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Rock-Festival : Endlich wieder Ring – und dann der Terror!

Gute Stimmung vor der Unterbrechung. Bild: dpa

Nach zwei Jahren im Exil findet Deutschlands größtes Musik-Festival wieder am namengebenden Nürburgring statt. Viele Fans sind erleichtert – aber am Abend muss das Open Air dann wegen Terrorgefahr abgebrochen werden.

          Viel los ist an diesem Freitagmorgen nicht gerade. Normales Vormittagsgeschäft. Keine langen Schlangen vor den beiden Kassen, kein Gedrängel am Gefrierregal. Andrea Thönnes kann ganz in Ruhe neue Tiefkühlware einsortieren. Das war vor einem Jahr noch ganz anders, da wurde der Lidl-Markt in Mendig förmlich überrannt. Mehr als 100.000 Rockfans strömten damals in die Kleinstadt in der Eifel, es herrschte drei Tage lang Ausnahmezustand. Vor allem in dem Discounter am Stadtrand. „Das war Chaos pur“, erinnert sich Thönnes und grinst. „Die sind hier mit Schubkarren und Bollerwagen in den Markt gekommen und haben alles leergekauft – das war wirklich irre.“ Es sei für sie und die Kollegen ein enormer Stress gewesen, sagt die Sechsundvierzigjährige. „Aber es war ein lustiges Völkchen, und wir haben viel gelacht. Schon schade, dass es damit vorbei ist.“

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwei Jahre hintereinander war in Mendig das größte deutschen Open-Air-Festival zu Gast, doch in diesem Jahr ist es in der 9000-Einwohner-Gemeinde wieder still. Sehr still. Die Musik spielt wieder am 35 Kilometer entfernten Ring, dort, wo der große Rock-Zirkus vor mehr als 30 Jahren von Veranstalter Marek Lieberberg zum ersten Mal aufgeführt und als „Rock am Ring“ im Lauf der Jahre zum populärsten und wichtigsten Konzert-Event in Deutschland wurde. So wie früher an jedem ersten Juni-Wochenende zieht die endlose Karawane der Fans nun wieder zum Nürburgring, der namengebenden Rennstrecke.

          Die Geschichte vom Auszug des Traditionsfestivals vom Nürburgring, seines Exils auf dem früheren Heeresflugplatz in Mendig und schließlich seiner Rückkehr an den Originalschauplatz ist eine Geschichte voller Irrungen und Wirrungen, eine Geschichte voller Wendungen und Überraschungen. Und es ist eine Geschichte, an deren Anfang es vor allem um Geld ging – wie bei so vielen großen Geschichten. In diesem Fall ging es um das Geld, das sich mit einem Open-Air-Festival wie „Rock am Ring“ verdienen lässt. Das ist nämlich inzwischen eine Menge, und davon wollten die damals neuen Besitzer des Nürburgrings, dessen Schicksal genug Stoff für viele weitere abenteuerliche Geschichten bietet, im Sommer 2014 plötzlich einen größeren Anteil haben. Doch Marek Lieberberg und sein Sohn Andre, die mit ihrem Großevent auf der legendären, aber unrentablen Rennstrecke und dem Parallel-Festival „Rock im Park“ in Nürnberg Jahr für Jahr die großen Stars der Rock- und Pop-Szene und zusammen rund 150.000 Zuschauer anlockten, sperrten sich und bekamen postwendend die Kündigung. Um mit dem Berliner Veranstalter Peter Schwenkow und seiner börsennotierten Deutschen Entertainment AG (Deag) ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen und Lieberberg die Namensrechte abzunehmen, zogen die Ring-Eigentümer schließlich sogar vor Gericht – und kassierten eine krachende Niederlage.

          Umjubelter Neubeginn

          Lieberberg präsentierte derweil nicht nur ein attraktives Programm für 2015, sondern auch einen neuen Veranstaltungsort mit einem Pachtvertrag über fünf Jahre: den Flugplatz in Mendig. Und er feierte dort mit einem schon Monate im Voraus ausverkauften „Rock am Ring“ einen von 100.000 Fans umjubelten Neubeginn, während die Ring-Besitzer und Schwenkow sich im Streit trennten und mit dem Versuch, ein eigenes Festival namens „Grüne Hölle“ auszurichten, kläglich scheiterten.

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