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Raumfahrt Bush will Astronauten auf den Mars schicken

15.01.2004 ·  Während die amerikanische Marssonde „Spirit“ ihre erfolgreiche Mission auf dem roten Planeten fortsetzt, spricht Präsident Bush von ehrgeizigen Plänen für eine Station auf dem Mond und einem bemannten Flug zum Mars. Die Russen wollen mit einem eigenen Programm dagegenhalten.

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Der amerikanische Präsident George W. Bush hat seine Pläne für eine Rückkehr der Vereinigten Staaten zum Mond sowie einen bemannten Flug zum Mars vorgestellt. Die Initiative war bereits vor der offiziellen Vorstellung auf massive Vorbehalte gestoßen. Herausgefordert fühlte sich offenbar Rußland. Nach der Bush-Rede sprach sich der Vizechef der russischen Raumfahrtagentur für die Wiederaufnahme seiner Programme zur Erforschung von Mond und Mars aus. Bis Ende des Jahres werde Rußland seine Raumfahrtpläne für den Zeitraum bis 2015 ausarbeiten, sagte Nikolai Moissejew am Donnerstag.

Knapp ein Jahr nach dem Absturz der Raumfähre „Columbia", bei dem alle sieben Astronauten an Bord starben, stellte Bush eine Mondbasis in Aussicht sowie „neue Reisen zu den Welten außerhalb unserer eigenen". Es werde eine Reise sein und kein Wettlauf. Der Präsident lud andere Nationen ein, sich an dem Vorhaben zu beteiligen. „Wir werden neue Raumschiffe bauen, die den Menschen weiter ins Universum bringen werden", sagte Bush am Hauptsitz der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa in Washington.

„Der Mars und die Welten dahinter“

Vom Mond aus könnten dann in späteren Jahren „der Mars und Welten dahinter“ erkundet werden. Bush betonte, mit seiner Initiative wolle er der Raumfahrtbehörde Nasa wieder eine klare Aufgabe und ein Ziel geben. Zuletzt waren Amerikaner im Jahr 1972 auf dem Mond. In seiner Rede verwies der Präsident darauf, daß sich die Raumfahrt in den vergangenen 30 Jahren stark auf den erdnahen Orbit beschränkt habe. „In den vergangenen 30 Jahren hat kein Mensch eine andere Welt betreten oder sich weiter als 386 Meilen (620 Kilometer) ins All gewagt - das ist in etwa die Entfernung zwischen Washington und Boston“. Amerika habe seit fast einem Viertel Jahrhundert kein neues Raumschiff für Astronauten entwickelt. „Es ist an der Zeit für Amerika, die nächsten Schritte zu unternehmen“, forderte der Präsident.

Bush versicherte den internationalen Partnern zugleich, die Vereinigten Staaten würden ihre Verpflichtung einhalten und an der Fertigstellung der Raumstation ISS bis zum Jahr 2010 festhalten. Bis zum Jahr 2008 wollen die Vereinigten Staaten einen Nachfolger für die Jahrzehnte alten Shuttles entwickeln, mit denen Astronauten dann nicht nur die Raumstation sondern vom Jahr 2015 an auch den Mond und andere Welten erreichen könnten. Die verbleibenden Raumfähren sollen Ende des Jahrzehnts nach 30 Jahren pensioniert werden.

Zwölf Milliarden Dollar zusätzliche Investitionen

Die Kosten für das ehrgeizige Projekt bezeichnete Bush als erschwinglich. Das Weiße Haus schätzte die Kosten in den kommenden fünf Jahre auf zwölf Milliarden Dollar. Elf Milliarden Dollar davon könnten durch eine Umstrukturierung des bisherigen Raumfahrtprogramms bereit gestellt werden. Eine weitere Milliarde wolle Bush vom Kongreß anfordern.

