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Sonntag, 19. Februar 2012
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Rückkehr der Bowle Der Besuch der Kalten Ente

19.07.2010 ·  Das Pendant zum Nudelsalat verlangt eine Rehabilitation: Vorbei die Zeiten der Cocktailfrüchte und Plastikbecher. Die Bowle kehrt als stilvoller Durstlöscher zurück und überzeugt mit Duftkräutern in Kristallgläsern.

Von CorneliusFabian Lange
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Bei Temperaturen, bei denen das Leben fast zum Stillstand kommt und der Garten zum Wohnzimmer wird, ist die Zeit für Kaltgetränke aller Art gekommen. Und plötzlich fällt er einem wieder ein, der etwas aus der Zeit gerutschte Durstlöscher: die gute alte Bowle, jene Kaltschale, die ihre erfrischenden Reize besonders vorteilhaft im Sommer entfaltet. Man muss nur ein paar Kleinigkeiten beim Zubereiten und Servieren beachten, und schon wird dieses in die Jahre gekommene Getränk wieder zu dem, was es einmal war: stilvoll und elegant.

Wenn es um die Bowle heute schlecht bestellt ist, dann liegt das an den vielen Mutationen, die das Partybuffet hervorgebracht hat - meistens in Tateinheit mit Nudelsalat, bei dem man leider ja auch nicht weiß, was genau drin ist. Bei der Bowle galt viel zu lange Zeit die Devise: Hauptsache, bunt. Die Folge: an der Oberfläche dümpelnde Fremdkörper, vom Alkohol aufgedunsene, leblose Cocktailfrüchte aus der Dose, die schon tot waren, als sie ins Blech gefüllt wurden

Richtige Zutaten und eine stilvolle Präsentation

Es wird also Zeit für eine Rehabilitation, heiß genug ist es ja. Eine gute Bowle setzt sich aus Inhalt und Form zusammen; beides ist untrennbar miteinander verbunden. Es ist eben nicht egal, ob man schlichten Prosecco zum Aufgießen nimmt oder guten Sekt oder einer Flasche Moselwein die Ehre zuteil werden lässt, im geschliffenen Kristall zu schillern. Wer sich mit einer Bowle das Licht möglichst schnell ausknipsen will, mischt einfach eine Flasche Wodka, eine Dose Red Bull und eine Tüte Gummibärchen. Das ist dann klassisches Komasaufen und hat nichts mehr mit dem ursprünglichen Konsumanlass zu tun, zu dem dieses Kulturgetränk einstmals in den Rang einer erfrischenden Delikatesse erhoben wurde, als das böhmische Kristall in den Salons noch tonangebend war.

Kommen wir also zur adäquaten Bühne für die Bowle. Denn genauso wichtig wie die richtigen Zutaten ist die stilvolle Präsentation. Es gibt zwei grundsätzliche Formen: zum einen die Bowle als Schalenform, aus der mit der Kelle in Gläser geschöpft wird. Und nicht etwa in Plastikbecher, auf denen alle Gäste ihre Namen mit Eddingstiften verewigen. Und es gibt Karaffen, bauchige, nach oben schlank zulaufende Glasgefäße mit einem schnabelartigen silbernen Ausgießer, für die der Volksmund den Spitznamen "Kalte Ente" erfand. Diese Karaffen besitzen oft einen arretierbaren Glaszylinder, in den kühlendes Eis gefüllt wird, der wiederum in den Bauch der Ente versenkt wird. Früher stand je bürgerlichen Haushalt im Schnitt eine Kalte Ente in den Buffets. Wir fragen uns, wo die nur alle geblieben sind: Polterabend? Haushaltsauflösungen? Keller?

