25.05.2005 · Wegen des folgenschwersten Stromausfalls in der Geschichte Moskaus ist Rußlands Präsident Putin hart mit dem Chef des staatlichen Energiekonzerns UES ins Gericht gegangen. Dieser hatte den Chodorkowskij-Prozeß kritisiert.
Ein Stromausfall hat am Mittwoch große Teile der russischen Hauptstadt Moskau ins Chaos gestürzt. Zehntausende Fahrgäste saßen in der U-Bahn fest, auf den Straßen kam es zu zahlreichen Verkehrsunfällen und die Wasserversorgung war zeitweise unterbrochen. Als Ursache für den Defekt nannte Energieminister Viktor Christenko eine Explosion nach einem Feuer in einem Umspannwerk, einen Terror- oder Sabotageakt schloß er aber aus.
Präsident Wladimir Putin machte für den Unfall den staatlichen Strom-Monopolisten UES verantwortlich, an dessen Spitze der der liberale Politiker Anatoli Tschubais steht. Es hieß, dieser habe die volle Verantwortung übernommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen das Management wegen des Verdachts auf Fahrlässigkeit.
20.000 Fahrgäste saßen in der U-Bahn fest
Straßenbahnen und Oberleitungs-Busse blieben nach dem Stromausfall stehen und Verkehrsampeln fielen aus. Die Züge der U-Bahn wurden in die Bahnhöfe geleitet und dort angehalten. Rund 20.000 Fahrgäste saßen jedoch zunächst bei Temperaturen von rund 30 Grad in Tunneln fest und konnten erst nach einer Stunde befreit werden. An der Börse wurde der Handel zeitweise ausgesetzt.
Energieminister Christenko sagte, eine Explosion in der vergangenen Nacht habe mehrere Umspann-Anlagen beschädigt. Einen Anschlag schloß er aus und verwies darauf, daß das explodierte Gerät mehr als 40 Jahre alt sei. Techniker mußten große Teile der Stromversorgung abschalten, um eine Überlastung der Netze zu verhindern. Nach offiziellen Angaben fielen zehn bis zwölf Prozent der Stromkapazität in Moskau und Umgebung aus. Krankenhäuser und andere wichtige Verbraucher sollen inzwischen wieder ans Netz angeschlossen worden sein. In der übrigen Region werde sich die Lage innerhalb von 24 Stunden normalisieren, hieß es.
Putin greift Konzernspitze an
Präsident Putin nutzte den Vorfall für einen Frontalangriff auf das Management des Energiekonzerns UES. Das Unternehmen solle sich nicht nur um „globale Probleme und seine Restrukturierung“ kümmern, sondern auch um seine derzeitige Versorgungsaufgabe, sagte er. Konzernchef Tschubais hatte als einer der wenigen prominenten Russen den international umstrittenen Strafprozeß gegen den Gründer des Öl-Konzerns Yukos, Michail Chodorkowskij, offen kritisiert. Er gehört zu den führenden Mitgliedern der Partei Union der rechten Kräfte, ist aber 1998 aus der aktiven Politik ausgestiegen. Die Macht der zumeist liberalen Top-Manager in Russland ist Putin seit Jahren ein Dorn im Auge. Doch das harte Durchgreifen etwa gegen Chodorkowskij hat das Vertrauen vieler Investoren in den Standort Rußland stark erschüttert.