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Rock am Ring „Das ist wie eine Tournee hoch Hundert“

07.06.2008 ·  In der Eifel wird wieder gerockt. 85.000 Fans bevölkern an diesem Wochenende den Nürburgring, knapp 100 Bands stehen bei „Rock am Ring“ auf dem Programm. Karel Hamm ist der Produktionsmanager des Konzertmarathons in der Eifel. Peter Badenhop hat mit ihm gesprochen.

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In der Eifel wird wieder gerockt. 85.000 Fans bevölkern an diesem Wochenende den Nürburgring, knapp 100 Bands stehen bei „Rock am Ring“, dem größten Open-Air-Festival Europas, auf dem Programm. Zum Auftakt brachten „Rage Against The Maschine“ am Freitagabend die Massen zum Toben.

Seit Monaten ist „Rock am Ring“ ausverkauft. Das Festival ist erfolgreicher denn je. Karel Hamm (51) ist der Produktionsmanager des Konzertmarathons in der Eifel und kennt die Tücken einer solchen Mega-Veranstaltung.

Seit ein paar Minuten sind die ersten Bands auf der Bühne, lässt die Anspannung jetzt langsam nach?

Ja, ein wenig schon. Auch bei der Crew gibt es so etwas wie Lampenfieber. Und wenn es dann erst einmal läuft, dann wird man ein bisschen ruhiger.

„Das ist wie eine Tournee hoch Hundert“

Sie sind Organisationschef des größten Rock-Festival Europas. Ist das nicht ein Traumjob?

Na ja, es ist vor allem ein Job, bei dem man ständig unterwegs ist. Das Festival findet ja nur einmal im Jahr statt, den Rest bin ich mit Bands auf Tournee. Da kennt man kaum ein Zuhause und hat wenig Zeit für Freunde oder Familie. Das mag für Außenstehende wie ein Traumjob wirken, aber dafür muss man geboren sein. Ich bin seit mehr als 30 Jahren in diesem Geschäft, habe schon alles gemacht: Ton gemischt, Lichtdesign gemacht, Bühnenaufbau …

Und jetzt sind sie der Chef.

Ja, ich bin der Productionmanager.

Das müssen Sie erklären.

Also, ich koordiniere alles, was mit den Festivalablauf zu tun hat. Ich sorge dafür, dass alles ineinander spielt und die Zeitpläne eingehalten werden.

Haben Sie das Schlimmste hinter sich, wenn das Programm erstmal läuft?

Es gibt verschiedene Stressphasen. Die erste ist, wenn alle Wünsche und Anforderungen der Bands gesichtet und besprochen werden müssen. Das sind so die letzten zwei Monate vor Aufbau des Festivals, dann führe ich unendlich viele Telefonate und schreibe zahllose E-Mails, oft mitten in der Nacht, weil wir ja viele amerikanische Bands hier haben, und dann die Zeitverschiebung mitspielt. Die zweite Stressphase ist der Aufbau. Den Ring kennen wir ja gut - ich bin zum 16. Mal hier dabei. Aber der Ring hat auch seine eigene Dynamik, der verändert sich von Jahr zu Jahr: Ob das nun wie in diesem Jahr der Neubau der Haupttribüne direkt am Festivalgelände ist oder ob es in den zurückliegenden Jahren immer wieder Bauarbeiten an der Strecke waren, die die Planung erschwert haben. Oder wenn große Rennen wie die Formel 1 kurz vor oder kurz nach dem Festival stattfinden - auch das ist manchmal schwer unter einen Hut zu bekommen.

Wie lange dauert denn der Aufbau?

Normalerweise brauchen wir etwa eine Woche für alles: Bühnen, Absperrungen, Servicebereiche und solche Dinge. Diesmal haben wir am vergangenen Sonntag mit dem Ausmessen der Hauptbühne und dem Einfahren der Gerüstbau-Trucks begonnen. Abgebaut wird dann in zweieinhalb Tagen - wir haben es aber auch schon mal in anderthalb Tagen gemacht.

Reden wir über Zahlen.

Ja, das ist für Außenstehende kaum vorstellbar. Alles in allem brauchen wir zum Beispiel rund 500 Truck-Ladungen: Gerüste, Bühnen, Zelte, Absperrungen, Container - das muss ja alles transportiert werden. Für Auf- und Abbau beschäftigen wir etwa 400 Leute. Wenn man dann noch das Sicherheitspersonal dazu rechnet, kommen wir allein vom Produktionsteam her auf einen Tross von gut 1000 Mitarbeiter. Und da sind natürlich nicht die Bewirter drin, also Bierstände und Bratwurst- und Pizza-Buden, die gehen auch in die Hunderte. Auf der 60 Meter breiten Hauptbühne sind an jedem der drei Festivaltage ungefähr 200 Leute mit Umbauarbeiten beschäftigt. Nur für die Crew brauchen wir von Freitag bis Sonntag etwa 2600 Essen.

Pünktlich mit der ersten Band hat es am Freitagnachmittag begonnen zu regnen.

Ja, da gibt es nur eins: Augen zu und durch - und hoffen, dass alles hält.

Und hoffen, dass Campino von den „Toten Hosen“ am Sonntag nicht wieder während des Auftritts aufs Dach klettert …

Das macht Campino sowieso. Mindestens genauso wichtig ist die Sicherheit des Bühnenpersonals. Vor Jahren ist einmal ein furchtbares Gewitter niedergegangen und auch ein Blitz in die Trafostation eingeschlagen. Da war es für kurze Zeit tatsächlich dunkel. Aber „Supertramp“ konnten mit ein bisschen Verspätung dann doch noch auftreten. Richtig gefährlich wird es eigentlich nur bei Sturm. Also, wenn ein Orkan oder ein Tornado käme, dann müssten wir notfalls den Platz räumen. Aber eine solche Situation hatten wir noch nicht.

Was macht „Rock am Ring“ so herausfordernd?

Die Größe. Bei einer Tournee hat man eine oder zwei Bands, manchmal drei, die man Abend für Abend auf die Bühne bringt. Aber hier am Ring treten 100 Gruppen in drei Tagen auf. Das ist ein geballtes Zusammentreffen dessen, was man sonst über das ganze Jahr hat, an nur einem Wochenende. Das ist wie eine Tournee hoch Hundert.

Haben Sie überhaupt Zeit, sich auch mal eine Gruppe anzugucken?

Ab und zu mal ein paar Songs. Aber am meisten freue ich mich, wenn ich Leute wiedertreffe, die ich schon seit Jahren kenne, also andere Productionmanager und Crew-Mitglieder von Bands. Alte Freunde, denen man immer mal über den Weg läuft. Hier am Ring ist die Chance am größten, alte Freunde wieder zu sehen.

Die Fragen stellte Peter Badenhop.

Quelle: FAZ.NET
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