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Scheidung in China Zehn Yuan, zehn Minuten

Individuelle Lebensplanung ist in China auf dem Vormarsch, die Familie verliert an Bedeutung. Auch die Institution Ehe zerbröselt und die Zahl der Scheidungen steigt.

© picture-alliance / dpa Vergrößern Chinesische Paare: Weniger Hochzeiten und mehr Scheidungen

Als Zhou Lan von einem längeren Aufenthalt im Ausland nach Peking zurückkam und herausfand, daß ihr Mann eine andere hatte, war sie zuerst verletzt und dann wütend. Sie verlangte die Scheidung.

Petra  Kolonko Folgen:    

Ihr Mann willigte ein, und die beiden gingen zum Registrierungsamt. „In zehn Minuten war alles vorbei“, sagt Frau Zhou, noch etwas schockiert. „Mit ein paar Unterschriften und einem schnellen Verwaltungsakt waren 15 Jahre Ehe beendet.“ Es ist noch nicht lange her, da hätten betrogene chinesische Ehefrauen wie Frau Zhou lieber jahrelang stumm gelitten, als sich scheiden zu lassen.

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Eine Scheidung galt im sozialistischen China als tabu, als Eingeständnis des Versagens, als Makel auf Lebenszeit. Besonders der Frau wurde das Scheitern einer Ehe angelastet. Nachbarn und Kollegen lästerten, die Frau habe sich nicht richtig um ihren Mann gekümmert.

Vereinfachte Verwaltungsprozeduren

Zudem machte die sozialistische Praxis der gesellschaftlichen Kontrolle eine Scheidung zu einem peinlichen öffentlichen Akt. Wie bei der Heirat, so mußte auch bei der Scheidung die „Arbeitseinheit“ zustimmen. Die Personalabteilung des Betriebes und das Nachbarschaftskomitee mischten sich ein und versuchten mit aller Macht, die Ehe zu retten und die Ehepartner zum Zusammenbeiben zu überreden. Hou Zhiming, die Leiterin der Frauenberatung Ahorn in Peking, sagt: „War die Ehe auch noch so schlecht - die Frauen hielten lieber alles aus, als die Demütigung einer Scheidung auf sich zu nehmen.“

Vor zwei Jahren hat die chinesische Regierung den veränderten Bedingungen des modernen Lebens Rechnung getragen und die Verwaltungsprozeduren für Heiraten und Scheidungen einfacher gemacht. Zu einfach, finden viele, denn seither gibt es einen starken Anstieg der Scheidungszahlen in der Volksrepublik. Im Jahr 2004 ließen sich 1,61 Millionen Paare scheiden, das war ein Anstieg um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Frauen opfern sich nicht mehr

Selbst auf dem Land, wo traditionelle Lebensformen und Werte noch weiter verbreitet sind, nehmen die Scheidungen zu. Die vereinfachten Formalitäten mögen ein Beschleuniger für viele Trennungen sein, der Hauptgrund für die Zunahme der Scheidungen liegt mehr im modernen Lebensstil in den Städten und im Verlust an traditionellen Werten. Im konfuzianischen Weltbild galt die Familie als höchstes Einheit und als Modellbild für den Staat.

Kinder zu bekommen war die erste Pietätspflicht gegenüber den Eltern, Sorge für Mann und Schwiegereltern die erste Pflicht der Frau. Der Sozialismus sorgte für eine Gleichstellung der Frau und die Einführung einer partnerschaftlichen Ehe. Aber die Hochschätzung für die Familie und die besondere Verpflichtung der Frau auf das Wohlergehen der Familie unter Aufopferung ihrer eigenen Bedürfnisse blieb auch im Sozialismus bestehen. Die Pflicht zum Kind blieb, auch wenn der Staat von nun an befand, daß es nur eines sein dürfe.

Doch jetzt, da jeder sein privates Glück suchen soll und die individuelle Lebensplanung wichtiger ist, als Erwartungen der Familie oder des Staates, ist auch in China die Ehe keine unauflösliche Institution mehr. Frauen opfern sich nicht mehr für ihre Ehemänner auf.

Zweitfrau gilt als bequeme Erwerbsquelle

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