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Veröffentlicht: 17.03.2008, 13:50 Uhr

Rätsel um Saint-Exupéry gelöst? „Ich bedauere es zutiefst, den verehrten Autor getötet zu haben“

Der französische Schriftsteller und Kampfflieger, Antoine de Saint-Exupéry, gilt seit 1944 als verschollen. Nun scheint das Rätsel gelöst: Horst Rippert, früherer ZDF-Reporter, erzählt im F.A.Z.-Interview, er habe den Autor abgeschossen.

© AFP Gilt seit 1944 als verschollen: Schriftsteller und Kampfflieger Antoine de Saint-Exupéry

Der 85 Jahre alte Horst Rippert, lange Sportreporter beim ZDF, bekennt, 1944 den Autor des „kleinen Prinzen“ und Flieger Antoine de Saint-Exupéry abgeschossen zu haben.

Herr Rippert, die Autoren Luc Vanrell und Jacques Pradel, deren Buch jetzt in Frankreich erscheint, und die Deutschen Lino von Gartzen und Claas Triebel, deren Buch im Oktober herauskommt, behaupten, Sie hätten Antoine de Saint-Exupéry abgeschossen. Stimmt's?
Ich war Jagdflieger und hatte den Auftrag, einen Aufklärungsflug im Gebiet über Toulon zu machen. Da habe ich dann ein Flugzeug gesehen und an der Kokarde erkannt, dass es feindlich war. Ich habe es verfolgt und abgeschossen.

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Haben Sie immer sofort Jagd auf feindliche Flugzeuge gemacht?
Na klar, sofort.

Aus was für einer Entfernung haben Sie ihn abgeschossen?
Vielleicht 200 Meter. Aber ich konnte natürlich weder durch meine Glasscheibe der Kabine noch durch dessen Glasscheibe sehen, dass es mein Freund Exupéry war. Man sieht da nichts.

saint-exupery im mantel © AFP Vergrößern Weltberühmt wurde er durch sein Werk „Der kleine Prinz”

Ihr Freund? Sie hatten damals von ihm schon Bücher gelesen?
Alle. Er war einer meiner Favoriten. Weil er auch so viel über die Fliegerei geschrieben hat.

Und das alles geschah südlich von Marseille über dem Meer?
Südöstlich.

Sie waren Mitglied der nur wenige Monate existierenden Jagdgruppe 200. Wo waren Sie damals stationiert?
In Marignane bei Marseille. Von dort war ich losgeflogen.

Am 31. Juli 1944 werden viele Luftkämpfe stattgefunden haben. Wann haben Sie erfahren, dass er es war?
Nach Kriegsende. Da hieß es, an dem Tag ist er um die Zeit abgeschossen worden. Aber ich konnte natürlich nicht beweisen, dass ich es war. Ich dachte nur: traurig, traurig, traurig. Ich bedauere zutiefst, den von mir sehr verehrten Autor getötet zu haben.

Wie viele Abschüsse hatten Sie?
28. Ich habe das Ritterkreuz und das Deutsche Kreuz.

Wie haben Sie es geschafft, selbst nicht abgeschossen zu werden?
Ich bin selbst auch zweimal abgeschossen worden. Einmal bin ich mit dem Fallschirm ausgestiegen, einmal in Südfrankreich per Wasserlandung.

Behält man bei so vielen Abschüssen eigentlich den Überblick? Haben Sie jeweils notiert, wann und wo das geschah?
Das musste ich natürlich angeben. Über Funk haben wir das der Bodenstelle gemeldet: „Das und das Flugzeug habe ich getroffen, jetzt fällt er runter, patsch.“ Aber doch nicht, wer drinsitzt!

Haben Sie sich auch privat notiert, wenn Sie jemanden abgeschossen hatten?
Nein, das habe ich nur durchgegeben.

Im Jahr 2000 wurden im Meer Flugzeugreste gefunden, die im Jahr 2004 eindeutig als Reste von Saint-Exupérys Flugzeug identifiziert wurden. Da wurde Ihnen der Zusammenhang vollends klar?
Ja.

In was für einem Flugzeug saßen Sie?
Messerschmitt 109. Sehr wendig, sehr gut.

Im Internet heißt es, Sie seien damals nur Obergefreiter gewesen, weil Sie jüdischer Herkunft waren.
Quatsch! Eine Großmutter war jüdisch. Aber keiner hat sich darum gekümmert, dass ich nur drei von vier Nachweisen hatte.

Sind Sie dann noch befördert worden?
Ja, am Ende war ich Leutnant.

Wie lange waren Sie denn noch Flieger?
Bis zum Schluss.

Das Jagdgeschwader 27, dem Sie später angehörten, kämpfte an allen Fronten. Wo waren Sie noch eingesetzt?
Nur in Frankreich, anderthalb Jahre lang, auch in Avignon und Orange. Vorher, seit 1941, war ich in Deutschland zur Ausbildung.

Und nach dem Krieg?
Habe ich erst mal studiert. Dann wurde ich Journalist, habe das NDR-Fernsehen mit aufgebaut, bin vom Intendanten Karl Holzammer zum ZDF geholt worden, wo ich der erste Angestellte war und lange als Sportreporter gearbeitet habe.

Sie waren erst vor kurzem in der Presse, weil Sie der Bruder des am 27. Februar gestorbenen Sängers Ivan Rebroff sind. Stimmt es, dass Sie nicht wissen, wo und wann er beerdigt wird?
Ja. Einer meiner Söhne ist Anwalt und kümmert sich darum im Kontakt mit öffentlichen Stellen.

Wie war denn das Verhältnis zu Ihrem Bruder zum Schluss?
Er war im vorigen Jahr noch bei meinem Geburtstag. Das war eine Freude bis dort hinaus.

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