Home
http://www.faz.net/-gum-usqz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Rekordfahrt TGV stellt neuen Geschwindigkeitsrekord auf

Nie war ein Fahrzeug auf der Schiene schneller: Ein französischer TGV hat auf einer Fahrt von Straßburg nach Paris mit 574,8 Stundenkilometern einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Der Zug war eigens für den Rekordversuch umgebaut worden.

© dpa Vergrößern

Genau um 13.13 Uhr und 41 Sekunden war es geschafft: Mit 574,8 Stundenkilometern katapultierte ein französischer TGV am Dienstag den Weltrekord für Schienenfahrzeuge in eine bisher nur Magnetbahnen vorbehaltene Dimension. Der Hochgeschwindigkeitszug
überbot dabei den alten TGV-Rekord um fast 60 Kilometer pro Stunde. „Ich bin wirklich glücklich und stolz auf alles, was hier passiert ist“, sagte der Lok-Testpilot Eric Pieczac bei der Ankunft in Reims-Bezannes in der Champagne. „Der Druck war gewaltig. Wir durften keine Fehler machen. Doch alles lief glatt: Kein Vogel hat uns gestört, selbst das Wetter war gut.“

Staatspräsident Jacques Chirac beglückwünschte die Erbauer zu der „wunderbaren Demonstration der großartigen Kapazitäten Frankreichs im Bereich der Forschung und Entwicklung“. Die Leistung sei fantastisch. „Mit seiner wirtschaftlichen Leistungskraft und Umweltfreundlichkeit ist der TGV ein wesentliches Faustpfand, um die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung des Verkehrs anzunehmen“, sagte Chirac.

Mehr zum Thema

Fantastische Leistung

Zweieinhalb Stunden vor dem Rekordzug war ein normaler TGV die Strecke abgefahren, um alle Risiken auszuschließen. Brücken waren gesperrt worden und 100 Gendarmen überwachten den Abschnitt. Denn Zwischenfälle durfte es nicht geben: Jede Notbremsung wäre hoch riskant gewesen, und der normale Bremsweg nach Erreichen der Spitzengeschwindigkeit war länger als 15 Kilometer. Wo man an die Strecke herankam, hatten sich Schaulustige versammelt. Doch zum Klatschen blieb kaum Zeit, so schnell jagte der TGV vorbei.

tgv rekordfahrt © REUTERS Vergrößern Rekordfahrt: Der TGV V150 schaffte 574,8 km/h

Gut 30 Millionen Euro hatten der Hersteller Alstom, die Staatsbahn SNCF und der Netzbetreiber RFF in die Rekordfahrt investiert. Der Leistungsbeweis soll dem TGV gegen Konkurrenten wie den deutschen ICE einen Vorsprung auf dem heiß umkämpften Weltmarkt für Schnellbahnen verschaffen. Es geht um Milliardenaufträge für 6000 Züge in den kommenden 20 Jahren. Alstom-Chef Patrick Kron hatte Vertreter aus China, Brasilien und andere Kaufinteressenten zu der Rekordfahrt eingeladen. „Ich bin erleichtert“, sagte Kron. „Hochgeschwindigkeit hat überall Chancen. Doch man braucht einen langen Atem.“ Der ICE-Rekord liegt bei 406,9 Kilometern in der Stunde. Allerdings hält der ICE mit 403,7 Kilometern den Weltrekord für Serienzüge.

Vorsprung vor Konkurrenten

Die Alstom-Experten hatten 14 Monate an dem Rekordzug „V150“ (für zunächst angepeilte 150 Meter pro Sekunde oder 540 Km/h) gebaut. Sie verkleideten Ober- und Unterseiten und spannten Gummischürzen zwischen die Waggons, um den Luftwiderstand um 15 Prozent zu senken. Sie erhöhten den Durchmesser der Räder von 92 Zentimeter auf 1,092 Meter, um mehr Strecke pro Umdrehung zu schaffen. Und sie bauten zusätzliche Motoren ein: Sechs Antriebs-Drehgestelle sorgten für 19,6 Megawatt (26.650 PS) Leistung. Ein „normaler“ TGV kommt auf 9,3 MW.

Der 106 Meter lange und 268 Tonnen schwere V150 wurde für die Rekordfahrt mit 600 Sonden ausgestattet. 40 Techniker an Bord überwachten mit ihnen Daten von der Stromabnahme und Haftreibung über die dynamische Stabilität bis zu den Vibrationen. Damit sammelten sie wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung der künftigen TGV-
Generationen. Insgesamt umfasste der Zug zwei Triebköpfe sowie drei Duplex-Waggons. Einer war für die mitreisenden Gäste reserviert. Die beiden anderen waren als rollendes Testlabor konzipiert beziehungsweise mit Technik für künftige Zuggenerationen versehen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Radprofi Jens Voigt Spritzfahrt durch die Hölle

Die Hatz um den einst mythischen Stundenweltrekord war eingeschlafen, weil Hightech verboten war. Jetzt eröffnet Jens Voigt die neue Jagd und nutzt als Erster die Gunst der Stunde. Mehr

21.09.2014, 09:43 Uhr | Sport
Weltrekord im Maßkrugtragen

Wer schon einmal auch nur einen einzigen Maßkrug gestemmt hat, weiß, wie sehr das in die Arme gehen kann. Für seinen Rekordversuch hat sich Strümpfel das Volksfest Gillamoos im bayerischen Abensberg ausgesucht. Mehr

08.09.2014, 16:06 Uhr | Gesellschaft
Radsport Voigt rast mit Stunden-Weltrekord in die Rente

Auf seine alten Rennfahrertage stellt Jens Voigt als erster deutscher Radprofi einen Stundenweltrekord auf. Der 43-Jährige schafft 51,115 Kilometer. Kritiker sprechen von einem Äpfel- und Birnen-Vergleich. Mehr

18.09.2014, 20:04 Uhr | Sport
Rekordversuch mit 222 Fallschirmen

222 Fallschirm-Enthusiasten versuchen einen neuen Weltrekord aufzustellen. Über den Weiten Arizonas wollen sie während eines Sprunges zwei komplette Formationen in den Himmel zaubern. Mehr

01.04.2014, 11:47 Uhr | Gesellschaft
Weltrekordversuch Zwölftausend Höhenmeter im Treppenhaus

Christian Riedl will den Tower 185 hinauflaufen – immer wieder, zwölf Stunden lang. Hält er das durch, wäre es ein Weltrekord. Mehr

20.09.2014, 21:39 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.04.2007, 14:47 Uhr

Ulrich Tukur „Irgendetwas tickt bei mir nicht richtig“

Ulrich Tukur hat Angst vorm Psychiater, Prinz Harry trifft sich wieder mit Cressida und Lothar Matthäus führt bald die fünfte Frau vor den Traualtar – der Smalltalk. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden