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Samstag, 11. Februar 2012
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Rote Armee Fraktion Wirbel um Verbleib des Gehirns von RAF-Terroristin Meinhof

08.11.2002 ·  Das Gehirn der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof wurde 1976 entnommen und konserviert. Was damit weiter geschah, soll jetzt geklärt werden.

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Wo ist Ulrike Meinhofs Gehirn? Diese Frage wird 26 Jahre nach dem Tod der Terroristin der Roten Armee Fraktion (RAF) heiß diskutiert, weil ihre Tochter Bettina Röhl in der "Magdeburger Volksstimme" einen Beitrag veröffentlichte. Darin schrieb sie, das Organ liege in der Magdeburger Universitätsklinik in Formalin konserviert und befinde sich nicht wie von der Familie angenommen mit dem Leichnam in ihrem Berliner Grab. Die Universitätsklinik Magdeburg überprüft die Meldung.

Fest scheint jedoch zu stehen, dass das Organ 1976 entnommen und konserviert wurde. Der Magdeburger Universitätsrektor Klaus Pollmann will jetzt überprüfen, ob das Gehirn wie behauptet 1997 heimlich nach Magdeburg gebracht wurde. Auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart schaltete sich ein, denn Röhl hat zudem eine Strafanzeige wegen Störung der Totenruhe gegen die Gerichtsmediziner angekündigt.

Meinhof war führendes Mitglied der linken Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) und hatte sich 1976 im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim erhängt.

Psychiatrieprofessor soll das Gehirn besitzen

Nach dem von Röhl verfassten Bericht besitzt der Magdeburger Psychiatrieprofessor Bernhard Bogerts derzeit das in Formalin und einer Plastikumhüllung konservierte Gehirn, das in einen Pappkarton verpackt sei. Bogerts ist bis Dienstag zu Forschungszwecken in den USA und war am Freitag nicht zu erreichen. Er werde nach Rückkehr in der kommenden Woche erklären müssen, ob und in wessen Auftrag er das Hirn untersucht habe. „Wir können nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob sich das Organ in Magdeburg befindet, aber es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit“, sagte Pollmann.

Das Blatt berichtete, Bogerts verwende Meinhofs Gehirn zu einer vergleichenden Studie mit dem ebenfalls konservierten Gehirn eines Mannes, der 1913 mehrere Menschen ermordet hatte. Das Organ habe er 1997 von dem emeritierten Tübinger Rechtsmediziner Jürgen Pfeiffer erhalten, der 1976 von der Staatsanwaltschaft Stuttgart mit der Untersuchung beauftragt worden war.

Dem Artikel zufolge lagerte das Organ zwanzig Jahre lang in der Tübinger Rechtsmedizin. Pollmann sagte, die Klinikleitung kenne den Forschungsauftrag Bogerts nicht. Ob für die Weitergabe im Jahr 1997 eine Genehmigung der zuständigen Staatsanwaltschaft Stuttgart vorlag, wusste er ebenfalls nicht zu sagen.

Gab es eine Einverständniserklärung?

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Eckhard Maak, erklärte dazu, es werde nun geprüft, welche Anordnungen und Verfügungen damals getroffen worden seien. Es müsse auch geklärt werden, ob Einverständniserklärungen der Angehörigen oder der Toten vorlagen.

Röhl entrüstet sich, dass das Gehirn ihrer Mutter nicht - wie von den Angehörigen angenommen - mit dem Leichnam im Berliner Grab bestattet wurde. Laut Staatsanwaltschaft würden Präparate überlicherweise nach einer Sektion vernichtet. Nun stelle sich die Frage, was mit dem Gehirn weiter passiere. Das Ganze sei weniger ein Strafrechtsfall, sondern eher ein „neues Kapitel im alten Todesermittlungsverfahren.“

Dem Zeitungsbericht zufolge wurden bereits 1976 in dem Organ Veränderungen als Folge einer Tumoroperation aus dem Jahr 1962 festgestellt worden. Pfeiffer habe eine „Kausalität zwischen der Hirnveränderung und den realitätsverlustigen Terrorhandlungen“ festgestellt. Er habe damals die These aufgestellt, Ulrike Meinhof sei möglicherweise aus pathologischen Gründen schuldunfähig gewesen. Der Befund von 1976 mit dem Hinweis auf verminderte Schuldfähigkeit oder Unzurechnungsfähigkeit sei schon damals den Anwälten Meinhofs bekannt gewesen, aber offenbar aus politischen Motiven nicht thematisiert worden, schreibt die „Magdeburger Volksstimme“.

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