Noch bevor in China der Tag anbrach, hatte der Raketenschweif des Raumschiffs Shenzhou-8 kurzzeitig den Himmel über der Inneren Mongolei erleuchtet. Das chinesische Fernsehen zeigte Live-Bilder des störungsfreien Starts um 5.58 Uhr Ortszeit. Wenige Minuten später erklärte der Oberbefehlshaber des chinesischen Raumfahrtprogramms, General Chang Wanquan, den Beginn der Mission für erfolgreich. Der Flug in unendliche Weiten wurde auch in Deutschland, wo es wegen der Zeitverschiebung noch Montagabend war, als Premiere gefeiert. Denn zum ersten Mal hat sich das chinesische Raumfahrtprogramm ein wenig für ein anderes Land geöffnet.
Der Kooperationspartner ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das die „Simbox“-Experimentapparatur zur Verfügung stellt. Das unbemannte Raumschiff Shenzhou-8 („magisches“ oder „göttliches“ Schiff), das mit einer Rakete vom Typ „Langer Marsch“ ins All geschossen wurde, soll aber erst einmal den wichtigsten Teil seiner Mission erfüllen. Wenn alles gut geht, wird sie zwei Tage nach dem Start automatisch an das Weltraummodul Tiangong-1 („Himmelspalast“) andocken, das am 29. September in seine Umlaufbahn geschossen worden war. Dieses Manöver wäre ein wichtiger Schritt zum Ziel der jungen Raumfahrernation China, aus solchen Modulen eine eigene Raumstation im All zu bauen.
Deutsche Technologie für Experimente
Die Sprecherin der chinesischen Raumfahrtbehörde Wu Ping bezeichnete das Manöver, das bislang nur von russischen und europäischen Raumschiffen beherrscht wird, als schwierig und riskant. Sollte alles gut gehen, wird das Raumschiff nach etwa 17 Tagen wieder von dem Modul abgekoppelt und landet mit einem Fallschirm schließlich in einem Gebiet in der Grassteppe der Inneren Mongolei. Vor der Rückkehr sollen allerdings noch mit Hilfe der deutschen Versuchsapparatur, einer Kombination aus Brutschrank und Zentrifuge, insgesamt 17 biologische und medizinische Experimente durchgeführt werden.
In den 40 Forschungscontainern, die jeweils die Größe einer Zigarettenschachtel haben, wird mit menschlichen Zellen, Augentierchen und Pflanzen experimentiert. An den Forschungen sind sieben deutsche Universitäten beteiligt. Sie werden zum Beispiel mit Hilfe der Zellen die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das Immunsystem des Menschen untersuchen. An der Ackerschmalwand, auch Gänserauke genannt, soll sich zeigen, wie sich die Schwerelosigkeit auf das Wachstum von Pflanzen auswirkt. Außerdem wurde ein kleines künstliches Ökosystem aus Algen und Schnecken mit ins All geschickt.
„Pilotprojekt für wissenschaftliche Kooperation“
Die Deutschen sehen die Mission vor allem als Pilotprojekt für weitere wissenschaftliche Kooperationen mit den ehrgeizigen chinesischen Raumfahrern. Wu Ping spricht von der „großen Bedeutung“, die das Projekt für die Erforschung der Schwerelosigkeit und der Zusammenarbeit Chinas mit anderen Nationen bei der „friedlichen Nutzung des Weltraums“ habe.
Schon im kommenden Jahr wollen die Chinesen ein bemanntes Raumschiff zu dem kleinen „Himmelspalast“ schicken, damit die Taikonauten das Modul als Raumlabor in Betrieb nehmen können. Das Ziel lautet, im Jahr 2020 eine große Station für sechs Raumfahrer zu haben. Da im gleichen Jahr die Betriebszeit der internationalen Raumstation ausläuft, könnte China dann die einzige Nation mit einer eigenen permanenten Raumstation sein.