Eine Kalte Ente schmeckt frisch am besten

Wer den Charme einer Kalten Ente wiederaufleben lassen möchte, braucht dazu praktisch nur die angenehme abendliche Kühle eines Sommertages. Und ein paar einfache Zutaten. Eine Flasche Rieslingsekt mit der Dosierung brut (null bis 15 Gramm Restzucker pro Liter) und eine Flasche Moselriesling der Prädikatsstufe Kabinett. Das sind Weine, die ihren aromatischen Zauber ihrem niedrigen Alkoholgehalt verdanken, der im Vergleich zu trockenem Wein bei rund acht Prozent liegt. Dafür bringt der Kabinett eine delikate Restsüße mit ins Spiel, die den Griff zum Zuckertopf überflüssig macht. Wein und Sekt sollten extrem kalt sein. Die Kristallkaraffe sollte zuvor zusätzlich in einer großen Schüssel mit Eiswürfeln gekühlt werden. Eine Kalte Ente schmeckt frisch am besten, das Getränk deshalb bitte erst unmittelbar vor dem Servieren mischen.

Die Zubereitung wird kaum Ansprüche an die feinmotorischen Fähigkeiten stellen. Nur beim Schälen der unbehandelten Zitrone sollte man sorgfältig sein, denn die Schale sollte eine makellose Spirale ergeben, hauchdünn und möglichst ohne weiße Anhaftungen. Diese Zitronenschale erst kurz vor dem Servieren in die Bowle hängen, damit der Aromatransfer der ätherischen Öle nur einen Hauch Zitrone ahnen lässt. Ob man zusätzlich noch Zucker verwendet, liegt im eigenen Ermessen. Eigentlich gibt es dafür keinen Grund, es sei denn, Wein und Sekt taugen nichts. Wer auf einen Riesling Kabinett von Fritz Haag aus Brauneberg (Telefon 0 65 34/4 10) zurückgreift und ihn mit einer Flasche Scharzhofberger Sekt von den Bischöflichen Weingütern in Trier (Telefon 06 51/14 57 60) verkuppelt, wird sich dreimal überlegen, ob für die Traumhochzeit auch nur ein Körnchen Zucker opportun ist.

Auch für die Konstruktion einer Bowle gilt: Less is more

Deshalb gilt das Motto der klassischen Moderne auch für die Konstruktion einer Bowle: Less is more. Erdbeeren zum Beispiel gehören aus unserer Sicht eher auf die Torte. Dort sehen sie besser aus und stören nicht beim Trinken. Zudem sei noch einmal an notorische Störenfriede wie Cocktailkirschen, Melonenstückchen oder Ananas erinnert. Wir persönlich setzen im Zweifel auf die Ausdruckskraft des feinen Weines und des kraftvollen Sektes. Was uns zusätzlich gefällt, sind alle Varianten von Kräutern, genauer gesagt Duftkräuter (also kein Schnittlauch oder Petersilie). Passend sind Zitronenmelisse, Verveine und Minze. Bei Letzterer aber nicht die aromatisch unklare nordafrikanische Minze, sondern die feinere ukrainische Minze, die Blackspearmint oder die Orangenminze.

Die Wahl der Weine ist ebenfalls wichtig. Beim Weißwein sind aromatische und säurebetonte Sorten wie Riesling gut geeignet, aber auch Muskateller oder Gewürztraminer, die sich in einer Bowle besonders gut darstellen können. Apfelwein und Cidre sind ebenfalls hervorragende Bowlenpartner. Beim Rotwein kommen nur Vertreter ohne jede Holznote in Betracht. Holz hat in einer guten Bowle nichts verloren. Beim Thema Rotwein nähern wir uns dem Stichwort Sangria - wobei wir es für geboten halten, sich an der schlanken andalusischen Variante zu versuchen und den Derivaten aus El Arenal nicht auf den Leim zu gehen. Es mag auf den ersten Blick desillusionierend erscheinen, aber von Pfirsichen ist da so wenig die Rede wie von Eimern oder Brandy. Denn es sei noch einmal daran erinnert: Der Siegeszug der Bowle basiert auf ihrer Eleganz.

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