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Rügen des Werberats Der Kaffeefilter darf nicht sterben

 ·  Der Deutsche Werberat hatte im vergangenen Jahr zwar weniger zu beanstanden als 2008, Anlass zur Beschwerde gab es trotzdem: Viele Werbekampagnen diskriminierten Frauen, andere wurden als gewaltverherrlichend oder jugendgefährdend eingestuft. Hier eine kleine Auswahl.

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Werbung soll auffallen. Doch in 69 Fällen sind die Unternehmen dabei im Jahr 2009 übers Ziel hinausgeschossen – sagt der Deutsche Werberat, ein Schiedsrichter zwischen Verbrauchern und Unternehmen, getragen vom Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft. Am Dienstag zog der Werberat eine Bilanz des vergangenen Jahres. Demnach war das Krisenjahr 2009 harmloser als das Jahr zuvor, in dem der Werberat noch 88 Fälle beanstandete. Doch es blieben noch genügend Beispiele, wie Werbung nicht aussehen sollte. Meistens stellten die kritisierten Unternehmen die Werbung ein oder änderten sie. Nur in sieben Fällen beharrten sie darauf – und der Werberat sprach eine Rüge samt Namensnennung aus. Hier eine kleine Auswahl:

Nackte Rothaarige auf einer Betonröhre

Eine Rüge erhielt das Unternehmen Mester Kunstbaue. Der Diplom-Forstingenieur warb in einer Anzeige in „Wild und Hund“ für seinen künstlichen Fuchsbau mit einer nackten rothaarigen Frau auf einer Betonröhre. Der Text dazu: „Jäger stehen drauf, Füchse sowieso.“ Das war dem Werberat dann doch zu demütigend.

„24 h open“

Ebenfalls als menschenunwürdig gerügt wurde eine Werbung der Hotelkette Hostel A&O. Auf einer Postkarte zeigte sie den Unterleib einer Frau im Bikini mit der Aufschrift „24 h open“ und dem Text „Sexy Preise“. Frauendiskriminierend!

Blutgetränkte bandagierte Fäuste

Um Gewaltverherrlichung ging es im Fall MSI Technologie. Das Unternehmen bewarb einen Laptop mit einem blutbespritzten boxenden Mann mit blutgetränkten bandagierten Fäusten und der Überschrift „Unschlagbar“. So nicht!

Werbebrief als Todesanzeige

Einen Verstoß gegen die moralischen Mindestanforderungen sah das Gremium in einem Werbebrief, der in Gestalt einer Todesanzeige daherkam. Der Hersteller eines Kaffeeautomaten verkündete das Ableben des Kaffeefilters. Das Unternehmen entschuldigte sich – und verschickte den Brief nicht mehr.

„Knackig wie Wiener, würzig wie Frankfurter“

Nicht in allen Fällen nahm der Werberat die Beschwerde an. In einem Fernsehspot mit der Comic-Kuh „Paula“ erkannte der Werberat keine Diskriminierung aller Paulas. Auch der Protest gegen den Wurst-Slogan „Knackig wie Wiener, würzig wie Frankfurter“ lief ins Leere. Der Beschwerdeführer monierte, Wien liege nicht in Deutschland, deshalb schaffe die gleichrangige Aufzählung der Städte eine inakzeptable Nähe zur nationalsozialistischen Einverleibung Österreichs. Den Zusammenhang konnte der sonst so kritische Werberat beim besten Willen nicht sehen.

Zusammengestellt von Julia Löhr

Quelle: F.A.Z.
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