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Roman Lob Unser Mann für Baku

 ·  Alles wie immer? Nicht ganz. Denn Roman Lob soll die neue Lena werden - und will doch ganz normal bleiben.

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Wenn er nach Hause kommt nach Neustadt (Wied) im Westerwald, wenn er seine alte Band im Probenraum trifft und daheim ist bei seiner Familie und den Freunden, die ihn davor bewahren werden, eines Tages abzuheben, dann ist sein Leben fast wie immer. Roman Lob muss zwar nicht mehr vor dem Morgengrauen aufstehen, um früh um sechs Uhr bei der Arbeit zu sein. Auch seiner Wohnung, seiner ersten eigenen, die er mit Jahresbeginn bezogen hat, ist anzumerken, dass er sie nur selten nutzt. „Sie ist noch sauber“, sagt Lob, selbst erstaunt. Ansonsten aber stellt der Einundzwanzigjährige fest: „Alles ist beim Alten.“ Und, wie zur Bekräftigung: „Alles ist wie früher.“

Das stimmt natürlich nur bedingt, denn Roman Lob ist „Unser Star für Baku“, und deshalb hat er gerade in einem Berliner Hotel seinen ersten Interviewmarathon hinter sich gebracht. Zwei Dutzend Gespräche in zwei Tagen, während draußen die Frühlingssonne scheint, zwischendrin eine Zigarette, ein paar tänzelnde Schritte, eine geträllerte Melodie. „Alles super“, sagt Roman Lob. Er wirkt entspannt.

Das Plattenlabel Universal und die Produktionsfirma Brainpool haben ein Künstlerhotel in Friedrichshain ausgesucht, das sich unprätentiös und originell präsentiert. Der „Whiskey Room“ ist durch die Holztüren eines antiken Schranks zu betreten. Lob hat es sich in einem ausladenden Chesterfield-Sessel bequem gemacht. Gelegentlich zieht er den linken Turnschuh auf die Sitzfläche hoch. Dann wieder schiebt er die rechte Hand in den Ausschnitt seines rostroten Kapuzenpullis.

Die samtigen Augen, das scheue Lächeln, die Basecap: Dieser Mann hat tatsächlich die freundliche Ausstrahlung, die ihn während der Casting-Show zum Sympathieträger gemacht und ins Finale getragen hat. Er besitzt nicht den Witz, nicht die Schlagfertigkeit, nicht den sprühenden Charme von Lena, die vor zwei Jahren bei derselben Gelegenheit ganz Deutschland um den Finger wickelte. Seine Antworten sind eher knapp. Trotzdem wirkt er nicht zugeknöpft.

„Man muss auch verlieren können“

Seine Sätze beginnen mit „man“, das zweithäufigste Wort ist „cool“. „Man“ ist aufgeregt, dass es im Mai zum „Eurovision Song Contest“ nach Baku geht, „man“ will sich etwas aufbauen, jetzt, da „man“ einen ersten Schritt ins Musikgeschäft geschafft hat, und falls „man“ es verhaut in Baku, dann muss „man“ sich sagen: Kopf hoch. Es geht weiter: „Man muss auch verlieren können.“

Es klingt, als könne da einer nicht fassen, dass er von sich selbst redet. Roman Lob ist doch eigentlich ein Normaler. Ein Familienmensch, der als Sohn einer Einzelhandelskauffrau und eines Industriekaufmanns mit einer älteren Schwester in Rott, einem Ortsteil von Neustadt (Wied), in Rheinland-Pfalz aufgewachsen ist. Ein durchschnittlicher Schüler mit besseren Noten in Musik und Sport und schlechteren in Mathe. Einer, der in der Klasse keine besondere Rolle hatte, außer dass er im weiteren Sinne zur Clique der Musiker gezählt wurde, weil er erst Klavier, dann Schlagzeug spielte und schließlich seine gefühlvolle Stimme und die Rolle des Sängers entdeckte.

Soul, Metal, Rockpop - „alles quer durch“

Bis heute hat er immer Musik auf dem Ohr, Soul, Metal, Rockpop, „alles quer durch“, im Auto, auf dem Fahrrad, beim Snowboarden. Nach der Mittleren Reife absolvierte Lob eine Ausbildung zum Industriemechaniker, weil es ihm Spaß macht, wenn eine kaputte Maschine bei Feierabend wieder läuft. Überhaupt: Bei allem, was er tue, stehe immer der Spaß im Vordergrund. Und wohin soll Baku ihn führen? In die Musikerkarriere? Da redet er sofort vom eigenen Häuschen und einer Familie. Keine Riesen-Villa, „die braucht kein Mensch“, sagt Lob. Hauptsache gemütlich, einen kleinen Garten, in dem die Kinder spielen können, vielleicht ein Pool. „Man träumt schon davon.“

„Cool“ wird er immer, wenn die Musik einsetzt, wenn er zu singen beginnt und die Aufregung weicht. „Cool“ ist für ihn auch der Hip-Hopper Thomas D, Jurypräsident des nationalen Song-Contest-Vorentscheids, mit dem er bis vor wenigen Tagen auf dessen Bauernhof - kurz „Mars“ genannt - sein erstes Album produziert hat. Von Thomas D hat er auch gelernt, dass ein Musiker „cool“ bleiben muss, weil Stress einen nicht weiterbringt, was kein Widerspruch zu Arbeit ist. Jetzt hofft er, dass auch das Publikum ihn „cool“ finden wird - das Album, seine Stimme, den Auftritt in Baku, die für Herbst geplante Konzert-Tournee. Er werde sich nicht verbiegen. Keine Chance, ihm einen Glitzeranzug anzudienen, wenn er lieber ein Holzfällerhemd tragen wolle. „Ich will ich selber bleiben.“

Nun gibt es viele junge Männer mit einer Vorliebe für Basecaps und Musik, die nicht über Nacht „unser Star“ genannt werden und sich auch nicht für solche Titel bewerben. Roman Lob hingegen hat es schon mit 16 Jahren in der Vorauswahl für „Deutschland sucht den Superstar“ unter die letzten 20 geschafft. Eine Kehlkopfentzündung vermasselte ihm dann die Teilnahme. Das Angebot, in der nächsten Staffel anzutreten, lehnte er ab, weil ihm Schulabschluss und Ausbildung wichtiger waren. „Ich bin lieber den sicheren Weg gegangen“, sagt er.

Snowboarden abseits der Pisten

Auch jetzt ist er dankbar, dass sein Arbeitgeber ihm versprochen hat, er könne jederzeit zurückkommen. Andererseits liebt er den Kick. Fahrradwettrennen downhill, Snowboarden abseits der Pisten. Was den Adrenalinschub angeht, empfindet er Singen vor Publikum ähnlich. Die Aufregung, ob alles klappt auf der Bühne. Das Gefühl, wenn man sieht, die Leute singen mit. „Man kann das schon vergleichen.“

Neben dem Mikrofon, das er sich vor einigen Jahren groß auf die Brust hat tätowieren lassen, steht: „Never fearful, always hopeful“ - niemals ängstlich, immer optimistisch. Roman Lob ist zu vorsichtig, um sich jetzt schon als großen Musiker zu bezeichnen. Aber er sagt: „Man muss an sich glauben.“ Und: „Je positiver ich denke, desto positiver wird das Leben.“ Er weiß, dass Baku seine große Chance ist. Er wird alles dafür tun, dass nicht alles beim Alten bleibt.

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Jahrgang 1971, freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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