17.06.2003 · Der Extrembergsteiger Reinhold Messner will am Nanga Parbat im Himalaya eine neue Suchaktion nach seinem verschollenen Bruder aufnehmen.
Der Extrembergsteiger Reinhold Messner hat angekündigt, am Fuß des 8126 Meter hohen Nanga Parbat eine neue Suchaktion nach seinem verschollenen Bruder aufzunehmen. Günther Messner war vor 33 Jahren, am 28. Juni 1970, auf dem Abstieg vom Nanga Parbat ums Leben gekommen, nachdem er mit Reinhold erstmals den Gipfel über die 4500 Meter hohe Rupal-Wand erreicht hatte. Messner will mit der Suche einer "Rufmordkampagne" gegen ihn entgegentreten.
In zwei Buchveröffentlichungen werfen die damaligen Expeditionsmitglieder Hans Saler ("Zwischen Licht und Schatten") und Max von Kienlin ("Die Überschreitung") ihm vor, Mitschuld am Tod seines Bruders zu tragen. Er habe sich unterhalb des Gipfels von dem körperlich geschwächten Günther getrennt, um als erster Bergsteiger eine Überschreitung des Nanga Parbat zu vollenden. Günther, so Saler und Kienlin, sei dann entweder während des Biwaks gestorben oder auf dem Weg abgestürzt, während Reinhold auf der anderen Seite des Berges über die Diamir-Flanke abstieg. Messner behauptet, er sei mit Günther auf der Diamir-Seite abgestiegen. Am Fuß der Wand sei Günther unter einer Eislawine verschüttet worden.
Metalldetektoren sollen helfen
Der Fund des Leichnams soll nun Klarheit bringen. "Ich werde meinen Bruder finden, und wenn es zwanzig Jahre dauert", sagte Messner dieser Zeitung. Helfen sollen dabei Metalldetektoren zur Ortung der Steigeisen, die sein Bruder trug. Da die Suche wegen der Schneebedingungen nur im Herbst sinnvoll sei, könne er sie wegen anderer Termine frühestens im nächsten Jahr beginnen. Die für 2004 geplante Wüstenexpedition werde er "eventuell absagen".
Schon vorher erhofft sich Messner Unterstützung durch den Slowenen Tomas Humar, einen der derzeit besten Bergsteiger, der im Sommer in jenem Gebiet klettern wird, in dem Günther Messner nach Salers und Kienlins Angaben verunglückt ist. "Er wird dort keine Spur von ihm finden, man wird ihn nie dort oben finden", sagt Messner. Mit den "Beleidigungen und Verunglimpfungen" wollen die einstigen Berggefährten nach Ansicht Messners einzig ihre Bücher verkaufen - mit Hilfe seiner Prominenz.
"Das hat mit Rache zu tun, und das hat mit meinem Namen zu tun. Keiner von ihnen war damals dabei, beide aber tun so, als wüßten sie Bescheid." Messner ist sich bewußt, daß auch diese Suchaktion wie jene des Jahres 1971 scheitern kann. "Aber irgendwann wird man ihn dort unten finden", sagte er. "Und sei es auch erst nach meinem Tod."