Der Flüchtlingsstrom von Afrika nach Italien reißt nicht ab. Am Samstag erreichten etwa hundert Männer aus Nord- und Zentralafrika die Mittelmeerinsel Lampedusa. Sie wurden dort in ein Flüchtlingslager gebracht, wie die Behörden mitteilten. Unterdessen geht die Suche nach Opfern des Schiffsunglücks vom Freitag weiter. Ein Boot mit mehr als 250 Menschen an Bord war vor der tunesischen Küste gesunken. Bislang sind knapp 50 Opfer tot geborgen worden, 160 weitere wurden am Sonntag noch vermißt. 41 Menschen hatten das Unglück überlebt.
„Wir haben nicht mehr viel Hoffnung, Überlebende zu finden“, sagte ein Offizier der tunesischen Nationalgarde. Aufgabe der Helfer sei nun vor allem, die Leichen aus dem Wasser zu bergen. Die 41 Überlebenden stammen aus Mali, Ghana, Somalia, Ägypten, Marokko und Tunesien.
Boot war völlig überfüllt
Nach ihren Angaben war das marode Schiff völlig überfüllt in Libyen gestartet. Im Rumpf seien nach einiger Zeit Risse aufgetreten und es sei Wasser ins Innere gelaufen, sagte ein 24jähriger Marokkaner. „Wir haben versucht, die Risse zu stopfen, aber wir haben es nicht geschafft.“ Das Boot sei kurz nach Mitternacht in der Nacht zum Freitag gesunken. Die Überlebenden schwammen nach eigenen Angaben fünf Stunden lang, bis sie von der tunesischen Marine gerettet wurden. In See stachen die rund 250 Menschen am libyschen Strand Suara. Zuvor zahlten sie nach eigenen Angaben pro Kopf 500 bis 800 Dollar an Schlepper. Das Schiff sank zwischen den tunesischen Inseln Kerkennah und Djerba.
Die auf Lampedusa angekommenen Flüchtlinge waren nach eigenen Angaben in der Türkei an Bord gegangen und hatten für die gefährliche Reise nach Westeuropa zwischen 700 und 1.500 Dollar (rund 600 bis 1.300 Euro) an Schlepper gezahlt. In Lampedusa beantragten sie politisches Asyl. Das für 250 Menschen gebaute Flüchtlingslager beherbergt inzwischen 500 Flüchtlinge.
Bossi schürt die Stimmung
In Italien forderte die fremdenfeindliche Lega Nord erneut eine strengere Einwanderungspolitik. Lega-Nord-Chef Umberto Bossi sagte der Zeitung „La Repubblica“ (Samstagsausgabe), die Regierung müsse „zur Kenntnis nehmen, daß die Leute genug von der Einwanderung haben“. Bei einem Spitzentreffen der Regierungsparteien kommende Woche werde er Ministerpräsident Silvio Berlusconi seine Meinung „ins Gesicht sagen“. Die Mitte-Rechts-Koalition in Rom hatte im Wahlkampf 2001 versprochen, gegen illegale Einwanderung vorzugehen.