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Raumfahrt Zurück zum Mond

30.01.2009 ·  Amerika hatte den Plan einer abermaligen Mondfahrt lange vernachlässigt. Mittlerweile aber hat das Unternehmen klare Formen angenommen - im Jahr 2020 wollen Astronauten der Nasa wieder den Mond betreten.

Von Horst Rademacher, San Francisco
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Das Sternbild des Himmelsjägers Orion steht in dieser kalten Jahreszeit hoch am Nachthimmel. Seine drei Gürtelsterne sind schnurgerade aufgereiht – eine Ausnahme im sonst so chaotisch erscheinenden Sternhimmel. Vielleicht war gerade diese einfache Geometrie der Grund, warum die Nasa ihre neue Raumkapsel nach Orion benannte. Von vorne betrachtet, ähnelt die im Durchmesser fünf Meter große runde Kapsel mit ihren zwei ebenso großen seitlich angebrachten kreisförmigen Sonnenzellen tatsächlich dem Bild der drei Gürtelsterne. Im Langley-Forschungszentrum der amerikanischen Weltraumbehörde in Virginia wurden nun die ersten Prototyp-Komponenten von „Orion“ fertiggestellt und auf den Weg zum Cape Canaveral geschickt. Dort könnten sie schon im Sommer an der Spitze einer neuen „Ares I“-Rakete, die nach dem griechischen Gott des Krieges benannt ist, zu einem Testflug starten.

Knapp ein Jahr nach der Havarie der Raumfähre Columbia im Februar 2003 wies der damalige Präsident George W. Bush die Nasa an, zu neuen Ufern aufzubrechen. Astronauten sollten zum Mond und zum Mars fliegen. Aber im Gegensatz zu John F. Kennedy, der nach dem Sputnik-Schock Ende der fünfziger Jahre die bemannte Mondlandung innerhalb eines Jahrzehnts versprach, gab Bush der Nasa mehr Zeit. Erst in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts sollten Astronauten mit dem Sternenbanner auf ihren Raumanzügen wieder den Erdtrabanten betreten. Entsprechend langsam ist auch der Fortschritt bei der Entwicklung der neuen Hardware für diese Flüge, obwohl das neue Konzept auf dem Papier schon seit langem klare Formen angenommen hat.

Altbewährte Technik in neuem Gewand

Nach der Ausmusterung der drei Raumfähren wird die Nasa bei ihrer bemannten Raumfahrt auf altbewährte Technik in neuem Gewand zurückgreifen. Das Konzept „Constellation“ (Sternbild) besteht aus fünf Komponenten. Neben der Raumkapsel „Orion“ und der „Ares I“ wird es noch ein Mondlandegerät unter dem Namen „Altair“, eine bisher nicht benannte Rettungsrakete für Notfälle in der Startphase sowie eine Riesenrakete vom Typ „Ares V“ geben. Die römische Zahl dieser Rakete wurde in Anlehnung an jene „Saturn V“-Rakete gewählt, an deren Spitze vor 40 Jahren erstmals Menschen zum Mond flogen.

Mit ihren 116 Metern ist „Ares V“ um sechs Meter länger als ihr von Wernher von Braun entworfenes älteres Vorbild. Die neue Rakete besteht aus einer Reihe von Komponenten. Die erste Stufe hat sechs Triebwerke, in denen wie in den drei Haupttriebwerken der Raumfähren flüssiger Wasserstoff und flüssiger Sauerstoff verbrannt werden. Diese Grundstufe erhält zusätzlichen Schub von zwei außen angebrachten Feststoffraketen, die aus dem Shuttle-Programm stammen. Oberhalb der ersten Stufe befindet sich ein weiterer Raketenmotor, an dessen Spitze das Mondlandegerät „Altair“ angebracht ist.

Rendezvous-Manöver im Weltraum

Nach den bisherigen Vorstellungen könnte ein Mondflug folgendermaßen ablaufen: Zunächst bringt die Grundstufe einer „Ares V“ den Motor mit „Altair“ in einen Transferorbit. Wenn das Manöver geglückt ist, startet eine „Ares I“, welche die bemannte „Orion“-Kapsel an ihrer Spitze in den gleichen Orbit befördert. In einem Rendezvous-Manöver werden die Raumschiffe zusammengekoppelt. Anschließend zündet der Raketenmotor und bringt „Orion“ samt „Altair“ auf den Weg zum Mond. Dort schwenkt das Gespann zunächst in eine Umlaufbahn ein. Ähnlich wie bei Apollo steigen die Astronauten dann in das Landegerät um, das anschließend auf der Mondoberfläche aufsetzt. Am Ende der Mission startet das Landegerät in eine Mondumlaufbahn und koppelt wieder an „Orion“ an. Nachdem die Astronauten umgestiegen sind, trennen sich die beiden Raumschiffe, und die Kapsel kehrt zur Erde zurück, wo sie – wie einst Apollo – auf einem Hitzeschild durch die Atmosphäre reitet und im Pazifik landet.

Bevor es aber zu einer solchen Mission kommt, werden die beiden Raketen bei anderen Einsätzen ihre Zuverlässigkeit beweisen müssen. „Orion“ ist nämlich auch in der Lage, an die Raumstation anzukoppeln. Wenn alles nach Plan verläuft, könnten schon 2015 die ersten sechs Astronauten an der Spitze einer „Ares I“-Rakete an Bord von „Orion“ zur ISS fliegen. Raketen vom Typ „Ares V“ werden unterdessen in mehreren Flügen jeweils bis zu 188 Tonnen Last zur Raumstation oder in niedrige Erdumlaufbahnen befördern.

Fludauer von etwa einer Woche

Obwohl „Orion“ äußerlich viel Ähnlichkeit mit den Apollo-Kapseln hat, ist das neue Raumschiff wesentlich größer. Während Apollo drei Astronauten sehr engen Platz bot, können sich bis zu sechs Raumfahrer im „Orion“ bequem einrichten. Für den etwa eine Woche dauernden Flug zum Mond wird die Kapsel sogar nur mit vier Astronauten besetzt sein. Als Konsequenz aus der Havarie der Raumfähre Challenger im Jahre 1986 wird „Orion“ an seiner Spitze über eine Rettungsrakete verfügen. Sie ist nur während der ersten Minuten nach dem Start einer „Ares I“ betriebsbereit. Sollte es zu Problemen mit der Trägerrakete kommen, werden „Orion“ und die Rettungsrakete abgesprengt. Die kleinen Triebwerke der Rettungsrakete bringen die Astronauten dann in Sicherheit.

Ähnlichkeiten zwischen „Constellation“ und Apollo gibt es nicht nur im Grundkonzept. Im Gegensatz zum Space Shuttle werden nur drei Komponenten von „Constellation“ wiederverwendbar sein, nämlich die Feststoffraketen. Bis auf die „Orion“-Kapsel – und ihre Besatzung – wird keines der bei dem Flug und der Landung eingesetzten Geräte intakt zur Erde zurückkehren. Was nicht in der Erdatmosphäre verbrennt, bleibt entweder im Staub der Mondoberfläche zurück oder wird als Satellit den Mond jahrelang umkreisen.

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Jahrgang 1954, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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