie Luxusautos.
Der Eigner schickte am Samstag einen Experten zum Unglücksort. Dieser soll den örtlichen Behörden bei den Rettungsversuchen helfen, sagte ein Sprecher der Firma Ignazio Messina (Genua) am Samstag. Ein sechsköpfiges Spezialteam ging am Samstag an Bord der brennenden „Jolly Rubino“. „Sie können nicht lange bleiben, und wir denken, dass die Situation noch immer lebensbedrohlich ist. Die Temperaturen an Bord liegen zwischen 90 und 400 Grad“, sagte eine Sprecherin der Bergungsfirma. Auch das Kohlenmonoxid sei für die Helfer gefährlich.
Das 190 Meter lange Schiff war am Dienstag von seiner Mannschaft aufgegeben worden und liegt auf einem Felsriff vor der Ostküste fest. Brophy erklärte, insgesamt seien 70 Container ins Meer gefallen. Der Frachter drohe auseinander zu brechen. Er lag etwa 300 Meter vor der Küste von Kap St. Lucia, rund 600 Kilometer östlich von Johannesburg. Der Ölteppich war nach Angaben der Rettungsfirma SMIT Salvage in etwa fünf Kilometer Entfernung vom Schiff nicht mehr auszumachen. Zur Erleichterung der Umweltschützer trieb das Öl zunächst von der Küste weg.
Mannschaft hat Schiff verlassen
Die „Jolly Rubino“ trieb seit Ausbruch des Feuers im Maschinenraum am Dienstag führungslos im Meer. Die 22-köpfige Besatzung war Dienstagnacht nach einem SOS-Ruf per Helikopter von Bord geholt worden. Das Schiff war auf dem Weg vom südafrikanischen Hafen Durban nach Mombasa in Kenia. Der Brand war aus noch ungeklärter Ursache auf der Höhe von Richards Bay im Maschinenraum ausgebrochen. Starker Wind trieb den Frachter schließlich am Donnerstag auf Grund. Die Rettungsarbeiten wurden von den noch immer lodernden Flammen an Deck der „Jolly Rubino“ behindert.
Tier- und Pflanzenwelt in Gefahr
Ein Sprecher der Parkverwaltung, Jeff Gaisford, erklärte, eine mögliche Verschmutzung des Gebiets bereite ihm große Sorgen. So könnten der nahe gelegene Fluss Umfolozi und die Mündung verseucht werden, die gegenwärtig von Sand blockiert sei. „Falls das Schiff auseinander bricht, haben wir ein großes Problem“, sagte Gaisford. Mangroven, Krokodile und Nilpferde seien bedroht.
Um das Biotop zu schützen, schichteten Arbeiter mit Bulldozern Sand in der Mündung des Umfolozi-Flusses und in der St.-Lucia-Bucht auf. Die Barrieren sollen verhindern, dass Öl in das Feuchtbiotop eindringt, in dem Nilpferde, Krokodile und zahlreiche Vogelarten leben. Möglicherweise würden zusätzlich schwimmende Barrieren installiert, sagte ein Vertreter des Naturschutzgebietes. Das St. Lucia-Feuchtgebiet ist von der UN- Kulturorganisation Unesco wegen seiner einmaligen Artenvielfalt auf die Liste des schützenswerten Welterbes gesetzt worden.