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Reise nach Panama : Abseits des Papiers

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Die Grenze zwischen Arm und Reich verläuft in Calle 15

Conservatio hebt hervor, man wolle die Vielfalt der Gegend erhalten und die Menschen nicht vertreiben. Doch schon 300 Meter hinter dem American Trade Hotel verläuft die Grenze zwischen Arm und Reich, die Calle 15. Dort trägt keiner einen Panama-Hut für 20 Dollar und dazu eine helle Leinentunika – im Casco sind sie das Erkennungszeichen der Touristen. Hier trägt man Basecaps und Trikots des FC Barcelona. Auf den Straßen sammelt sich der Müll, der Putz bröckelt von den bunten Häusern. Wo einst auch Manuel Noriega zugange war, ist die kriminelle Aura geblieben. Eigentlich paradox, dass gerade in dieser Gegend alle Häuser vergittert sind.

„Wir Panamaer haben generell ein Faible dafür, uns einzuriegeln“, sagt Javier Reina auf dem Weg zum Panama-Kanal. Er leitet die Ausflüge von Ancon Expeditions, einem Reisevermittler für Ökotourismus. Die Tour durch den Kanal beginnt an den Miraflores-Locks, der größten Schleusenanlage auf der Pazifikseite. Am Morgen, bevor die Ebbe den Verkehr lähmt, ist am meisten los. Gerade wird ein Containerschiff durchgeschleust, an den Seiten ist weniger als eine Armlänge Platz. Anders als im „Schneider von Panama“ wird hier Maßarbeit geleistet.

Für naturverträglichen Tourismus: Tourleiter Javier Reina

Irgendwann ist aber auch damit Schluss. Die neuen Kreuzfahrtkolosse, Frachtschiffe und Flugzeugträger passen längst nicht mehr durch den vor mehr als 100 Jahren von den Amerikanern erbauten Kanal. Seit Jahren wird an der Erweiterung gebaut. Dieses Jahr soll sie zu Ende gebracht werden. Der 80 Kilometer lange Kanal hat sich als Abkürzung der gefährlichen Kap-Hoorn-Umschiffung längst bewährt. Die Expansion soll Geld ins Land fließen lassen und Arbeitsplätze schaffen. Schließlich ist der Kanal die Lebensader eines Landes, das so viele Einwohner wie Berlin hat und der Größe der Tschechischen Republik entspricht. Panama hatte die Wasserstraße lange nicht unter Kontrolle. Erst 1999 bekam die Republik den Kanal, das letzte Kolonialpfand, von den Amerikanern zurück.

Ein Krokodil im Kanal

Nicht nur an den Wasserwegen wird gebaut. Der Flughafen Tocumen soll expandieren, er bekommt ein neues Süd-Terminal. Und das Stadtbild wandelt sich: Immer neue Stahlträgerskelette sprießen in der ohnehin schon eindrucksvollen Skyline. Das Bankenzentrum im Steuerparadies floriert, der Handel ebenfalls. Mit jeder neuen Mall sind weniger Menschen auf den Straßen. Javier Reina, der Touristenführer, hält wenig vom schnellen Wachstum seiner Heimat: „Der Kommerz beschleunigt alles. Das macht das Leben stressiger und für die Einwohner zu teuer.“ Solange er, Vogel-Lexikon und Fernglas in der Hand, im größten Binnensee des Kanals, dem GatunSee, nach Vögeln Ausschau hält, ist die Welt für ihn in Ordnung. „Nirgends sonst gibt es eine so reichhaltige Flora und Fauna, weil unser Land Knotenpunkt zweier Ozeane und zweier Kontinente ist.“ In anderen Ländern, sagt man, schauen 20 Touristen auf einen Vogel, in Panama schaut ein Tourist auf 20 Vögel. Und wer hätte gedacht, dass mitten im Kanal ein Krokodil schwimmt!

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