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Rosenkrieg Berlusconi: „Vergib mir, ich bitte dich!“

31.01.2007 ·  Sein Stolz hat ihrem Zorn nachgegeben: In „einem Akt der Liebe“ hat sich Silvio Berlusconi bei seiner Frau Veronica öffentlich für Avancen entschuldigt, die er anderen Frauen gemacht hat. Er kam damit ihrer in einer Zeitung abgedruckten Aufforderung nach.

Von Heinz-Joachim Fischer, Rom
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Die Menschen als solche sind Beziehungsexperten, die Italiener kraft ihres Rufes noch größere - und Veronica Lario ist eine ganz besondere Ehe-Fachfrau. Wegen ihres Mannes Silvio Berlusconi, der ein unterhaltsamer Mailänder Unternehmer war, dann zum Medien-Milliardär, dann zum italienischen Ministerpräsidenten wurde und nun Oppositionsführer der Mitte-rechts-Parteien ist. Interessanter kann es eine Frau in Italien kaum treffen. Aber würdiger, meinte Veronica, und beschloss, in einem öffentlichen Brief von Silvio öffentliche Entschuldigungen zu verlangen - und Berlusconi folgte schließlich der Aufforderung.

Wenn Veronica Lario, frühere Miriam Bertolini und von Beruf Schauspielerin, nicht Berlusconis Signora wäre, hätte keine Zeitung diesen Brief veröffentlicht. So aber darf Veronica in der „Repubblica“ auf der Seite eins in einem vierspaltigen Aufmacher mit Bild und ganzseitig in Großdruck auf der Seite vier einen handfesten Ehekrach kundtun und vor einem Millionen-Publikum Klage führen, dass Silvio ihre Würde verletzt habe. Sie wähle diesen Schritt, weil ihr Mann eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sei und ihr eine private Entschuldigung verweigere.

Seit 27 Jahren sind sie verbunden

Veronica weiß, dass alles in die Jahre kommt. Seit 27 Jahren sind sie verbunden, seit 17 verheiratet. Er ist 70 und kein bisschen weise, sie 50 und, das soll er begreifen, schön wie am ersten Tag. Warum Veronica gerade jetzt in den Krieg zieht, den Ministerpräsident Romano Prodi und die regierende Linkskoalition zu schätzen wissen, kann man vorerst nur ahnen. Vielleicht hatte ein letzter Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht. Schon vor knapp zwei Jahren ließ Veronica das Publikum in einem autobiographischen Buch („Tendenza Veronica“) an ihrem Eheglück und -unglück teilhaben. Und nun mehren sich die Berichte über den Charmeur. Am Wochenende sagte er bei einer Fernsehshow zu der jungen Abgeordneten Mara Carfagna von seiner Partei Forza Italia: „Mit Ihnen würde ich überall hingehen, selbst auf eine einsame Insel.“ Und er fügte hinzu: „Wenn ich nicht verheiratet wäre, würde ich Sie sofort heiraten!“

Sein Stolz gibt ihrem Zorn nach

Das konnte Veronica offenbar nicht auf sich sitzen lassen. Die „Repubblica“ wird als mächtige Bündnisgenossin - sie gehört Berlusconis Erzfeind Carlo De Benedetti - der fulminanten Eröffnungsschlacht weitere kriegerische Episoden folgen lassen.

Vielleicht rang sich Berlusconi nicht zuletzt deshalb tatsächlich eine öffentliche Entschuldigung ab, um die drohende mediale Schlammschlacht einzudämmen. „Vergib mir, ich bitte dich“, hieß es in der am Mittwoch von Berlusconi verbreiteten Entschuldigung an seine Frau Veronica Lario. Er wolle auf diese Weise öffentlich zeigen, dass sein Stolz ihrem Zorn in einem „Akt der Liebe“ nachgebe.

Silvios Berlusconis öffentliche Entschuldigung an seine Frau im Wortlaut:

Liebe Veronica,

hier ist meine Entschuldigung. Im Privaten habe ich mich dagegen gesträubt, weil ich zwar verspielt bin, aber auch stolz. Öffentlich herausgefordert, ist die Versuchung stark, Dir nachzugeben. Und ich widerstehe ihr nicht.

Wir sind schon ein ganzes Leben zusammen. Wir haben drei wundervolle Kinder, die Du auf das Leben vorbereitet hast mit der Fürsorge und liebevollen Strenge Deiner großartigen Persönlichkeit, die Du für mich immer gewesen bist vom ersten Moment an, in dem wir uns kennen gelernt und verliebt haben.

Wir haben mehr schöne Dinge zusammen getan, als wir beide in einer Zeit der Unruhe und Verzweiflung zuzugeben bereit sind. Aber diese wird enden, und sie wird süß enden wie alle wahren Geschichten.

Du weißt, dass meine Tage verrückt sind: Arbeit, Politik, Probleme, ständig in Bewegung und unter öffentlicher Beobachtung - ein Leben unter dauerndem Druck. Die ständige Verantwortung anderen und mir selbst gegenüber, selbst gegenüber einer im Verständnis wie im Unverständnis geliebten Frau, gegenüber all den Kindern - all dies macht eine gewisse Verantwortungslosigkeit möglich, die verspielt sein kann, selbstironisch und oft respektlos.

Aber Deine Würde hat damit nichts zu tun. Ich bewahre sie als etwas Wertvolles in meinem Herzen, selbst wenn mein Mund die gedankenlose Stichelei, die Galanterie, die Nebensächlichkeit des Augenblicks von sich gibt. Aber glaube mir, ich habe niemals einer anderen Person einen Heiratsantrag gemacht. Deshalb bitte ich Dich, vergib mir und nimm diese öffentliche Darlegung eines privaten Stolzes an, der sich als Akt der Liebe - nur einer von vielen - Deiner Wut beugt.

Einen großen Kuss,

Silvio

(Von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitete Übersetzung aus dem Italienischen)

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