Doch nicht nur Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, sondern auch Konservative haben das Programm als nicht finanzierbar bezeichnet. „Für mich ist das finanziell einfach völlig absurd", sagte etwa der Präsident des einflussreichen konservativen Klubs für Wachstum, Stephen Moore. „Bush gibt Geld aus, als ob wir es wie Heu hätten, und das haben wir nicht.“ Nasa-Chef Sean O'Keefe verglich die Kosten des Programms für den durchschnittlichen Steuerzahler dagegen mit dem Preis für einen Monat Kabelfernsehen. Regierungsvertreter sprachen von 55 bis 60 Dollar pro Steuerzahler pro Jahr.

Pläne der Esa

Deutschland soll sich nach Ansicht der Deutschen Mars Society an den Vorbereitungen für bemannte Raumfahrt-Missionen beteiligen. „Diese Projekte sind eine Antriebsfeder für Forschung und Wirtschaft“, sagte der Vorsitzende Markus Landgraf in Darmstadt. Falls sich Deutschland weiterhin nicht an dem Mars-Projekt „Aurora“ der Europäischen Weltraumagentur Esa beteilige, könnten deutsche Forschungsinstitute und Unternehmen von der Entwicklung ausgeschlossen werden.

Landgraf bedauerte, daß sich die Europäer nur zögerlich für ihr 2001 ins Leben gerufenes Marsprojekt „Aurora“ einsetzten, mit dem bis 2030 die ersten Astronauten auf dem roten Planeten landen sollen. Damit sei ein Vorsprung vor den Amerikanern verspielt worden. „Wir waren bislang die einzigen, die Pläne für eine bemannte Mission zum Mars hatten, jetzt kann die Nasa mit Rückendeckung des Präsidenten Georg W. Bush voll durchstarten.“

Die europäische Raumagentur Esa begrüßte das ehrgeizige Weltraumprogramm und erklärte Europas Bereitschaft zur Teilnahme an Expeditionen zu Mond und Mars. Die Ankündigung sei eine „große und gute Nachricht“ und belege das weltweit wachsende Interesse an der Raumfahrt, sagte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain am Donnerstag in Paris. Er setze dabei trotz deren derzeitiger Haushaltsprobleme auf eine Beteiligung Deutschlands und Frankreichs. Deutschland etwa könne sich nach seinem Einsatz für die Internationale Raumstation ISS nicht von den Nachfolge-Programmen abwenden, betonte Dordain.

„Sehr, sehr schwierig“

Nach Einschätzung von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) liegt die Zukunft der Raumfahrt in unbemannten Missionen. Die Investitionen für unbemannte Expeditionen im Orbit beförderten die Entwicklung zumeist neuer Robotertechniken, die sich auf der Erde sinnvoll einsetzen ließen. Bemannte Missionen seien dagegen um ein Vielfaches teurer und riskanter, betonte die Ministerin.

Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Sigmar Wittig, sagte, für technisch ausgeschlossen halte er eine Mission zum Mars nicht, es sei aber „sehr, sehr schwierig“ und noch ein „langer Weg“. Nach seinen Schätzungen koste ein derartiges Unternehmen „dreistellige Milliardenbeträge“.

Der Sprecher des Moskauer Kosmosforschungsinstituts, dem Flaggschiff der russischen Raumfahrtforschung, übte scharfe Kritik an den amerikanischen Plänen. „Selbst für das wohlhabende Amerika ist eine Expedition zum Mars, wenn es denn überhaupt dazu kommt, nicht mehr als eine teure Show“, sagte er. Sowohl in wissenschaftlicher als auch in praktischer Hinsicht werde eine Mars-Mission „genau so wenig prinzipiell Neues bringen wie die Flüge des Menschen zum Mond“.

„Spirit“ nimmt Anlauf

Unterdessen liefen letzte Vorbereitungen für die erste Erkundungstour des Roboters „Spirit“ auf dem Roten Planeten. Nach den Nasa-Plänen sollte der Rover am Donnerstagmorgen (8.30 Uhr MEZ) von seinem Landefahrzeug auf den Marsboden rollen und sich dann auf den Weg zu einem kleinen Krater machen, um dort Gestein auf Spuren von Leben hin zu untersuchen.

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