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Putztrupp im Himalaya „Der Everest muss sauberer werden“

 ·  Der Bergsteiger Paul Thelen will am höchsten Berg der Welt zwei Monate lang Müll sammeln. Im Interview spricht er über schmutzige Berge, sauberes Recycling und Reinhold Messner.

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© Eberhard Schaaf Everest-Training: Paul Thelen 2009 am Mount McKinley in Alaska.

Herr Thelen, Sie haben sich gemeinsam mit Eberhard Schaaf der „Eco Everest Expedition“ angeschlossen. Wie kam es dazu?

Wenn man den Everest besteigen will, bedient man sich meist der großen Agenturen. Bei der Auswahl sind wir auf „Asian-Trekking“ gestoßen, die sich auch für die Umwelt einsetzt. Seit 2008 organisieren die auch die „Eco Everest Expedition“. Die Leiter der Agentur habe ich schon kennengelernt, als wir Trekking-Touren zum Everest-Basislager geführt habe. Man geht da in zehn Tagen von 2800 Metern, da liegt der Flughafen Lukla, zum Basis-Camp auf 5400 Meter.

Welches Ziel wird für Sie im Vordergrund stehen? Den Berg zu besteigen oder auf den Müll hinzuweisen?

Das oberste Ziel ist es, den Berg zu besteigen. Daneben wollen wir einen kleinen Beitrag zur Sauberkeit leisten und auf Umweltprobleme hinzuweisen. Weil der Gletscher abschmilzt, kommt der Müll jetzt an die Oberfläche. Nach der Tour wollen wir darauf in Vorträgen hinweisen, etwa vor Schülern.

Wie kommt der Öko-Aspekt in der Expedition zum Tragen?

Wir benutzen erneuerbare Energien beim Aufstieg. Für alles, was Strom benötigt, zum Beispiel die Kommunikation, verwenden wir Solarstrom. Wir kochen nicht mit Gas oder Kerosin, sondern mit Parabol-Kochern. Das sind große Schüsseln aus Aluminium. Sie fokussieren die Hitze der Sonne in die Mitte, wo ein Topf mit Wasser steht, das dann in einer Viertelstunde zum Kochen gebracht wird. Unser Müll wird gesammelt, getrennt und verwertet. Seit 2008 sind am Berg und auch schon auf den 50 Kilometern vom Flughafen zum Basislager alle Treckingtouristen dazu angehalten, ihre Abfälle in Bastkörbe zu werfen, die mit Yaks abtransportiert werden.

Und wie genau helfen Sie dann mit?

Das Müllsammeln wird überwiegend von den Sherpas gemacht. Wir als Bergsteiger helfen, wenn wir Ruhetage haben oder wenn wir auf ein Lager hochgehen und mit leerem Rucksack wieder runtergehen. Da nutzen wir dann die Gelegenheit und sammeln Müll.

Wie lange werden sie denn da sein?

Wir sind fast zwei Monate am Everest. Diese lange Zeit ist nötig, damit wir uns akklimatisieren können. Dazu gibt es mehrere sogenannte Rotationen, das heißt, wir gehen vom Basislager zu Camp eins und am gleichen Tag zurück, nach der Regel „Go High, Sleep Low“. So wird man nicht höhenkrank. Dann bleibt man wieder zwei Tage im Basislager und erholt sich. Diese zwei Tage können wir dann nutzen, um den Sherpas beim Müllsammeln zu helfen. Die haben kräftige Nylonsäcke, die 20 Kilogramm fassen. Der Müll wird dann später mit Yaks runtergebracht.

Was passiert dann mit dem Müll?

Das ist wie in westlichen Ländern mit der Müllentsorgung. Der Müll wird schon im Basislager getrennt, in Verwertbares und nicht Verwertbares.

Welchen Müll gibt es eigentlich am Mount Everest?

Zum Beispiel Sauerstoffflaschen, Reste von Zelten und Ausrüstung und Verpackungsabfall. Nicht Verwertbares wird in Namche Bazar, dem Hauptort des Kumbhu-Tals, der offiziell für die Müllbeseitigung zuständigen Organisation übergeben und verbrannt. Verwertbares - wie die Sauerstoffflaschen - wird mit Yaks zum Flughafen gebracht und nach Katmandu geflogen. Sauerstoffflaschen kann man zum Beispiel an den Hersteller zurück verkaufen. Die Agentur „Eco Everest Expedition“ hat da schon ein gutes System aufgebaut.

Werden Sie denn auch Sauerstoffflaschen mit hoch nehmen?

Ja, wir werden Sauerstoff benutzen, ab 7000 Metern, in der Todeszone.

Wie reagieren Sie denn auf die Kritik Reinhold Messners, der Ihre Expedition als „Propaganda-Aktion“ bezeichnet hat? Angesichts des vom Staat Nepal geförderten Massentourismus am Everest bringe eine Einzelaktion wie ihre doch nichts.

Ich glaube, da gab es ein Missverständnis, weil Messner vermutlich nicht vollständig informiert wurde. Ich kenne ihn nicht persönlich, habe ihm aber, nachdem ich die Pressemeldung gelesen hatte, eine Mail geschickt mit Informationen über die Expedition. Bis heute hat er noch nicht geantwortet. Aber wer könnte ernsthaft etwas dagegen haben, wenn wir am Everest Müll wegschaffen?

Die Fragen stellte Oliver Kühn.

Quelle: F.A.Z.
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