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„Sandy“ erreicht Ostküste Eine schwere Nacht

 ·  Offiziell wurde „Sandy“ vom Hurrikan zum Sturm herabgestuft, die Folgen sind dennoch verheerend: An der Ostküste der Vereinigten Staaten kamen mindestens 16 Menschen ums Leben. In New York wurden U-Bahn-Schächte überflutet. In New Jersey brach ein Damm.

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© dpa „Sandy“ erreicht Ostküste

Der Wirbelsturm „Sandy“ ist mit voller Wucht auf die amerikanische Ostküste geprallt. Bis zum frühen Dienstagmorgen hat er dort Medienberichten zufolge 16 Menschen das Leben gekostet. Die Todesopfer wurden aus New Jersey, New York, West Virginia, Pennsylvania und Connecticut gemeldet. In Toronto wurde eine Frau von einem herabstürzenden Schild erschlagen.

Im Norden des Bundesstaates New Jersey lösten die Wassermassen am Dienstagmorgen einen Dammbruch aus. Die Wassermassen bedrohten nahe gelegene Städte, sagte der Polizeichef der Ortschaft Little Ferry im Sender CNN. Rettungskräfte brachten demnach Anwohner aus Häusern in Sicherheit.

Mindestens 5,7 Millionen Menschen waren in der Region ohne Strom. In einem New Yorker Umspannwerk gab es eine Explosion. Bilder zeigten einen gewaltigen Feuerball aus der Anlage in der Lower East Side von Manhattan am späten Montagabend (Ortszeit). Der Unfall verschärfte die Lage in Manhattan nach zahlreichen Stromausfällen weiter.

Teilweise war der Strom vorsorglich abgestellt worden, zumeist versagte aber das Netz oder wurde durch umgestürzte Bäume unterbrochen. Allein im New Yorker Stadtteil Manhattan fiel in 250.000 Haushalten die Elektrizität aus. Nach Angaben des Stromversorgers Consolidated Edison könnte es bis zu einer Woche dauern, bis alle Verbraucher wieder am Netz sind.

Eine Flutwelle überschwemmte sieben U-Bahn-Schächte in New York. Wie die Verkehrsbehörde MTA am Dienstagmorgen weiter mitteilte, handelte es sich in diesem Bereich um die schlimmste Katastrophe seit mehr als einhundert Jahren. „Die New Yorker U-Bahn ist 108 Jahre alt, aber niemals war sie mit einer derart verheerenden Katastrophe konfrontiert, wie wir sie in der vergangenen Nacht erlebt haben“, erklärte Joseph Lhota, der Chef der Metropolitan Transportation Authority.

Bei einem Großbrand in einem überschwemmten Bezirk des Stadtteils Queens wurden mindestens 50 Häuser zerstört. Mehr als 190 Feuerwehrleute waren in Breezy Point im Einsatz, wie die Behörden mitteilten. Zwei Menschen wurden bei dem Feuer leicht verletzt. Der Brand wurde nach Angaben der Feuerwehr am späten Montagabend (Ortszeit) aus einem vom Supersturm „Sandy“ überschwemmten Gebiet auf der Halbinsel Rockaway am Atlantik gemeldet.

Einer der schwersten Stürme - wegen seiner Größe

Mit Windstärken von 130 Kilometern pro Stunde und starkem Regen traf das Zentrum von „Sandy“ am Montagabend auf das Festland (Ortszeit, gegen 1.00 Uhr deutscher Zeit). In New Jersey wurde ein Atomkraftwerk wegen der steigenden Wasserpegel in Alarmzustand versetzt. Der Sturm gilt auch wegen seiner großen Ausdehnung als einer der schwersten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Er erstreckt sich von South Carolina bis zur kanadischen Grenze.

