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Raf-Simons-Debüt bei Dior Großer Glanz für Paris

Beim Prêt-à-porter kämpfen die beiden Marken Dior und Yves Saint Laurent mit Designer-Debüts um Aufmerksamkeit. Die Konkurrenz belebt das Design.

© dapd Vergrößern Ein Kleid des Designers Raf Simmons

Raf Simons lässt Smokings sprechen. Ja, das können Smokings, wenn auch nur an diesem herrlichen Frühherbst-Freitagnachmittag in Paris, in einem großen weißen Zelt gleich neben dem Invalidendom, im Schatten Napoleons sozusagen. Da lässt der Modemacher gleich zu Beginn seines Prêt-à-porter-Debüts für Dior ein paar perfekte Smokings auftreten. Sie sprechen mehr zu uns als zum Beispiel Rapper Kanye West, der nach der fulminanten Schau nur diesen Kommentar übrig hat: „I don´t do press.“

Man muss ausholen, um zu verstehen, was die Tuxedos sagen wollen. Denn sie antworten auf eine alte Geschichte, die natürlich mit Christian Dior begann, der die Mode nach dem Krieg mit dem schwelgerischen „New Look“ in andere Sphären führte. Dior starb viel zu früh. Nachfolger wurde sein junger Assistent Yves Saint Laurent, der wieder Begeisterung entfachte, aber schnell hinausgeworfen wurde und seine eigene Marke gründete – schon um dem Dior-Designer Marc Bohan zu zeigen, was eine Nadel ist.

Paris Fashion Dior © dapd Vergrößern Im Hintergrund (links) schaut Kanye West dem Dior-Model nach.

Heute finden die Sticheleien zwischen den beiden Top-Marken auf einer ganz anderen Ebene statt – und auch das werden uns die Smokings noch erklären. Denn ausgerechnet die beiden Modehäuser, die in der jetzt stattfindenden Prêt-à-porter-Woche die Premiere eines neuen Designers feiern, gehören den beiden größten und größtmöglich konkurrierenden Luxuskonzernen an. Yves Saint Laurent, wo nach dem Abschied des Meisters zuletzt Stefano Pilati Designer war, ist im PPR-Konzern (zu dem auch Gucci, Bottega Veneta, Stella McCartney, Alexander McQueen gehören). Und Dior, wo John Galliano Chefdesigner war, bis zum Skandal Anfang 2011 („I love Hitler“), ist mit Marken wie Louis Vuitton, Givenchy, Pucci und Fendi im Reich von LVMH, in dem die Sonne nicht untergeht.

Am Freitagnachmittag sollte also nicht nur die Hälfte der Frage beantwortet werden, wer nun der stärkere Modemacher ist: Raf Simons, der nach einem soliden Couture-Debüt im Juli erstmals beim Prêt-à-porter für Dior antritt? Oder Hedi Slimane, der am Montagabend erstmals den Nachnachnachfolger für Yves Saint Laurent geben wird?

People wait outside a temporary venue near the Invalides dome before the Spring/Summer 2013 women's ready-to-wear fashion show for French house Dior during Paris fashion week © REUTERS Vergrößern Das große weiße Dior-Zelt gleich neben dem Invalidendom

Nein, hier geht es eben auch darum, ob nun PPR-Chef François-Henri Pinault mehr Aufregung hervorruft als LVMH-Chef Bernard Arnault, den sein Luxuskonzern zum reichsten Mann Frankreichs gemacht hat. Es geht also bei diesem Kampf der Giganten um Image-Arbeit, Aufmerksamkeit, Medienpräsenz – und Marktanteile.

Der Druck ist gewachsen wie die Luxusbranche. Arnault brauchte ein geschlagenes Jahr, um den Galliano-Nachfolger zu finden. Und Pinault gestand Hedi Slimane, der einst als Dior-Homme-Designer zum LVMH-Reich gehörte, wirklich alles zu. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Der neue Yves-Saint-Laurent-Designer hat sein Designstudio in Los Angeles. Und er hat durchgesetzt, dass das legendäre Markenkürzel YSL in SLP (Saint Laurent Paris) umbenannt wird. Die gesamte Modeszene lacht über diesen epochalen Hochmut.

A model presents a creation by Belgian designer Raf Simons as part of his Spring/Summer 2013 women's ready-to-wear fashion show for French house Dior during Paris fashion week © REUTERS Vergrößern Weiß und schlicht: das Kleid von Raf Simons für den nächsten Frühling.

Hedi Slimane wird es am Montag also schwer haben. Denn die übergroße Selbstgewissheit dieses Designers, der bisher nur Herrenmode gemacht hat, steht im Gegensatz zur angenehmen Zurückhaltung von Raf Simons, der nach der Schau backstage schnell vor dem Ansturm flüchtet. Plötzlich steht er ganz allein in den Kulissen. Wie er sich nun fühlt? „Erleichtert.“ Zufrieden? „Ja.“ Alle Antworten ohne Ausrufezeichen.

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