Das Nationale Hurrikanzentrum der Vereinigten Staaten hatte „Sandy“ zuvor vom Hurrikan zum Sturm herabgestuft. Dieser Schritt hatte allerdings kaum praktische Bedeutung: Nicht zuletzt wegen seines riesigen Ausmaßes hat der Sturm nichts von seiner Gefährlichkeit für die 50 Millionen Menschen im Osten des Landes verloren. Seine Windgeschwindigkeiten erreichten zunächst noch immer bis zu 135 Kilometer pro Stunde. Betroffen waren unter anderem Metropolen wie Washington, Baltimore, Philadelphia und Boston.

Atomkraftwerke mit Problemen

Der Sturm Atomkraftwerken im Osten der Vereinigten Staaten Probleme bereitet: In der ältesten Anlage des Landes wurde wegen Hochwassers in Folge des Exhurrikans ein Alarm ausgerufen, in einem weiteren Kraftwerk wurde ein Reaktor abgeschaltet. Das Kraftwerk Oyster Creek im Staat New Jersey war bereits vor der Ankunft von „Sandy“ zu Wartungsarbeiten vom Netz genommen worden. Nach Angaben der Atomregulierungsbehörde (NRC) wurde die Lage zum „Alarmzustand“ hochgestuft, die zweitniedrigste von vier Stufen.

Nach offiziellen Angaben sind alle Atomkraftwerke weiterhin in einem sicheren Zustand. Die Wassermassen bei Oyster Creek in der Nähe des Atlantiks sollten innerhalb der kommenden Stunden zurückgehen. Oyster Creek ging 1969 ans Netz und liefert neun Prozent des in New Jersey verbrauchten Stroms. 2019 soll die Anlage geschlossen werden. Sie ist nach Angaben der NRC wasserdicht und in der Lage, Hurrikanen standzuhalten.

Erste Schätzungen gehen von einem zu erwartenden Schaden zwischen zehn und 20 Milliarden Dollar (7,75 bis 15,5 Milliarden Euro) aus. Damit könnte er Hurrikan „Irene“ übertreffen, der voriges Jahr mit 15,8 Milliarden Dollar (12,25 Milliarden Euro) zu Buche schlug. In diesem Fall käme „Sandy“ unter die zehn teuersten Wirbelstürme in der amerikanischen Geschichte. Er wäre aber immer noch weit entfernt vom schlimmsten unter ihnen: Hurrikan „Katrina“, der 2005 108 Milliarden Dollar (rund 84 Milliarden Euro) und 1.200 Menschen das Leben kostete.

Tote durch umstürzende Bäume und Stromschläge

In New York stiegen die Pegelstände auf Rekordhöhen. Einige Stadtteile wurden überflutet. Ein Mann wurde in einem Haus von einem umstürzenden Baum erschlagen. Eine Frau starb an einem Stromschlag. Die Behörden evakuierten zudem die Umgebung der Baustelle eines 90-stöckigen Wolkenkratzers in der Nähe des Central Parks: Nachdem die Spitze eines riesigen Krans zusammenbrach, bestand die Gefahr, dass die ganze Maschine einstürzen könnte. In Toronto wurde eine Frau durch umherfliegende Trümmerteile getötet. Im New Yorker Universitätskrankenhaus Tisch mussten mehr als 200 Patienten in andere Kliniken verlegt werden, nachdem dort auch das Notstromaggregat ausgefallen war.

Auch der Flugverkehr von Deutschland ist betroffen: Wegen des Wirbelsturms „Sandy“ sind am Frankfurter Flughafen am Dienstag erneut mehrere Flüge in die Vereinigten Staaten gestrichen worden. Zunächst wurden neun Abflüge verschiedener Fluggesellschaften abgesagt, wie ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport der dpa sagte. Außerdem würden elf Flüge von der amerikanischen Ostküste nach Frankfurt nicht durchgeführt. Betroffen seien die Flughäfen in New York, Washington, Boston und Philadelphia. Ob im Laufe des Dienstags noch weitere Annullierungen hinzukommen werden, konnte der Sprecher nicht sagen. Schon in den Vortagen waren wegen des Unwetters Verbindungen abgesagt worden.

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